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Kongress-Ticker

Palliativmedizin in der Dermatoonkologie

Was gehört in den palliativen Notfallkoffer?

Yasmin Niederstenschee

19.10.2026

Auch die dermatologische Praxis kann mit palliativmedizinischen Notfällen konfrontiert sein, sobald Patientinnen und Patienten mit fortgeschrittenem Hautkrebs betreut werden. Anders als der Herzinfarkt auf offener Straße, kündigen sich diese Situationen aber meist an und lassen sich daher vorausplanen.

Sterben selbst sei für Palliativpatienten und -patientinnen kein Notfall, das vermeidbare Leiden dabei aber schon, sagte Dr. med. Claudia Schmalz (Kiel). Einige Situationen erfordern eine sofortige Reaktion, darunter Dyspnoe, Tumorblutung und Krampfanfall. Dyspnoe komme in der Palliativsituation besonders häufig vor und verursache im Vergleich zu anderen Symptomen den höchsten Belastungsgrad, auch weil sie als akute Lebensbedrohung erlebt werde und Angst und Panik auslöse. Die eigene Atmung im Blick zu behalten, helfe dem Behandelnden als Erstes, denn Dyspnoe stecke an, so Schmalz. Fenster öffnen, ein Handventilator oder eine Fächertherapie zeigen einen messbaren Effekt. Die Betroffenen dazu anzuleiten, sich auf die Ausatmung zu konzentrieren und die Schultern fallen zu lassen, ergänzt die Maßnahmen.

Für die medikamentöse Therapie gelte laut neuer S3-Leitlinie „Palliativmedizin für Patienten mit einer nicht heilbaren Krebserkrankung“: Opioide sind die einzige Substanzgruppe mit ausreichender Evidenz bei Atemnot. Empfohlen wird eine niedrige Dosis Morphin, 1,25 –2,5 mg s. c. oder i. v. (bei Vorbehandelten die Hälfte der Bedarfsmedikation). Steht Angst im Vordergrund, kommen Lorazepam oder Midazolam infrage. Als Ultima Ratio nannte Schmalz die gezielte Sedierung, zunächst intermittierend, die eine fachärztliche Rücksprache sowie eine vorherige Absprache mit dem Patienten bzw. der Patientin und den Angehörigen voraussetzt.

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Blutung und Krampfanfall vorbereiten

Bei Thrombopenie, Gefäßinfiltration, Exulzeration oder früherer Blutung sollten Ärztinnen und Ärzte das hohe Blutungsrisiko frühzeitig erkennen. Im Akutfall helfen Ruhe, Begleitung, dunkle statt weißer ­Tücher zum Abdecken und Druck auf sichtbare Wunden. Zur Lokaltherapie eigne sich Tranexamsäure auf getränkten Kompressen besser als das früher gebräuchliche Suprarenin. Bei stärkerer Blutung könnten Lorazepam zur Anxiolyse oder Midazolam zur Sedierung nötig werden. Eine einzelne, hochdosierte Notfallbestrahlung stoppe Tumorblutungen nach Schmalz‘ Erfahrung zuverlässig. Die Telefonnummer der Strahlentherapie gehöre deshalb ebenfalls in den Koffer. Krampfanfälle dauern meist > 1 Minute und sistieren von selbst. Erst ab 5 Minuten gilt ein Status epilepticus als lebensbedrohlich. Betroffene sollten weich und sicher gelagert werden, der Beißkeil gelte aber als obsolet. Lorazepam oder Midazolam ließen sich nasal oder bukkal einfacher anwenden als rektal, bei Unwirksamkeit kämen Phenytoin oder Levetiracetam i. v. infrage. Im Anschluss lohnt der Blick auf mögliche Ursachen wie Hirnmetastasen, Elektrolytstörungen oder Medikamente.

Sinnvoll sei es, sich individuell auf absehbare Notfälle einzustellen: mit Medikamentenplan, Notfallverfügung und geklärten Ressourcen am Versorgungsort. Kommunikative Kompetenz – aktives Zuhören und ein strukturiertes Vorgehen beim Überbringen schlechter Nachrichten – gehöre ebenso zur Vorbereitung wie das Material im Koffer selbst, ­resümierte Schmalz.

Symposium „Palliativmedizin in der Dermato-Onkologie“

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