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Allgemeinmedizin

Allergologie

Wider Nahrungsmittelallergien bei Kids

Angelika Bauer-Delto

5.8.2026

Nahrungsmittelallergien bei Kindern können die ganze Familie sehr belasten. In Forschungsprojekten möchte man weitere als die bisher bekannten Risikofaktoren und Strategien identifizieren, die möglicherweise in der Prävention nutzbar sind. Auch auf dem Gebiet der Therapie gibt es perspektivisch Ansätze.

Eine genetische Prädisposition sowie verschiedene Einflüsse aus dem Lebensumfeld können die Entwicklung einer Nahrungsmittelallergie begünstigen. In einer systematischen Übersicht und Metaanalyse wurden die Inzidenz und Risikofaktoren einer Nahrungsmittelallergie bei Kindern bis zu einem Alter von 6 Jahren untersucht [1]. Die Inzidenz einer mittels Provokationstestung bestätigten Nahrungsmittelallergie lag weltweit bei 4,7 %.

Wichtige Risikofaktoren

Als die stärksten und sichersten Risikofaktoren wurden identifiziert: eine atopische Dermatitis im 1. Lebensjahr, Filaggrin-Gensequenzvariationen, eine allergische Rhinitis, eine verzögerte Einführung von Beikost, die Einnahme von Antibiotika (während der Schwangerschaft sowie im 1. Lebensjahr), eine Sectio, Migrationshintergrund der Eltern sowie Nahrungsmittelallergien in der Familie. Damit wurde die atopische Dermatitis als einer der wichtigsten Risikofaktoren für Nahrungsmittelallergien bestätigt, sagte Prof. Dr. med. Kirsten Beyer, Kinderallergologisches Studien­zentrum, Charité – Universitätsmedizin Berlin. Ein früher Erkrankungsbeginn und ein schwerer Verlauf erhöhen die Wahrscheinlichkeit hierfür noch. Eine rechtzeitige und konsequente Behandlung könnte demnach nicht nur zur Prävention von allergischer Rhinitis und Asthma, sondern auch von ­Nahrungsmittelallergien beitragen.

Zudem sollte die Einführung von Beikost nicht verzögert werden. Die aktuell gültige S3-Leitlinie zur „Allergieprävention“ empfiehlt, dass in den ersten 4 bis 6 Lebensmonaten nach Möglichkeit ausschließlich gestillt werden soll [2]. Abhängig von der Bereitschaft des Säuglings sollte mit der Fütterung von Beikost frühestens ab dem 5. und spätestens ab dem 7. Lebensmonat begonnen werden. Laut der Leitlinie ist eine vielfältige Beikost mit einem geringeren Auftreten von atopischer Dermatitis und/oder allergischen Atemwegserkrankungen assoziiert.

Anaphylaxien auf Nahrungsmittel

Laut Beyer wird die Cashew, die in veganen Produkten immer breitere Verwendung findet, ein zunehmendes Problem unter den Auslösern von ­Nahrungsmittelallergien. Heute ist sie nach Erdnuss und Kuhmilch die dritthäufigste Ursache von Nahrungsmittelanaphylaxien im Kindesalter. Glück­licherweise seien tödliche Verläufe anaphylaktischer Reaktionen bei Kindern selten. Analysen des britischen National Child Mortality Registers ergaben, dass alle Kinder, die an den Folgen einer fatalen Nahrungsmittelanaphylaxie starben, Asthma hatten [3].

Therapeutisches Management

Der Leitlinie der EAACI (European Academy of Allergy and Clinical Immunology) zufolge basiert das therapeutische Management IgE-vermittelter Nahrungsmittelallergien auf den 4 Säulen Ernährungstherapie, psychologische Unterstützung, Therapie akzidenteller Reaktionen und immunmodulatorische Behandlung (Tab.) [4]. Ein spannendes Forschungsfeld ist die Immuntherapie. Da die Vermarktung eines bereits zugelassenen Präparats zur oralen Immuntherapie bei Erdnussallergie eingestellt wird, sind neue Ansätze gefragt.

In einer aktuellen Studie wurde eine orale Immuntherapie mit Erdnussbutter aus dem Supermarkt bei Kindern mit Erdnussallergie getestet [5]. An der Studie nahmen 73 Kinder teil, die erst bei der Aufnahme größerer Mengen Erdnuss allergisch reagierten. Die eine Hälfte der Kinder erhielt über einen bestimmten Zeitraum hinweg eine nach und nach gesteigerte Dosis Erdnussbutter, die andere Hälfte wurde erdnussfrei ernährt. In der Gruppe der Kinder mit Erdnusskonsum konnte bei 100 % eine Desensibilisierung erzielt werden.

Zum Ende des Interventionszeitraums vertrugen alle Kinder aus dieser Gruppe eine Menge, die ungefähr 30 Erdnüssen entsprach. In der Gruppe der Kinder mit Erdnussmeidung waren es dagegen nur 10 %. Allerdings sank die Toleranz auch bei den Kindern in der Erdnusskonsum-Gruppe wieder, wenn der Verzehr abgesetzt wurde. Welche Empfehlungen sich daraus für die Praxis ableiten lassen, sei noch zu diskutieren, so Beyer.

Ein neuer therapeutischer Ansatz ist die epikutane Immuntherapie bei Erdnussallergie. Erste Daten seien vielversprechend, berichtete Beyer. Allerdings steht die Zulassung noch aus. Omalizumab ist durch die US-amerikanische FDA (Food and Drug Administration) bereits für Erwachsene und Kinder ab einem Jahr mit multipler Nahrungsmittelallergie zugelassen. Eine Anwendung in Deutschland erfolgt bislang off-label (Stand: März 2026).

Atopische Dermatitis, frühe Antibiotika-Expo­si­tion und eine verzögerte Beikost­ein­führung sind die wichtigsten vermeidbaren Risiko­fakto­ren für Nahrungsmittelallergien bei Kindern. Ihre konsequente Berücksichtigung bietet konkrete Ansatzpunkte für die Prävention in der Praxis. Für Kinder mit bestehender ­Allergie eröffnen orale und epikutane Immuntherapien zunehmend aussichtsreiche Behand­lungs­optionen.

  1. Islam N et al., JAMA Pediatr 2026: e256105
  2. S3-Leitlinie „Allergieprävention”, AWMF-Reg.-Nr. 061-016
  3. Stoianova S et al., Clin Exp Allergy 2025; 55(1): 4–7
  4. Santos AF et al., Allergy 2025; 80(1): 14–36
  5. Sicherer SH et al., NEJM Evid 2025; 4(3): EVIDoa2400306

16. AllergoUpdate, Berlin, März 2026

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