Schlaftracker, Wearables und Apps können das Schlafverhalten nur eingeschränkt abbilden und eignen sich nicht zur medizinischen Abklärung einer Insomnie oder Schlafapnoe. Darauf weist die Deutsche Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin (DGSM) hin. Viele Produkte erfassen vor allem Bewegung und Herzfrequenz; damit lassen sich Schlafdauer, Einschlafzeit und nächtliche Wachphasen grob abschätzen, nicht aber die Schlafqualität valide beurteilen.
Für die hausärztliche Beratung heißt das: Bei persistierenden Ein- oder Durchschlafstörungen, ausgeprägter Tagesmüdigkeit, Schnarchen mit Atempausen oder relevantem Leidensdruck sollte nicht auf App-Daten vertraut, sondern eine strukturierte Anamnese und gegebenenfalls schlafmedizinische Diagnostik veranlasst werden. Die meisten Validierungsstudien wurden zudem mit gesunden Personen durchgeführt. In einer Vergleichsstudie mit sechs verbreiteten Wearables war zwar die Unterscheidung zwischen Schlaf und Wachzustand relativ zuverlässig, die Erfassung einzelner Schlafstadien wich jedoch deutlich stärker von der Polysomnographie ab (DOI 10.3390/s22166317).
Zum Problem kann zudem die sogenannte Orthosomnie werden: Das wiederholte Kontrollieren und Optimieren vermeintlicher Schlafparameter kann den Fokus auf den Schlaf verstärken, Verunsicherung fördern und Schlafprobleme aufrechterhalten. Eine Querschnittsstudie mit 523 Erwachsenen schätzte die Prävalenz – abhängig von der gewählten Definition – auf 3,0 bis 14,0 Prozent. Die obere Schätzung sollte daher nicht als gesicherte Häufigkeit bei allen Tracker-Nutzenden verstanden werden (DOI 10.3390/brainsci14111123).
Digitale Anwendungen können dennoch sinnvoll sein, wenn sie wissenschaftlich evaluiert und in ein diagnostisches beziehungsweise therapeutisches Konzept eingebettet sind. Wearables können dabei orientierende Informationen zum Schlaf liefern; sie ersetzen aber weder die klinische Beurteilung noch validierte schlafmedizinische Verfahren (DOI 10.1093/sleepadvances/zpaf021).
Pressemitteilung: „DGSM-Aktionstag „Erholsamer Schlaf“ – Sport und Schlaf. Schlaf-Apps & Wearables: DGSM-Experte Dr. Hans-Günter Weeß warnt vor falschen Versprechen. Deutsche Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin (DGSM), Jena, Juni 2026 (https://www.dgsm.de/fileadmin/dgsm/veranstaltungen/DGSM-Aktionstag_Erholsamer_Schlaf/02_ATS_2026_PM_Sleep_Gadgets.pdf).