Methylphenidat und Dexmethylphenidat können krebsbedingte Fatigue in randomisierten Studien statistisch signifikant lindern. Der Gesamteffekt bleibt jedoch moderat. Erst in Subgruppenanalysen überschritt die Verbesserung nach etwa fünf Wochen die Schwelle einer wahrscheinlichen klinischen Relevanz. Für die hausärztliche Praxis ist dies daher allenfalls ein Hinweis auf eine mögliche Option im Einzelfall – nicht jedoch ein Signal für einen routinemäßigen Einsatz außerhalb eines onkologisch abgestimmten Behandlungskonzepts.
Grundlage ist eine aktualisierte Metaanalyse von neun doppelblinden, placebokontrollierten randomisierten Studien mit insgesamt 823 erwachsenen Patientinnen und Patienten mit fortgeschrittener Krebserkrankung oder laufender Krebstherapie. Gegenüber Placebo verbesserten Psychostimulantien vom Methylphenidat-Typ Fatigue-Scores in mehreren Auswertungen signifikant. Auf der FACIT-F-Skala zur Erfassung der krebsbedingten Fatigue (Functional Assessment of Chronic Illness Therapy – Fatigue) zeigte sich im Gesamteffekt ein mittlerer Unterschied von 2,43 Punkten. Erst nach 5 ± 1 Wochen überschritt die gepoolte Verbesserung mit 3,56 Punkten die Schwelle einer wahrscheinlichen klinischen Relevanz; nach mindestens acht Wochen lag sie bei 3,89 Punkten.
Unter den in die Studien eingeschlossenen Patientinnen und Patienten fanden sich keine statistisch signifikanten Unterschiede gegenüber Placebo, unter anderem nicht für Übelkeit und Erbrechen, Schlaflosigkeit, Angstsymptome oder Tachykardie beziehungsweise Palpitationen. Die Autoren und Autorinnen weisen jedoch darauf hin, dass Patientinnen und Patienten mit relevanten psychiatrischen oder kardiovaskulären Komorbiditäten in den meisten Studien ausgeschlossen waren. Die Ergebnisse lassen sich deshalb nicht ohne Weiteres auf unselektierte Patientengruppen in der Primärversorgung übertragen.
Für Hausärztinnen und Hausärzte dürfte die Arbeit daher vor allem orientierenden Charakter haben. Bei ausgeprägter krebsbedingter Fatigue kann ein Psychostimulans in ausgewählten Fällen als zeitlich begrenzte Überbrückungsstrategie diskutiert werden, wenn nichtmedikamentöse Maßnahmen noch nicht greifen oder ihre Wirkung erst nach mehreren Wochen zu erwarten ist. Eine solche Entscheidung sollte wegen der komplexen onkologischen Gesamtsituation regelhaft in enger Abstimmung mit den behandelnden Onkologinnen und Onkologen erfolgen.
Costa BA et al.: Methylphenidate-Type Psychostimulants for Cancer-Related Fatigue: Updated Meta-Analysis of Randomized Controlled Trials. J Natl Compr Canc Netw. 2026 May;24(5):163-171 (DOI 10.6004/jnccn.2025.7135).