Der Klassiker: Kind wünscht sich Haustiere und Mama muss sie dann versorgen. Leider bringen kuschelige Fellknäuel auch gerne Untermieter mit, die sehr lästig, unschön und anstrengend werden können. Im folgenden Fall kann der Patientin unkompliziert geholfen werden, obwohl sie die systemische Therapie nicht verträgt.
Eine Frau Mitte 30 stellte sich wegen seit 5 Wochen zunehmenden entzündlichen Hauterscheinungen vor. Zunächst sei am Handrücken „ein kleiner roter Fleck gewachsen“, dann wären ähnliche Herde auch an Unterarm, Oberschenkel und im Gesicht entstanden. Es bestünde intermittierend allenfalls geringer Juckreiz. Bei Verdacht auf Nickelekzem (gegen einen Armreif) hätte eine Cortisonsalbe die Rötung gelindert, nicht aber die Ausbreitung gestoppt. Auf Nachfrage bestätigte die Patientin den Besitz von Haustieren. Ihre Tochter hätte sich Farbmäuse gewünscht, die die Mutter nun betreuen muss.
Haut und Mikrobiologie wiesen den Weg
An der linken Hand und am Unterarm sind größere solitäre kreisrunde erythrosquamöse Plaques erkennbar (Abb. 1). Am rechten Oberschenkel findet sich eine kleinere, angedeutet ringförmige Läsion. Eine abgeblasste, ebenso runde Läsion ist im rechten Mittelgesicht. Abstrich und Hautspäne werden vom linken Handrücken entnommen. Bakteriologie: Staphylococcus epidermides; Mykologie: Nativpräparat mit Nachweis von Hyphen; Kultur: Trichophyton quinckeanum. Kultur nach 4 Wochen negativ.
Therapie und Verlauf der „Kuscheltiermykose”
In Korrelation von Hautbefund und Haustieranamnese lag die Verdachtsdiagnose einer zoophilen Dermatophytose nahe. Anhand der von der Patientin vorgelegten Bilder ließ sich der direkte Kontakt zu den Farbmäusen nachweisen.
Die anfängliche lokale monosteroidale Therapie hatte im Gesicht die charakteristische Tinea-Morphe modifiziert. Typisch für die „Kuscheltiermykose“ war die Manifestation an den häufigen Kontaktstellen wie Armen und Gesicht. Differenzialdiagnostisch wären das toxische Kontaktekzem, ein nummuläres Ekzem und bei oberflächlichem Hinschauen auch ein Granuloma anulare denkbar. Bei ersterem aber hätte ein Kontakt in der Konfiguration der Hauterscheinung erinnerlich sein müssen.
Das nummuläre Ekzem kann eine ähnliche Morphe haben, ist aber meist an den Unterschenkeln manifestiert, es wird eine immunologische Entzündungsreaktion auf bakterielle Superantigene vermutet. Die langsame Progredienz und auch die Manifestation im Gesicht sprachen dagegen. Das Granuloma anulare ist eine Nekrobiose ohne epidermale Beteiligung und deshalb ohne Schuppenbildung.
Entsprechend der Mikroskopie, dem typischen Aspekt und den Läsionen in mehreren Körperregionen wurde initial eine systemische Therapie mit Terbinafin 250 mg/Tag p. o. initiiert. Aufgrund der deutlichen Inflammation erfolgte zudem eine Lokaltherapie mit Miconazol und Flupredniden in Fixkombination. Wegen gastrointestinaler Unverträglichkeit wurde das Terbinafin nach 5 Tagen von der Patientin abgesetzt. Bei weitergeführter Lokaltherapie mit der lokalen Fixkombination war nach 4 Wochen eine Abheilung ad integrum erfolgt und mit der Kontrollkultur gesichert.
Hartnäckiger Pilz tritt zunehmend auf
Mäuse sind natürliche Reservoire für zoophile Dermatophyten, v. a. für jene des Trichophyton mentagrophytes-Komplexes. Typisch ist die Übertragung von T. quinckeanum („Mäusefavus“) (Abb. 2 und 3). Die Übertragung erfolgt durch Direktkontakt oder über Streu, Einrichtung oder Pflegematerial. Die stark entzündlichen Dermatomykosen betreffen Kinder wie Erwachsene. Dabei sind die Mäuse meist asymptomatische Träger, scheiden aber hochinfektiöse Sporen ab. Diese sind extrem langlebig und resistent. Bei Ausbrüchen kommt es zu charakteristischen schuppigen und krustigen Belägen, den Scutulae („Wabenkrusten“), und Haarausfall, v. a. an Kopf, Ohren und Schwanz des Tieres. Die infizierte Haut riecht süßlich-muffig, was an Mäuseurin erinnert.
Bei Verdacht auf Pilzbefall muss das Tier dringend zum Tierarzt. Bei jedem Kontakt sind strenge Hygienemaßnahmen (Einmalhandschuhe, Händedesinfektion, Schutzkleidung) einzuhalten. Infektionen mit T. quinckeanum haben stark zugenommen. Dies zeigte auch eine retrospektive Analyse am Uniklinikum Jena, in der sich die Fälle 2020 gegenüber 2015 verfünffacht hatten [1]. Der jeweilige Anstieg in der zweiten Jahreshälfte korrelierte mit dem der Feldmauspopulation. Typische Vektoren sind auch Hunde und Katzen [2,3]. Vor allem Kleinkinder sind durch Tinea capitis mit dem Potenzial irreversibel vernarbender Alopezie gefährdet.
Der Autor
Dr. med. Viktor Alexander Czaika
Facharzt für Dermatologie,
Venerologie und Innere Medizin
12439 Berlin
Bildnachweis: Abb. 1 und 2: Dr. med. Viktor A. Czaika, Abb. 3: Prof. Dr. med. Nenoff (Leipzig-Mölbis); Porträt: privat