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Dermaologie

Trichophyton indotineae

Auch auf kleine Herde achten!

Dr. med. Viktor A. Czaika

29.9.2026

Es schuppt und juckt wie bei vielen Hautpilz-Erkrankungen, lässt sich aber durch übliche lokale und systemische Therapien meist nicht besiegen. Der Dermatophyt findet sich besonders oft bei Menschen mit Herkunftsländern im südasiatischen Raum. Dran zu denken, ist einmal mehr besonders wichtig.

Ein 35-jähriger Migrant aus Indien beklagt seit 3 Monaten langsam zunehmende entzündliche Hauteffloreszenzen. Subjektiv bestünde ein allenfalls milder Juckreiz. Langzeitige Lokaltherapie mit einem Steroid blieb ebenso erfolglos wie eine 6-wöchige antimykotische Systemtherapie mit Terbinafin, die bei V. a. Tinea corporis eingeleitet worden war. An Oberschenkel-Innenseiten, Genitalien und dem unteren Abdomen fanden sich großflächig konfluierende braunrote Plaques mit mittellamellärer Schuppung als Zeichen einer epidermalen Beteiligung (Abb. 1).

Die Labordiagnostik erbrachte nach Gewinnung von Hautspänen inguinal einen positiven Befund in der Kaliumhydroxid-Nativmikroskopie. Die Reinkultur nach Anzucht auf Sabouraud 4 % Glucose-Agar bei 28 °C offenbarte cremefarbene konfluierende, flache, samtig-pludrig-granuläre Kolonien (Abb. 2). Die Veri­fizierung mittels Polymerase-Kettenreaktion (PCR) bestätigte die Diagnose Trichophyton mentagrophytes Genotyp VIII / Trichophyton indotineae.

Klinisch und in Korrelation zum positiven Pilzbefund im Nativpräparat war von einer Dermatophytose im Sinne der Tinea corporis auszugehen. Das anamnestische Nichtansprechen auf systemisches Terbinafin, der sonst äußerst effektiven Standardtherapie bei Tinea corporis, ließ T. indotineae als Ursache vermuten. Bis zum Erhalt der mykologischen Diagnose­sicherung wurde eine Lokaltherapie mit der Fixkombination aus Flupredniden und Miconazol eingeleitet. Darunter war das entzündliche Infiltrat schon deutlich rückläufig. In Kenntnis des kulturellen und des PCR-Befundes erfolgte dann eine zusätzliche Systemtherapie mit Itraconazol 100 mg/d über 6 Wochen, was zur Abheilung führte.

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Häufig sind Migranten aus Südasien betroffen

T. indotineae ist ein ursprünglich vom indischen Subkontinent stammender und zunehmend gegen Terbinafin, aber auch gegen Itraconazol und Voriconazol resistenter Dermatophyt. Klinisch schon seit 2008 beobachtet, wurde der Pilz erstmals 2018 molekularbiologisch identifiziert. Er befällt Haut, Haare und Nägel. Betroffen sind meist (auch schon länger in Deutschland lebende) Menschen mit Herkunftsland Indien, Pakistan oder Bangladesch. Charakteristisch ist eine ausgedehnte Tinea corporis in Form stark entzündlicher, juckender Hautausschläge an Körperstamm, Leisten, Beinen und im Gesicht, die nicht auf das Standard-Systemantimykotikum Terbinafin anspricht.

Die Übertragung erfolgt ausschließlich von Mensch zu Mensch durch Körperkontakt oder Kleidung sowie Bettwäsche und wird teils schon zu den sexuell übertragbaren Krankheiten (STI) gezählt. Es ist von einer bis zu 75%igen Terbinafin-Resistenz auszugehen, die mit einer Missense-Mutation des Gens der Squalenepoxidase erklärt wird.

Die epidemieartige Ausbreitung des Dermatophyten über den indischen Subkontinent ist Folge problematischer sozioökonomischer Zustände. Zudem ist sie über die Resistenzentwicklung v. a. durch unkontrollierte Zufuhr von Systemantimykotika (auch als Fixkombinationen) erklärbar. Der Pilz hat übliche anthropophile Spezies wie T. rubrum in Indien bereits verdrängt. Inzwischen ist der Erreger auf 6 Kontinenten nachgewiesen und gilt zu Recht als „Emerging Pathogen“ (aufkommender Krankheitserreger). So werden neuartige oder sich geografisch aus­breitende Mikroorganismen bezeichnet, die erstmals bei Menschen auftreten oder deren Fallzahl rapide steigt.

In der Kultur kann T. indotineae nicht von anderen Genotypen des T.-mentagrophytes-/T.-interdigitale-Komplexes unterschieden werden.

Die meisten der Betroffenen in Deutschland haben einen Migrationshintergrund (Südasien, arabische Länder). Im Labor Leipzig-Mölbis (Leiter Prof. Dr. med. Pietro Nenoff) wurden von 2018 bis Ende 2024 alle kulturell und/oder molekularbiologisch bei Menschen aus Deutschland nachgewiesenen Fälle (242 Isolate von 196 Personen) von T.-indotineae-Infektionen systematisch erfasst und mit PCR sicher identifiziert. Bei 61,8 % (161 von 186) der Stämme wurde eine Terbinafin-Resistenz nachgewiesen. Resistenz gegen Itraconazol, dem Standard-Medikament gegen T. indotineae, wurde bei 5,9 % (11 von 186) der getesteten Isolate nachgewiesen.

Unter diesem Gesichtspunkt ist besonders das rechtzeitige Erkennen kleiner Infektionsherde wichtig. Wegen des stark entzündlichen Aspektes sollte initial eine kombinierte antimykotisch-steroidale Lokaltherapie erfolgen. Im vorliegenden Fall hat sich die Fixkombination Miconazol/Flupredniden bewährt. Als weitere lokale Antimykotika gegen T. indotineae sind Amorolfin, Bifonazol und Clotrimazol zu nennen.

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Der anthropophile Dermatophyt Trichophyton indotineae ist ein relativ neuer, sich von Indien aus weltweit ausbreitender, hochansteckender Hautpilz, der zunehmend Besorgnis auslöst. Seine hohe Kontagiosität, auch über unbelebte Vektoren, der rasche großflächige Hautbefall und die Resistenz gegen verfügbare Antimykotika machen ihn zu einem „Emerging Pathogen“.

Der Autor

Dr. med. Viktor Alexander Czaika
Facharzt für Dermatologie,
Venerologie und Innere Medizin
12439 Berlin

viktor.czaika@gmx.de

  1. Songgan Jia et al., Front Immunol 2023; 13: 1113065
  2. Uhrlaß S et al., Dermatologie (Heidelb) 2025; 76(9): 551–64

Bildnachweis: Dr. med. Viktor A. Czaika (Berlin); privat

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