Viele Menschen in Deutschland sind gestresst. Chronischer Stress und gestörter Schlaf hängen eng zusammen, mit vielen negativen Folgen. Neben Empfehlungen für den Alltag, Entspannungstechniken und medikamentöser Unterstützung bietet die Kurmedizin Ansätze, Stress und Schlafstörungen wieder in den Griff zu bekommen.
Im Stressreport der Techniker Krankenkasse aus dem vergangenen Jahr gaben 66 % der in Deutschland lebenden Befragten an, häufig (31 %) oder zumindest manchmal (35 %) gestresst zu sein [1]. Im Jahr 2013 waren es noch 57 %. Nur 8 % nannten sich 2025 stressfrei, 26 % selten gestresst. Stresszustände führen zu einer Dominanz des sympathischen Nervensystems mit Folgen wie Muskelverspannungen, Störungen der psycho-emotionalen Funktionen, der Immunabwehr und des Herz-Kreislauf-Systems. Auch der zirkadiane Schlaf-Wach-Rhythmus, basierend auf dem individuellen Chronotypus („Lerchen, Tauben, Eulen”), kann laut Dr. med. Hans-Martin Beyer (Füssen) durch akute und chronische Stresszustände beeinträchtigt werden. Gesunder Schlaf ist der von Beyer zitierten National Sleep Foundation zufolge gekennzeichnet durch:
Als Ausdruck von Schlafstörungen nannte Beyer Ein- oder Durchschlafstörungen mindestens dreimal pro Woche über einen Monat, überwiegendes Beschäftigen mit dem Thema Schlaf, Sorge bezüglich negativer Auswirkungen auf unterschiedliche Lebensbereiche, Abnahme der Leistungsfähigkeit im Beruf und im sozialen Alltag sowie einen deutlichen Leidensdruck der Betroffenen.
Ursachen von Schlafproblemen seien Störungen des genetisch angelegten Chronotypus durch Stress, den sogenannten sozialen Jetlag infolge eines Verhaltens gegen den Chronotypus (etwa durch Tätigkeiten in Schichtarbeit) oder durch Entgleisungen des vegetativen Nervensystems, wie sie bei Depressionen auftreten können, so Beyer.
Weitere Ursachen fänden sich etwa im Bereich der Schlafhygiene. Dazu gehöre das Nutzen digitaler Medien oder des Fernsehers am Abend und im Bett, späte große Mahlzeiten oder späte starke körperliche Aktivität, Geräusche wie Verkehrslärm oder Schnarchen oder eine schlechte Schlafumgebung (zu hohe Temperatur, Helligkeit, Schadstoffe, schlechte Matratze etc.).
Gesunder Schlaf stärkt das Gedächtnis, die Resilienz und die Lernleistung
Stress wirke über die Aktivierung der Hypothalamus-Hypophysen-Nebennieren-Achse mit vermehrter Ausschüttung von Cortisol und Adrenalin schlafbeeinträchtigend. Eine gestörte Schlafarchitektur mit unzureichendem REM(Rapid Eye Movement)- und Tiefschlaf führe zu einer weiteren Erhöhung des Stresslevels am Folgetag.
Dabei sei ausreichender und qualitativ guter Schlaf in vielen Bereichen wichtig. Durch die Abnahme der synaptischen Aktivität und die vermehrte Effizienz neuronaler Netzwerke im Schlaf könne sich das Gehirn regenerieren. Erlebnisse des Tages würden im Schlaf verarbeitet und die geistige Erholung stärke die emotionale Resilienz, führte Beyer aus. Die Informationsübertragung vom Kurz- ins Langzeitgedächtnis trage zur Gedächtnisbildung und Löschung überflüssiger Inhalte bei. Neben einer besseren Lernleistung, Konzentration und Aufmerksamkeit habe gesunder Schlaf viele weitere positive Effekte.
Elementarer Ansatz gegen Stress
Ein elementarer Therapieansatz bei chronischem Stress seien kurmedizinische Anwendungen, so der Facharzt für Physikalische und Rehabilitative Medizin. Bewegungstherapie im (Thermal-)Wasser, Kraft-Ausdauer-Training, Entspannungsverfahren innerhalb und außerhalb des Wassers sowie quietive, also beruhigend wirkende, physikalische Therapien wie Massage, aber auch naturheilkundliche und weitere Verfahren innerhalb eines Kuraufenthaltes (ambulant oder stationär) ermöglichten, Stressreaktionen einzudämmen, die biologische innere Ordnung wiederherzustellen und chronische Schlafstörungen zu beheben.
Fachkongress „Gesundes Bayern – Stress im Fokus”, (Veranstalter: Gesundes Bayern Marketing GmbH), Bad Birnbach, Juli 2026