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Dermatologie

Atopische Dermatitis

Der OX40L-Signalweg als neuer Therapieansatz

Yasmin Niederstenschee

19.8.2026

Menschen mit mittelschwerer bis schwerer atopischer Dermatitis (AD) könnten von einer frühen Blockade des costimulatorischen OX40-OX40L-Signalwegs profitieren. Das legen erste Phase-III-Daten zum monoklonalen Antikörper Amlitelimab nahe. Zwei Referentinnen ordneten Pathophysiologie und klinische Evidenz ein.

Die AD verläuft heterogen: Ausprägung, Erstmanifestationsalter und Entzündungsprofil unterscheiden sich von Patient zu Patient, berichtete PD Dr. med. Ina Hadshiew (Köln). Vor allem der Juckreiz zähle zu den belastendsten Symptomen. Man müsse sich fragen, was dazu führe, dass der Körper Unmengen an Entzündungsstoffen ausschütte und schon eine Etage darüber ansetzen, bevor die einzelnen Zytokine überhaupt gebildet würden, so Hadshiew.

Ansatzpunkt ist die Interaktion zwischen dem OX40-Liganden (OX40L) auf antigenpräsentierenden Zellen und dem OX40-Rezeptor auf T-Zellen. Über eine gestörte Hautbarriere eindringende Allergene und mikrobielle Produkte aktivieren antigenpräsentierende Zellen, die daraufhin OX40L exprimieren und T-Zellen costimulatorisch stimulieren. Die Folge ist eine anhaltende, T-Effektor-Zell-getriebene Entzündung sowie residente T-Gedächtniszellen in der Haut, die für das rasche Wiederaufflammen von Ekzemen an denselben Arealen mitverantwortlich gemacht werden.

Eine OX40L-Blockade setzt bereits bei der Antigenpräsentation an und soll die Kaskade stoppen, bevor Zytokine wie IL-4, IL-13, IL-22 oder IL-31 im Übermaß gebildet werden. Anders als andere Ansätze führt sie nicht zur Depletion der T-Zellen: Die Immunkompetenz bleibt erhalten, die überschießende T-Zell-Antwort wird moduliert. Diskutiert wird daher ein Potenzial zur Krankheitsmodifikation.

Klinische Daten zu Amlitelimab präsentierte Dr. med. Nina Magnolo (Münster). In einer placebokontrollierten Phase-IIb-Studie wurden Responder nach 24 Wochen rerandomisiert. Das Ansprechen blieb trotz sinkendem Serumspiegel bis Woche 52 erhalten. „Obwohl der Wirkstoffspiegel absinkt, bleibt das Ansprechen erhalten. Genau das erhoffen wir uns von dieser Therapie“, so Magnolo.

Ansprechen ohne Plateau

Im Phase-III-Programm COAST 1, COAST 2 (beides Monotherapie) und SHORE (plus topische Kortikosteroide) wurden über 1 800 Jugendliche und Erwachsene im Verhältnis 2 : 1 : 1 auf eine Gabe alle 4 bzw. 12 Wochen oder Placebo randomisiert. An Woche 24 erreichten rund 40 % unter Amlitelimab ein EASI 75 – also einen Rückgang des Hautschwere­grad-Scores EASI um mind. 75 % – ohne Plateaueffekt und mit vergleichbarer Wirkung bei 4- und 12-wöchentlicher Gabe, was perspektivisch nur 4 Injektionen pro Jahr sind. Der Juckreiz besserte sich ab Woche 6 bis 8 deutlich gegenüber Placebo. ­Bereits ab Woche 4 sanken Typ-2- wie Th17/Th22-assoziierte Biomarker, unabhängig vom Ansprechen.

Das Sicherheitsprofil war günstig, häufigste Nebenwirkung eine Nasopharyngitis und die Malignomrate entsprach der Placebogruppe. Im gesamten Entwicklungsprogramm betrafen Betroffene mit bekannten Risikofaktoren 2 Kaposi-­Sarkome. Erste Daten des Programms OCEANA zur 12-­wöchentlichen Dosierung sollen nun weitere Erkenntnisse zur Dauerhaftigkeit liefern.

Symposium „Frühe Intervention bei Atopischer Dermatitis: Innovative OX40L-Inhibition“ (Veranstalter: Sanofi-Aventis Deutschland GmbH)

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