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Kongress-Ticker

Aktinische Keratosen

Behandeln statt beoachten

Yasmin Niederstenschee

19.10.2026

Welche aktinische Keratose zu einem Plattenepithelkarzinom fortschreitet, lässt sich derzeit nicht vorhersagen. Das hat Folgen für die Therapieentscheidung in der Praxis. Bei besonders dicken, hyperkeratotischen Läsionen steigt das Risiko einer solchen Progression binnen 4 Jahren auf 20,9 %.

Aktinische Keratosen (AK) gelten als Vorstufe des Plattenepithelkarzinoms, das neben dem Basalzellkarzinom die zweithäufigste Form des hellen Hautkrebses ist. Die Zahl stationärer Hautkrebsbehandlungen habe sich laut Statistischem Bundesamt in den vergangenen Jahren verdoppelt, berichtete Dr. med. Berenice Lang (Frankfurt am Main). Früher habe man die Entstehung als durchgehenden ­Prozess verstanden, histologisch als AK Grad I bis III fassbar. Eine spanische Arbeitsgruppe beschrieb aber einen anderen Weg: Eine Läsion vom Grad ­AK I kann demnach direkt in ein invasives Plattenepithelkarzinom übergehen. Auf diesem Weg entstehen rund zwei Drittel aller Plattenepithelkarzinome. Das Progressionsrisiko einer einzelnen Läsion liege bei unter 1 % pro Jahr, bezogen auf die Patientinnen und Patienten mit AK jedoch bei knapp 20 % über 10 Jahre.

„Auch die Haut, die klinisch noch normal aussieht, hat die gleiche UV-Strahlung abbekommen wie die Stelle, an der wir die Läsion bereits sehen“, so Lang. Weil sich nicht vorhersagen lasse, welche Läsion fortschreitet, gelte: alle behandeln. Diese Zone subklinischer Veränderungen definiert die europäische Leitlinie als Feldkanzerisierung und empfiehlt dafür feldgerichtete statt läsionsgerichtete Verfahren.

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Der Blick aufs ganze Areal

In einer von Lang zitierten Befragung unter 100 Patientinnen und Patienten mit mind. 2 Therapieerfahrungen schnitten chirurgische Verfahren am besten ab, vermutlich wegen der empfundenen Vollständigkeit. Für ein ganzes Areal, etwa die Glatze, mit multiplen, teils subklinischen Läsionen sei Chirurgie aber kaum praktikabel, so Lang. Sie verwies auf ­topische, feldgerichtete Optionen: photodynamische Therapie (PDT), Imiquimod, Diclofenac mit Hyaluronsäure, Tirbanibulin und Fluorouracil.

In einer randomisierten Studie mit 624 Patientinnen und Patienten blieben nach 12 Monaten 74,7 % der mit 5%igem Fluorouracil Behandelten frei von Therapieversagen, verglichen mit 53,9 % unter Imiquimod, 37,7 % unter PDT und 28,9 % unter Ingenolmebutat. Eine Folgeauswertung fand das niedrigste Risiko für ein invasives Plattenepithelkarzinom im behandelten Areal unter Fluorouracil (2,2 % vs. 5,8 %, 3,6 % und 3,0 %); der Unterschied erreichte keine statistische Signifikanz.

Topisches 5-Fluorouracil (4 % Creme) wurde 2019 in Europa zugelassen. Bei vergleichbarer Wirksamkeit verträgt sich die 4%ige Fluorouracil-Creme besser als die 5%ige: In einer Vergleichsstudie traten unter der 4%igen Creme seltener Hautreizungen an der Applikationsstelle auf (30 % vs. 60 %). Auch bei ­Anwendung über die Sommermonate hinweg, kombiniert mit Lichtschutz, zeigte sie sich in einer weiteren Untersuchung gut verträglich. Die 4%ige ­Creme darf zudem auf Flächen von mehr als 25 cm² angewendet werden. Zur Prävention gehört neben konsequentem Lichtschutz auch die frühzeitige ­Behandlung aktinischer Keratosen.

Symposium „Melanoma and beyond: ein ganzheitlicher Ansatz bei Hautkrebs“ (Veranstalter: Pierre Fabre Pharma GmbH)

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