Mikro-RNAs (miRNAs) sind kurze, nicht-kodierende RNA-Moleküle, die die Genexpression auf posttranskriptioneller Ebene regulieren und einen hochkonservierten, zentralen Mechanismus der zellulären Regulation darstellen. In der Pathogenese der Endometriose spielt eine Dysregulation von miRNAs eine zentrale Rolle.
Zahlreiche Studien zeigen, dass veränderte miRNA-Expressionsmuster Prozesse wie Zellproliferation und -migration, Angiogenese, Inflammation, oxidativen Stress, Fibrose sowie die epithelial-mesenchymale Transition modulieren. Über epigenetische Mechanismen beeinflussen miRNAs zudem die Expression von Steroidrezeptoren und tragen damit wesentlich zur Progesteronresistenz endometriotischer Läsionen bei. Diese miRNA-vermittelte Fehlregulation fördert die Etablierung und Persistenz eines inflammatorisch-angiogenen Mikromilieus, das für das Wachstum ektoper Endometriumherde charakteristisch ist.
Auch im Kontext der endometrioseassoziierten Infertilität wurden spezifische miRNA-Profile beschrieben, die Implantation, endometriale Rezeptivität und das immunologische Gleichgewicht beeinträchtigen. Trotz vielversprechender experimenteller und translationaler Daten ist der klinische Nutzen bislang limitiert. Die publizierten miRNA-Signaturen sind häufig inkonsistent, es fehlt an Standardisierung der Probengewinnung und -analyse sowie an unabhängigen Validierungen in repräsentativen Kohorten. Für eine belastbare klinische Anwendung sind weitere Studien erforderlich.
Session „Endometriose: Von Pathomechanismen bis ART“