Drei von vier Menschen mit mittelschwerer bis schwerer atopischer Dermatitis (AD) sind auch im Gesichts-, Kopf- oder Halsbereich betroffen. Ein selektiver IL-13-Antikörper zeigt in Zulassungsstudien und ersten Praxisdaten eine früh einsetzende, über Jahre stabile Wirksamkeit in allen Körperregionen.
Bei mittelschwerer bis schwerer AD ist bei 72,3 % der Betroffenen auch das Gesicht, der Kopf oder der Hals betroffen, bei schweren Verläufen bis zu 86 %. Diese Patienten und Patientinnen berichten häufiger von starkem Juckreiz, Schlafstörungen, eingeschränkter Lebensqualität sowie Angst und Depression. Neben stärkerer Exposition gegenüber Schadstoffen, UV-Strahlung und Kosmetika begünstigen anatomische Besonderheiten wie eine höhere Dichte an Talg- und Schweißdrüsen dort ein mikrobielles Ungleichgewicht. Zudem ist der Einsatz topischer Kortikosteroide eingeschränkt. Das Gesicht sei besonders sichtbar, da darüber ein Großteil der zwischenmenschlichen Kommunikation ablaufe, sagte Prof. Dr. Dr. med. Andreas Wollenberg (Augsburg).
Ansatzpunkt für die Therapie ist Interleukin(IL)-13, ein Schlüsselzytokin der Typ-2-Entzündung bei AD. Lebrikizumab, ein hochaffiner monoklonaler IL-13-Antikörper, verhindert die Bildung des IL-4Rα/IL-13Rα1-Heterodimers und damit die Signalübertragung über den Typ-II-Rezeptor, ohne den Decoy-Rezeptor IL-13Rα2 zu blockieren. Die physiologische Regulation von IL-13 bleibt so erhalten. Das grenzt den Wirkstoff von anderen systemischen Optionen ab: Dupilumab bindet an die gemeinsame α-Untereinheit von IL-4- und IL-13-Rezeptor und unterdrückt dadurch beide Signalwege, während Tralokinumab an IL-13 direkt bindet und dessen Bindung an den Rezeptorkomplex verhindert. Die JAK-Inhibitoren Baricitinib, Upadacitinib und Abrocitinib haben dagegen ein breiteres Nebenwirkungsspektrum.
Frühes und starkes Ansprechen
In Woche 16 der Zulassungsstudien ADvocate 1 und 2 (n = 851) erreichten 58,8 % ein EASI75-Ansprechen (Rückgang des Hautschweregrad-Scores um mind. 75 %). Ein IGA (Investigator’s Global Assessment) von 0/1 (0 = erscheinungsfrei, 1 = fast erscheinungsfrei) erzielten 43,1 gegenüber 12,7 % unter Placebo. Der Juckreiz besserte sich bereits ab Tag 2 signifikant. Rund ein Drittel in der Subgruppe der Kopf- und Halsläsionen war dort vollständig erscheinungsfrei, der Effekt hielt bis Woche 52 an. Das sei auch für die Therapieentscheidung relevant, so Wollenberg: Eine topische Behandlung mit 30 g Salbe täglich für den ganzen Körper sei zeitaufwendig, eine systemische Therapie oft die praktikablere Option. Viele niedergelassene Ärzte und Ärztinnen würden bei AD dennoch zu selten systemisch behandeln.
In der Langzeitverlängerungsstudie ADjoin hielten 93,5 % der Woche-52-Responder ihr EASI75-Ansprechen bis Woche 200, ungefähr 78 % weiterhin eine deutliche Juckreizlinderung ohne neue Sicherheitssignale über 4 Jahre. Erste Interimsdaten der Studie ADlife (n = 100) bestätigen dies für den Praxisalltag. Häufigste Nebenwirkungen waren Konjunktivitis (6,9 %), Reaktionen an der Injektionsstelle (2,6 %) sowie allergische Konjunktivitis und trockene Augen (je 1,4 %). Abbrüche wegen Nebenwirkungen waren selten.
Pressegespräch „Kontrolle, die man sehen kann: Warum EBGLYSS® einen Unterschied macht – auch bei AD mit Gesichts-, Kopf- und Halsbeteiligung“ (Veranstalter: Almirall Hermal GmbH)