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Allgemeinmedizin

Allergischer Notfall

Akutversorgung bei Anaphylaxie

23.5.2024

Als allergischer Notfall erfordert eine Anaphylaxie sofortiges und rasches Handeln. Jede Ärztin und jeder Arzt sollte daher die wichtigsten Maßnahmen für die Akutversorgung kennen. Darüber hinaus sollten Betroffene stets ein Notfallset griffbereit haben.

Primäres Medikament für die Akuttherapie der Anaphylaxie ist intramuskulär verabreichtes Adrenalin in einer Alters- und Gewichts-abhängigen Dosierung. Adrenalin wirke an verschiedenen Organsystemen, erklärte Prof. Dr. med. Margitta Worm (Berlin).   Durch eine Vasokonstriktion werden Angioödem sowie Blutdruckabfall und durch eine Bronchodilatation wird eine Atemnot gebessert.

Für die Gabe des Adrenalins sollte ein Autoinjektor bevorzugt werden, bei dem es im Vergleich zu einer manuellen Injektion zu einer schnelleren systemischen Anflutung des Adrenalins komme. Tritt nach einigen Minuten keine Besserung ein, sei eine erneute Adrenalin-Injektion angezeigt, so Worm.

Betroffene sollten bei Atemwegssymptomen sitzend gelagert werden, bei kardiovaskulären Symptomen sollten die Füße hochgelegt werden. Weitere Maßnahmen sind die Gabe von Sauerstoff und Flüssigkeit. Bei Stridor sollte zusätzlich vernebeltes Adrenalin, bei Giemen ein β2-Agonist wie Salbutamol verabreicht werden. Zusätzlich können Antihistaminika gegen eine Urtikaria sowie Kortikosteroide sinnvoll sein. Bei Herz-Kreislauf-Versagen und Atemstillstand muss eine intensivmedizinische Versorgung in die Wege geleitet werden.

Wenn möglich, sollte idealerweise rund eine Stunde nach der Reaktion eine Tryptase-Bestimmung erfolgen, die bei der späteren Diagnostik hilfreich sei, ergänzte Worm.

Notfallset: Wann indiziert?

Zur Nachsorge gehören Anaphylaxie-Pass und die Verordnung eines Notfallsets. Dies ist leitliniengerecht empfohlen bei:

  • systemischer allergischer Reaktion und Asthma bronchiale (auch ohne Anaphylaxie in der Vorgeschichte),
  • progredienter Schwere der systemischen allergischen Reaktionen,
  • anaphylaktischen Reaktionen gegen nicht sicher vermeidbare Auslöser in der Vorgeschichte,
  • systemischer Allergie mit extrakutanen Symptomen auf potente Allergene wie Erdnüsse, Baumnüsse, Milch oder Sesam,
  • hohem Sensibilisierungsgrad mit erhöhtem Anaphylaxierisiko,
  • Reaktionen bereits auf kleinste Mengen des Allergens,
  • Erwachsenen mit Mastozytose (auch ohne bekannte Anaphylaxie).

Diskutiert werde immer wieder die Notwendigkeit eines zweiten Adrenalin-Autoinjektors im Notfallset, so Worm. Gemäß Leitlinie ist die Verordnung insbesondere indiziert bei hohem Anaphylaxierisiko oder besonders schwerer Anaphylaxie in der Vergangenheit, bei unkontrolliertem Asthma bronchiale, bei hohem Körpergewicht, aber auch bei schlechter Erreichbarkeit der nächsten notfallmedizinischen Versorgung.

Zusätzlich zum Adrenalin sollte das Notfallset einen Histamin-H1-Rezeptorantagonisten, ein Glukokortikoid und bei Asthma bronchiale oder vorheriger Reaktion mit Bronchospasmus einen inhalativen Bronchodilatator enthalten.

Prof. Dr. med. Margitta Worm: „Anaphylaxien”, Allergo Update, Berlin (hybrid), März 2024

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