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Dermatologie

Atopische Dermatitis und chronische spontane Urtikaria

Entzündliche Hauterkrankungen bei Kindern

Dr. rer. nat. Reinhard Merz

19.8.2026

Die atopische Dermatitis (AD) und die chronische spontane Urtikaria (csU) gehören zu den häufigsten chronisch-entzündlichen Hauterkrankungen im Kindesalter. Beide Erkrankungen sind mit einer erheblichen Krankheitslast assoziiert, die durch frühzeitige Therapie mit einem Biologikum reduziert werden kann.

Sowohl AD als auch csU beeinträchtigen Schlaf, schulische Leistungen und soziale Teilhabe erheblich. Das Konzept der Cumulative Life Cause Impairment (CLCI) beschreibt die chronische Belastung einer länger bestehenden Erkrankung. Es verdeutlicht, wie sich unbehandelte oder unzureichend behandelte chronische Entzündungen im Kindesalter auf den gesamten weiteren Lebensverlauf auswirken können.

Bei der AD reichen topische Therapien (Glukokortikoide, Calcineurin-Inhibitoren) bei mittelschweren bis schweren Verläufen häufig nicht aus, um eine dauerhafte Krankheitskontrolle zu erreichen. Systemische Kortikosteroide sind aufgrund ihres Nebenwirkungsprofils im Kindesalter nur begrenzt einsetzbar. Bei der csU stellen H1-Antihistaminika der 2. Generation die Basistherapie dar, aber nur ca. 50 % der Patienten und Patientinnen erreichen eine ausreichende Symptomlinderung. Für Kinder unter 12 Jahren mit csU bestand bislang keine zugelassene zielgerichtete Systemtherapie.

Dupilumab ist ein humaner monoklonaler Antikörper, der die IL-4-Rezeptor-α-Untereinheit blockiert und so die Typ-2-Inflammation hemmt. Bei der AD ist Dupilumab ab 6 Lebensmonaten zugelassen. Die Zulassungsstudie LIBERTY AD PRESCHOOL zeigte bei Kindern von 6 Monaten bis unter 6 Jahren signifikante EASI-Reduktionen: 75 vs. 15 % beim EASI-75 nach 16 Wochen.

Langzeitdaten über 52 Wochen bestätigten anhaltende Wirksamkeit und ein akzeptables Sicherheitsprofil. Es gibt zudem Hinweise, dass die Behandlung mit Dupilumab im Vergleich zu konventionellen Systemtherapien mit einem geringeren Risiko für die Entwicklung atopischer Komorbiditäten sowie affektiven Störungen oder ADHS assoziiert ist.

Für die csU erfolgte die Zulassung von Dupilumab ab 2 Jahren auf Basis der Phase-III-Studien LIBERTY-CSU CUPID A und C. Dupilumab-Behandlung führte zu signifikant mehr Erkrankten mit vollständigem Ansprechen. In CUPID A betrug es nach 24 Wochen vs. Placebo 31,4 vs. 13,2 % (p = 0,0199), in CUPID C 29,7 vs. 18,2 % (p = 0,02). Das Sicherheitsprofil war konsistent mit dem bei Erwachsenen.

Pathophysiologisch liegen beiden Erkrankungen IL-4 und IL-13 als zentrale Treiber der Typ-2-Inflammation zugrunde. Bei der csU spielen zudem IgE-vermittelte Mastzell- und Basophilenaktivierung sowie autoimmune Mechanismen eine Rolle. Die Blockade des IL-4/IL-13-Signalwegs durch Dupilumab greift in beide Entzündungskaskaden ein.

In der klinischen Praxis empfiehlt die S3-Leitlinie eine strukturierte Indikationsstellung anhand von 3 Kriterien – objektiver Schweregrad, subjektive Belastung und fehlendes Therapieansprechen –, für die altersspezifische Checklisten zur Verfügung stehen. Ziel ist eine frühzeitige Entzündungskon­trolle, um CLCI zu verhindern und die Lebensqualität betroffener Kinder und ihrer Familien nachhaltig zu verbessern.

Pressekonferenz „Pädiatrische CSU-Therapie neu gedacht: Dupilumab ab 2 Jahren – und weiterhin bewährt bei der AD“ (Veranstalter: Sanofi Deutschland GmbH und Regeneron)

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