Wohl kein erhöhtes ADHS-Risiko beim Kind durch Pränatales Paracetamol +++ Besser Amitriptylin als Duloxetin bei Unspezifischem Rückenschmerz? +++ Rauchen ist Risikofaktor für Gelenkschmerzen in der Menopause +++ Kopfschmerz vom Spannungstyp +++ Übungen gegen Rückenschmerz
Wohl kein erhöhtes ADHS-Risiko beim Kind durch Pränatales Paracetamol
Es sind Bedenken aufgekommen, dass sich die Verwendung von Paracetamol während der Schwangerschaft auf die neurokognitive Entwicklung der Kinder negativ auswirken könnte, besonders in Bezug auf Autismus-Spektrum-Störungen. Ziel eines Reviews war es, vorhandene Evidenz dazu sowie zur Wahrscheinlichkeit der Entwicklung von Aufmerksamkeits- und Hyperaktivitätsstörungen (ADHS) und geistiger Behinderung beim Kind zusammenzutragen.
Die Autorengruppe bezog 43 Studien in die systematische Übersicht und 17 Studien in die Metaanalyse ein. Bei Betrachtung der Vergleichsstudien war die Paracetamol-Exposition während der Schwangerschaft nicht mit dem Risiko für Autismus-Spektrum-Störungen oder einer geistigen Behinderung assoziiert. Dieses Ergebnis bestand fort, wenn alle Studien mit bereinigten Schätzungen und mit mehr als 5 Jahren Nachbeobachtung berücksichtigt wurden.
Fazit: Die derzeitige Evidenz deutet nicht auf einen klinisch bedeutsamen Anstieg der Wahrscheinlichkeit für Autismus-Spektrum-Störungen, ADHS oder geistige Behinderung bei Kindern von Schwangeren hin, die Paracetamol vorschriftsmäßig anwenden.
D’Antonio F et al., Lancet Obstet Gynaecol Womens Health 2026; 2: e190–8
Besser Amitriptylin als Duloxetin bei unspezifischem Rückenschmerz?
Forschende verglichen die Wirksamkeit und Sicherheit von Amitriptylin und Duloxetin bei unspezifischen chronischen Schmerzen im unteren Rückenbereich (NSCLBP). Das Durchschnittsalter der 254 Teilnehmenden lag in der Amitriptylin-Gruppe mit ca. 35 Jahren signifikant höher als in der Duloxetin-Gruppe (ca. 30 Jahre). Auch die Schmerzwerte auf der visuellen Analogskala (VAS) zu Studienstart differierten signifikant: 7,9 in der Amitriptylin-Gruppe und 8,4 in der Duloxetin-Gruppe. Nach 12 Wochen wies die Duloxetin-Gruppe signifikant niedrigere VAS-Werte (0,92) auf als die Amitriptylin-Gruppe (1,87). Eine Analyse mit Berücksichtigung von Alter und VAS-Basiswert bestätigte eine signifikante Schmerzreduktion zugunsten von Duloxetin.
Fazit: Wegen der länger anhaltenden Schmerzlinderung könnte Duloxetin eine bessere Option bei NSCLBP sein als Amitriptylin. Das individuelle Patientenprofil ist zu berücksichtigen.
Sardar N, World J Methodol 2026; 16(1): 107203
Rauchen ist Risikofaktor für Gelenkschmerzen in der Menopause
Gelenkschmerzen sind ein häufiges Symptom bei Frauen in der Menopause. Rauchen gilt aufgrund der antiestrogenen Wirkung als mit Schmerzsyndromen assoziiert.
In einer Querschnittsanalyse der Umfragedaten von 371 Frauen in einer kanadischen Menopause-Klinik wurde evaluiert, ob das Rauchen bei Frauen in den Wechseljahren unabhängig mit Gelenkschmerzen assoziiert ist.
In der Untersuchung berichteten 52 % der Teilnehmerinnen von mäßigen bis starken Gelenkschmerzen. Rauchen war sowohl im univariaten als auch im multivariaten Modell (Quotenverhältnis 2,32 bzw. 2,18) signifikant mit Gelenkschmerzen assoziiert. Gelenkschmerzen standen zudem im Zusammenhang mit Hitzewallungen, Stimmungsschwankungen und Müdigkeit. Dagegen wurde für Alter, Estrogentherapie, Adipositas, Depressionen, Alkoholkonsum und sexuelle Aktivität kein signifikanter Zusammenhang mit Gelenkschmerzen festgestellt.
Fazit: Rauchen ist bei Frauen in den Wechseljahren mit Gelenkschmerzen assoziiert, und zwar unabhängig von Begleitumständen. Es ist somit ein modifizierbarer Risikofaktor. Während die zugrunde liegenden Mechanismen des Zusammenhangs noch unklar sind, stützt diese Assoziation die Hypothese, dass estrogenbezogene Signalwege für Gelenksymptome bei Frauen in den Wechseljahren von Bedeutung sind.
Roebotham T et al., Climacteric 2026: 1–7
Kopfschmerz vom Spannungstyp
Welche pharmakologischen Interventionen zur Prävention von chronischen Spannungskopfschmerzen können als die wirksamsten gelten? Dieser Frage gingen chinesische Forschende in einem aktuellen Review nach, für das sie 35 randomisierte kontrollierte Studien zu Medikamenten im Vergleich zu Placebo oder einem anderen Arzneimittel heranzogen.
Der Wirkstoff Amitriptylin (100 mg/d) führte zu einer stärkeren Reduktion der monatlichen Kopfschmerztage als Placebo (Mittelwertdifferenz [MD] nach 4 Wochen: - 6,59; nach 8 Wochen: - 6,14). Auch Botulinumtoxin A (100 Einheiten) kann die Zahl der monatlichen Kopfschmerztage reduzieren (MD - 3,79). Amitriptylin war nach 4, 8 und 24 Wochen die am besten bewertete Behandlung hinsichtlich der Zahl monatlicher Kopfschmerztage.
Fazit: Amitriptylin 100 mg/d und Botulinumtoxin A können als Optionen gelten, um die monatlichen Kopfschmerztage bei Betroffenen mit chronischen Spannungskopfschmerzen zu reduzieren. Angesichts der geringen Evidenzsicherheit und der hohen Heterogenität sind weitere Studien erforderlich.
Tao QF et al., Ann Med 2026; 58(1): 2616972
Übungen gegen Rückenschmerz
Können Übungen zur Rumpfstabilität (Core Stability) plus ein Dual-Task-Training (CSD) unspezifische chronische Schmerzen im unteren Rückenbereich (NSCLBP) stärker lindern als generelles Training (General Exercise) plus Dual-Task-Training (GED)?
Dual-Task-Training ist eine Methode, bei der eine Person 2 Aufgaben gleichzeitig ausführt, typischerweise eine kognitive (z. B. rückwärts zählen) und eine motorische Aufgabe (z. B. Gleichgewichtsübungen). Es wurden 47 Teilnehmende mit NSCLBP randomisiert in die CSD- oder die GED-Gruppe eingeteilt. Beide Gruppen absolvierten 16 betreute Trainingseinheiten. Die CSD-Gruppe verbesserte sich im Oswestry Disability Index (ODI) mehr. Bei beiden Gruppen konnte eine Verbesserung bei allen Endpunkten dokumentiert werden, wobei sich die CSD-Gruppe hinsichtlich Schmerzen, Lebensqualität sowie Kinesiophobie als überlegen erwies.
Fazit: CSD kann die klinischen Ergebnisse im Vergleich zu GED verbessern. Die Autorengruppe bezeichnet die Evidenzlage aber als begrenzt.
Raoufi Z et al., Musculoskelet Sci Pract 2026: 82: 103501
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