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Allgemeinmedizin

Vitamin D

Vorteilhaft zur Vorbeugung akuter Atemwegsinfektionen

Dr. phil. nat. Miriam Neuenfeldt

29.7.2021

Mehrere Studien weisen auf präventive Effekte von Vitamin D bei akuten Atemwegsinfektionen hin. Eine systematische Übersichtsarbeit bestätigt nun den Zusammenhang zwischen geringen Vitamin-D-Spiegeln und dem erhöhten Risiko sowie dem Schweregrad akuter Atemwegserkrankungen.1

Vitamin D unterstützt das Immunsystem, indem es die Eliminierung von Pathogenen fördert und inflammatorische Reaktionen herunterreguliert. Das Prohormon verstärkt die Produktion antimikrobieller Peptide wie Defensine oder Cathelicidine und reduziert z. B. die Replikation und Verbreitung von Rhinoviren. Zudem erhöht es die antimikrobielle Abwehr bronchialer Epithelzellen über die Akti­vierung von Interferon-Signalkaskaden und spielt folglich eine wichtige Rolle in der Prävention ­akuter Atemwegsinfektionen.[2–5] Darüber hinaus variiert der 25-Hydroxyvitamin-D (25-OH-D3)-Spiegel in unseren Breiten saisonal. Die geringsten Konzentrationen werden im Winter bzw. Frühling gemessen. Dann liegt auch die Inzidenz akuter Atemwegsinfektionen am höchsten, ein ­Zusammenhang mit dem Vitamin-D-Spiegel liegt nahe.[1]

Hohe Vitamin-D-Spiegel günstig

Beobachtungsstudien und randomisierte kontrollierte Studien weisen auf präventive Effekte des Vitamin D bei akuten Atemwegsinfektionen hin. Die Ergebnisse sind jedoch inkonsistent und eine optimale 25-OH-D3-Serumkonzentration konnte bisher nicht definiert werden. In einer systematischen Übersichtsarbeit und Metaanalyse werteten daher Pham et al. 24 Beobachtungsstudien aus, um die Verbindung zwischen dem 25-OH-D3-Spiegel und dem Risiko bzw. dem Schweregrad von akuten Atemwegsinfektionen bei Jugendlichen und Erwachsenen zu untersuchen.[1] In der Metaanalyse zum Risiko, akute Atemwegs­erkrankungen zu entwickeln, waren 14 Studien mit insgesamt 78.127 Studienteilnehmern eingeschlossen – die bisher größte Probandenzahl zu dieser Fragestellung. Der Vergleich der Gruppe mit den geringsten Vitamin-D-Spiegeln mit der mit den höchsten Serumkonzentrationen ergab eine gepoolte Odds Ratio für das Risiko akuter Atemwegsinfektionen von 1,83 (95%-Konfidenzintervall [KI] 1,42–2,37). Probanden mit den niedrigsten Serumkonzentrationen hatten demzufolge ein fast doppelt so hohes Risiko für akute Atemwegs­erkrankungen im Vergleich zu den Studienteilnehmern mit den höchsten Vitamin-D-Spiegeln. Dieser Trend war jedoch nicht linear und wies Knickpunkte bei 25-OH-D3-­Serumkonzentrationen von 60 nmol/l und 37,5 nmol/l auf. Der größte Anstieg des Risikos für akute Atemwegserkrankungen zeigte sich bei Serumkonzentrationen unter 37,5 nmol/l (Abb.). Der Zusammenhang zwischen niedrigen 25-OH-D3-­Spiegeln und einem erhöhten Risiko für akute Atemwegserkrankungen spiegelt sich auch in den Ergebnissen einer Metaanalyse aus 2015 wider.[6] Die zweite Metaanalyse (fünf Studien) der Übersichtsarbeit von Pham et al. ist bislang die einzige zum Verhältnis von 25-OH-D3-Serumkonzentrationen und dem Schweregrad akuter Atemwegserkrankungen. Die ermittelte inverse Assoziation war im Vergleich zum Risiko akuter Atemwegserkrankungen noch stärker ausgeprägt. So waren bei Probanden mit den niedrigsten Vitamin-D-Spiegeln der Schweregrad und auch die Mortalität etwa 2,5-fach erhöht im Vergleich zu Studienteilnehmern mit den höchsten Serumkonzentrationen. Die gepoolte Odds Ratio für den Schweregrad akuter Atemwegs­infektionen betrug 2,46 (95%-KI 1,65–3,66). Die Dauer der akuten Atemwegserkrankungen war ebenfalls invers zur 25-OH-D3-Serumkonzentration assoziiert: In sieben von zehn Studien war die Erkran­kungs­dauer bei geringen Vitamin-D-Spiegeln verlängert.1

Wann können Menschen von einer Vitamin-D-Supplementierung profitieren?

Randomisierte kontrollierte Studien zur Vitamin-D-Supplementierung mit Blick auf Atemwegserkrankungen kommen zu unterschiedlichen Ergebnissen: Zum Teil zeigte sich, dass eine Supplementierung das Risiko für akute Atemwegserkrankungen reduziert,[7–9] wohingegen andere randomisierte kontrollierte Studien keinen solchen Zusammenhang beobachteten.[10–13] Diese Differenzen können durch unterschiedliche Studiendesigns, Vitamin-D-Dosierungen und -Regimes sowie unterschied­liche Baseline-25-OH-D3-Serumkonzentrationen be­­gründet sein. So kam eine Metaanalyse von 2017 zu dem Ergebnis, dass eine Supplementierung das Risiko für akute Atemwegs­erkrankungen, insbesondere bei Probanden mit 25-OH-D3-Serumkonzentrationen unter 25 nmol/l, reduziert.[14] Den Ergebnissen der Metaanalyse von Pham et al. zufolge profitieren Menschen mit Serumspiegeln unter 37,5 nmol/l am meisten von einer Supplementierung. Vorteilhaft könnte Vitamin D ebenfalls bei Spiegeln unter 60 nmol/l sein. Jedoch wurden in den berücksichtigten Studien die 25-OH-D3-Werte mit unterschied­lichen Analysemethoden ermittelt. Ein fester Ziel- oder Grenzwert für Vitamin-D-Spiegel, ab dem eine Supplementierung von Vorteil ist, lässt sich aufgrund der heterogenen Daten weiterhin nicht definieren. Dennoch zeigt sich konsistent, dass geringe 25-OH-D3-Spiegel das Risiko und den Schweregrad akuter Atemwegsinfektionen erhöhen.

Die Autorin

Dr. phil. nat. Miriam Neuenfeldt
Wissenschaftliche
Autorin & Referentin
18439 Stralsund

info@phar-med.de
www.phar-med.de

[1] Pham H et al., Int J Environ Res Public Health 2019; 16 (17): 3020
[2] Telcian AG et al., Antivir Res 2017; 137: 93–101
[3] Zdrenghea MT et al., Rev Med Virol 2017; 27: e1929
[4] Assa A et al., J Infect Dis 2014; 210: 1296–1305
[5] Bartley J, J Laryngol Otol 2010; 124: 465–469
[6] Furlong K et al., FASEB J 2015; 29: 252–255
[7] Ginde AA et al., J Am Geriatr Soc 2017; 65: 496–503
[8] Majak P et al., J Allergy Clin Immunol 2011; 127: 1294–1296
[9] Urashima M et al., Am J Clin Nutr 2010; 91: 1255–1260
[10] Jorde R et al., Scand J Infect Dis 2012; 44: 126–132
[11] Mattila V et al., J Infect Dis 2010; 202: 809–814
[12] Li-Ng M et al., Epidemiol Infect 2009; 137: 1396–1404
[13] Manaseki-Holland S et al., Lancet 2012; 379: 1419–1427
[14] Martineau AR et al., BMJ 2017; 356: i6583

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