Bei der Endometriose bestimmen gemäß dem bio-psycho-sozialen Verständnis körperliche, psychologische und soziale Faktoren Krankheitslast und Leidensdruck. Das erfordert einen multimodalen und individuellen Therapieansatz, dem die aktuelle Leitlinie mit einer Reihe von Empfehlungen Rechnung trägt.
Die Kombination aus unterschiedlichen Therapieverfahren (z. B. medikamentöse Therapie und Physiotherapie) wird als multimodaler Ansatz bezeichnet und erfordert eine enge und systematisch abgestimmte Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen beteiligten Fachdisziplinen, beispielsweise in Form systematischer Teambesprechungen oder Fallkonferenzen. Dieser Ansatz integriert verschiedene Behandlungsmethoden und -techniken, um sowohl körperliche als auch psychische und soziale Komponenten der Erkrankung zu adressieren. Ein Großteil der Therapieempfehlungen orientiert sich dabei an allgemeinen Prinzipien der Behandlung chronischer Schmerzen.
Die initiale Behandlung von Endometriose-assoziierten Schmerzen sollte ab Diagnosestellung bereits multimodal erfolgen, etwa Analgetika plus hormonelle Therapie (z. B. mit Dienogest oder Relugolix-CT). Dieser einfache Ansatz ist in jeder gynäkologischen Praxis umsetzbar.
Weitergehende multimodale Ansätze erfordern eine definierte Team- und Kommunikationsstruktur und werden vorzugsweise in Zentren umgesetzt. Neben der medikamentösen und operativen Behandlung kommen dort auch nichtmedikamentöse Verfahren, physiotherapeutische sowie frühzeitig psychotherapeutische Therapien zum Einsatz. Die (Psycho-)Edukation der Patientinnen hat hohe Bedeutung, um katastrophisierende Gedanken zu vermeiden und ggf. Placeboeffekte in der Kommunikation bewusst zu nutzen. Die konsensbasierte Empfehlung 4.E32 (neu 2025) der aktuellen Leitlinie [1] trägt dem Rechnung: Liegt bei einer Patientin mit Endometriose eine chronische Schmerzstörung vor, sollte die Schmerzbehandlung im Zuge einer interdisziplinären multimodalen Schmerztherapie angeboten werden.
Empfehlungen zur multimodalen Therapie
Im konventionellen Therapieansatz haben viele Patientinnen kaum systematischen Zugang zu psychologischer Begleitung, Schmerztherapie, Ernährungsberatung, Beckenbodenphysiotherapie oder sexualmedizinischer Begleitung und leben oft mit chronischen Schmerzen. Die Einschränkungen auf physischer, psychischer, persönlicher, beruflicher und sozialer Ebene sind gravierend. Die konsensbasierte Empfehlung 4.E33 (neu 2025) empfiehlt daher: Falls die Endometriose mit chronischen Schmerzen einhergeht, sollten psychotherapeutische Verfahren in ein multimodales Konzept eingebettet werden. Die medikamentöse Schmerztherapie erfolgt dabei individuell angepasst an Intensität, Lokalisation und Charakter der Beschwerden.
Eine primäre Untersuchung auf Angst und Depression sollte bei Patientinnen mit Endometriose im Rahmen der gynäkologischen psychosomatischen Grundversorgung durchgeführt werden. Mögliche Praxiswerkzeuge sind der Gesundheitsfragebogen PHQ 4 oder in erweiterter Form die Gesundheitsfragebögen PHQ9 und GAD7. Patientinnen profitieren von Psychotherapie mit somatosensorischer Stimulation, wobei sich Schmerz und Lebensqualität verbessern. Körperbezogene Verfahren sind Erfolg versprechend zur Reduktion von Schmerz, Angst, Depression, Stress und Fatiguesymptomatik und tragen zur Verbesserung der Lebensqualität und Schmerzreduktion bei. Nicht zuletzt sollten Patientinnen über Informations- und Kommunikationsmöglichkeiten wie die Angebote der Selbsthilfe informiert werden, da der Austausch die Selbstmanagementfähigkeit stärken kann.


Prof. Dr. med. Sylvia Mechsner
Leiterin des Endometriosezentrums
Charité Universitätsmedizin Berlin
Es hat sich in vielen Studien gezeigt, dass der monokausale Therapieerfolg (nur Operationen oder Hormontherapien) bei Endometriose stark begrenzt ist. Endometriose ist als systemische Erkrankung zu verstehen, die multidimensionale Probleme mit sich bringt. In der aktuellen Leitlinie wird nun der Stellenwert der multimodalen Therapie erstmals stark hervorgehoben. Ein ganzheitlicher, multimodaler Ansatz, bei dem frühzeitige suffiziente medikamentöse und/oder operative Therapien natürlich weiterhin im Fokus stehen, soll vor allem durch Edukation, physiotherapeutische Behandlungen, die die Beckenbodenverspannungen adressieren, ernährungsspezielle Aspekte und psychologische Interventionen ergänzt werden. Es konnte Evidenz für eine ganze Reihe von Behandlungsoptionen aufgezeigt werden, die dann auch im Sinne des bio-psycho-sozialen Konzeptes umgesetzt werden sollen. Es werden auch einige Tools zur Verfügung gestellt, die es erleichtern, die Komplexität der individuellen Erkrankungssituation zu evaluieren.
a Gültig bis 31.03.2030.
1 Fachinformation RYEQO®. Gedeon Richter, Stand Januar 2024.
2 Diagnosis and therapy of endometriosis. Guideline of the DGGG, SGGG and OEGGG (S2k-Level, AWMF Registry No. 045/015, March 2025).
Abrufbar unter: http://www.awmf.org/leitlinien/detail/ll/015-045.html (letzter Zugriff: Juli 2025).
Ryeqo 40 mg/1 mg/0,5 mg Filmtabletten. Wirkstoffe: Relugolix, Estradiol, Norethisteronacetat. Zusammensetzung: Jede Filmtablette enthält 40 mg Relugolix, 1 mg Estradiol (als Hemihydrat) und 0,5 mg Norethisteronacetat. Sonst. Bestandteile: Lactose-Monohydrat, Mannitol, Poly(O-carboxymethyl)stärke-Natriumsalz, Hydroxypropylcellulose, Magnesiumstearat, Hypromellose Typ 2910, Titandioxid, Triacetin, Eisen(III)-hydroxid-oxid x H2O. Anwendungsgebiet: Bei erwachsenen Frauen im gebärfähigen Alter zur Behandlung mäßiger bis starker Symptome von Uterusmyomen und zur symptomatischen Behandlung der Endometriose bei Frauen mit vorausgegangener medikamentöser oder chirurgischer Behandlung ihrer Endometriose. Gegenanzeigen: Überempfindlichkeit gg. d. Wirkstoffe o. sonst. Bestandteile; bestehende o. frühere venöse thromboembolische Erkrankung; bestehende o. frühere arterielle thromboembolische kardiovaskuläre Erkrankung; bekannte thrombophile Erkrankungen; bekannte Osteoporose; Kopfschmerzen mit fokalen neurologischen Symptomen o. Migräne mit Aura; bekannte o. vermutete sexualhormonabhängige Malignome; bestehende o. vorausgegangene (benigne oder maligne) Lebertumoren; bestehende o. vorausgegangene schwere Lebererkrankung, sofern sich die Leberfunktionswerte nicht normalisiert haben; Schwangerschaft, vermutete Schwangerschaft u. Stillzeit; Blutungen unbekannter Ursache im Genitalbereich; begleitende Anwendung hormoneller Kontrazeptiva. Nebenwirkungen: Sehr häufig: Kopfschmerzen; Hitzewallung. Häufig: Uterusblutung (einschl. Menorrhagie, Metrorrhagie, vaginale Blutung, Uterusblutung, Polymenorrhö und Menstruation unregelmäßig), vulvovaginale Trockenheit; Reizbarkeit, Libido vermindert (einschl. Libidoverlust, Libidostörung); Schwindel; Übelkeit; Alopezie, Hyperhidrosis, nächtl. Schweißausbrüche; Arthralgie. Gelegentlich: Mamma-Zyste, uterine Aus-stoßung eines Myoms; Dyspepsie; Angioödem, Urtikaria. Warnhinweise: Enthält Lactose. Verschreibungspflichtig. Zulassungsinhaber: Gedeon Richter Plc., Gyömrői út 19-21., 1103 Budapest, Ungarn. Stand der Information: Januar 2024.
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