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Individuelle Risikofaktoren

Adipositas verschiebt das Darmkrebsrisiko nach vorn

27.8.2026

Menschen mit Adipositas erreichen das Darmkrebsrisiko des heute üblichen Screeningalters offenbar mehrere Jahre früher als Personen mit Übergewicht. Zu diesem Ergebnis kommt eine Analyse des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) in Heidelberg. Die Arbeit greift ein aktuelles Problem auf: Während die Inzidenz des kolorektalen Karzinoms bei älteren Erwachsenen eher stagniert oder sinkt, nimmt die Zahl der Erkrankungen bei jüngeren Menschen in vielen westlichen Ländern zu. Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, ob fest definierte Altersgrenzen für die Früherkennung künftig durch individuelle Risikofaktoren ergänzt werden sollten.

Grundlage der Untersuchung waren Daten einer aktuellen Metaanalyse zum Zusammenhang zwischen Body-Mass-Index (BMI) und frühem kolorektalem Karzinom (early-onset CRC, eoCRC) sowie populationsbezogene Krebsregisterdaten aus den USA, Kanada, Deutschland, Frankreich, dem Vereinigten Königreich und Italien. Auf dieser Basis berechneten die Forschenden, in welchem Alter Menschen mit Adipositas dasselbe 5-Jahres-Risiko für ein kolorektales Karzinom erreichen wie übergewichtige Personen an den heute üblichen Screening-Startpunkten. Dabei gingen sie im Hauptmodell davon aus, dass die populationsbezogenen Registerrisiken näherungsweise das Risiko einer übergewichtigen Durchschnittspopulation abbilden.

Die Ergebnisse fielen über alle untersuchten Länder hinweg weitgehend konsistent aus. Personen mit Adipositas erreichten das Risikoniveau eines übergewichtigen 45-Jährigen bereits mit 41 bis 42 Jahren. Das Risikoniveau eines übergewichtigen 50-Jährigen wurde je nach Land mit 46 bis 47 Jahren erreicht. Für Deutschland ergaben sich entsprechende Altersgrenzen von 42 beziehungsweise 47 Jahren. Sensitivitätsanalysen bestätigten die grundsätzliche Tendenz, dass Menschen mit Adipositas mehrere Jahre früher dieselbe kumulative Darmkrebswahrscheinlichkeit erreichen.

Risikoadaptierte Früherkennungsstrategien

Für die Versorgungspraxis bedeutet dies zunächst keine unmittelbare Änderung bestehender Empfehlungen. Die Studie zeigt nicht, dass ein früherer Screeningbeginn bei Adipositas tatsächlich die Prognose verbessert, sondern modelliert den Zeitpunkt, zu dem vergleichbare Risikoschwellen erreicht werden, und kann damit eher als Ausgangspunkt für weitere Modellierungen verstanden werden. Die Ergebnisse legen jedoch nahe, dass Menschen mit Adipositas das für die derzeitigen Screeninggrenzen relevante Erkrankungsrisiko im Durchschnitt 3–4 Jahre früher erreichen als übergewichtige Durchschnittspatienten und -patientinnen.

Die Arbeit reiht sich damit in die zunehmende Diskussion um risikoadaptierte Früherkennungsstrategien ein. BMI wäre hierfür ein besonders pragmatischer Risikofaktor, da er einfach verfügbar und routinemäßig dokumentiert ist. Gleichzeitig betonen die Autorinnen und Autoren des DKFZ, dass das Darmkrebsrisiko von zahlreichen weiteren Faktoren beeinflusst wird, darunter genetische Prädispositionen, Lebensstilfaktoren, Familienanamnese und Begleiterkrankungen. Ob daraus künftig tatsächlich BMI-basierte Startalter für Stuhltests oder Koloskopien abgeleitet werden sollten, müssen weitere Modellierungen, gesundheitsökonomische Analysen und letztlich gesundheitspolitische Entscheidungen zeigen.

Seum T et al.: At what age should people with obesity start colorectal cancer screening? Int J Cancer. 2026 Aug 15;159(4):876-882 (DOI 10.1002/ijc.70448).

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