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Adipositastherapie

Wearables plus Coaching

24.7.2026

Regelmäßige Präsenzkontakte sind in der Adipositastherapie oft schwer umzusetzen. Eine Arbeitsgruppe um Dojcárová aus Bratislava untersucht deshalb in einer laufenden randomisierten Studie, ob ein 14-wöchiges, rein online durchgeführtes Gesundheitscoaching – ergänzt durch Smartwatches – das Verhalten von Erwachsenen mit Übergewicht und Adipositas messbar beeinflussen kann.

Entsprechend eines Kongressabstracts vom „33rd European Congress on Obesity (ECO) 2026“ wurden 98 überwiegend sitzende Personen ohne Adipositas-Pharmakotherapie 1:1 randomisiert: in eine Online-Coaching-Gruppe (n = 48; BMI im Mittel 33,6 kg/m²; Alter 40,2 Jahre) und in eine alters- und BMI-gematchte Kontrollgruppe (n = 41; BMI 32,9 kg/m²; Alter 41,3 Jahre). Alle Teilnehmenden erhielten eine Smartwatch zur objektiven Erfassung von Schrittzahl und Aktivitätsintensität, Schlafdauer und -qualität, REM-Schlafparametern, Stresslevel und Ruhepuls. Zusätzlich wurden Gewicht, Taillenumfang, kardiometabolisches Risiko und Lebensqualität per Fragebogen erhoben. Die Interventionsgruppe erhielt 14 individuelle Online-Coachings sowie sechs Gruppensitzungen zu Ernährung, Bewegung, Schlaf und Stressmanagement. Eingesetzt wurden verhaltensmedizinische Strategien wie Zielsetzung, Aktionspläne, Selbstmonitoring und motivationaler Support auf Basis der aufgezeichneten Verhaltensdaten. Die Kontrollgruppe erhielt lediglich schriftliche Informationsmaterialien.

In der Zwischenanalyse wurden die ersten 21 Tage als Baseline mit der anschließenden 77-tägigen Coachingphase verglichen. Das Coaching verbesserte Schlafdauer und -qualität signifikant, insbesondere REM-Schlafparameter, und war mit günstigeren Stresswerten gegenüber der Kontrolle assoziiert (p < 0,05). Für die Gesamtaktivität fanden sich dagegen keine signifikanten Effekte: Weder 24-Stunden-Schrittzahl noch Aktivitätsintensität (aktive Kalorien) unterschieden sich zwischen Interventions- und Kontrollgruppe (p > 0,1). Selbstberichtete Reduktionen von Körpergewicht, Taillenumfang und kardiometabolischem Risiko traten in beiden Gruppen auf und erlaubten damit keine eindeutige Zuordnung zum Coaching selbst. Auffällig war eine hohe interindividuelle Streuung: 22% der Kontroll- und 27% der Coachingteilnehmenden steigerten ihre tägliche Aktivität um mehr als 20%, unabhängig von Alter oder BMI. Veränderungen der Schlafparameter waren ebenfalls unabhängig von Alter und BMI und zeigten Zusammenhänge mit unterschiedlichen Adipositasprofilen.

Vor allem Schlaf und Stress positiv beeinflusst

Laut Kongressbericht von Medscape, der auf Vortrag und begleitenden Interviews basiert, scheint die laufende Studie breiter angelegt zu sein als im publizierten Abstract erkennbar. Dort werden zusätzlich Arme mit professionellem Coaching, Peer-Coaching, KI-gestütztem Coaching und einer Kontrollgruppe mit Wearables allein beschrieben. Damit könnten unterschiedliche Analyseebenen oder weitere Rekrutierungsphasen gemeint sein. Nach diesem Bericht lag die Trageadhärenz der Wearables im Arm mit professionellem Coaching bei rund 91%, verglichen mit 76–79% in Peer-, KI- und Kontrollarmen. Parallel wurden Verbesserungen von Schlafparametern und Stress berichtet. Der Medscape-Bericht betont allerdings, dass die statistischen Analysen noch nicht vollständig abgeschlossen sind und es sich daher um vorläufige Kongressdaten ohne abgeschlossene Vollanalyse handelt.

Für die hausärztliche Versorgung ergibt sich daraus vor allem ein vorsichtiger Ausblick: Digital unterstützte Programme mit Wearables und strukturiertem Online-Coaching könnten in kurzen Interventionsphasen vor allem Schlaf und Stress positiv beeinflussen. Effekte auf Alltagsaktivität, Adhärenz und Gewicht erscheinen bislang deutlich heterogener. Da es sich um interimistische Kongressdaten ohne begutachtete Vollpublikation handelt, sollten die Ergebnisse vorerst eher als belastbare Hypothesenbasis für weiterführende Studien verstanden und entsprechend zurückhaltend kommuniziert werden.

Digitale Gesundheitsanwendungen (DiGA) bei Adipositas – das Wichtigste für die Praxis

Für Erwachsene mit Adipositas Grad 1–2 (BMI 30 bis unter 40 kg/m²; ICD-10 E66.00/E66.01) stehen in Deutschland derzeit zwei dauerhaft gelistete DiGA zur Verfügung: zanadio und Oviva Direkt für Adipositas. Beide Programme bieten eine multimodale, leitlinienorientierte Therapie per App mit Ernährung, Bewegung, Verhaltenstraining und digitalem Coaching. Die Anwendungen laufen meist über 90 Tage und können bei medizinischer Indikation verlängert werden.

Verordnet wird die DiGA per Muster-16 mit passender Diagnose; die Kosten übernimmt die Krankenkasse. Geeignet sind vor allem digital erreichbare und aktiv mitarbeitende Patientinnen und Patienten ohne schwere unbehandelte Essstörungen, wenn eine strukturierte Unterstützung im Selbstmanagement sinnvoll erscheint. Für die hausärztliche Praxis kann eine DiGA-Verordnung besonders dann hilfreich sein, wenn Präsenzprogramme schwer erreichbar sind oder Wartezeiten bis zur spezialisierten Adipositasversorgung überbrückt werden sollen.

Dojčárová M et al.: Smart Wearables as a Tool for Behavioral Change and Lifestyle. Coaching in the Management of Patients Living with Obesity. Abstract AD08.08 in: Obes Facts 2026;19(suppl 1):1–661 (DOI 10.1159/000551826).

* McCall B: Human Coaching Boosts Adherence in AI Wearable Obesity Study. Medscape News Europe, 19.5.2026 (https://www.medscape.com/viewarticle/human-coaching-boosts-adherence-ai-wearable-obesity-study-2026a1000g52).

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