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Allgemeinmedizin

Reiseberatung

Mit kleinen Kindern in die weite Ferne? Das sollten Eltern wissen.

Angelika Ramm-Fischer

11.6.2026

Fernreisen mit Kindern unter 5 Jahren liegen im Trend. Auch wenn Eltern meist nur nach erforderlichen Impfungen fragen, umfasst die reisemedizinische Beratung weit mehr. Dazu gehören etwa Hinweise zur Unfallprävention, zum Vorgehen im Krankheitsfall sowie zum richtigen Sonnen- und Mückenschutz.

Jedes Jahr fahren 70 Millionen Deutsche in den Urlaub – etwa 20 % davon sind Kinder unter 14 Jahren [1]. Zunehmend werden nicht nur klassische Ziele wie die Alpen oder das Mittelmeer angesteuert. Immer mehr Eltern nehmen noch nicht schulpflichtige Kinder auf längere Fernreisen mit. Und hier benötigen gerade die Kleinen eine gute Vorbereitung.

Vor rein touristischen Familien-Fernreisen gehört eine Reiseberatung öfter zur Vorbereitung. Anders sieht es bei sog. VFR-Reisen (Visiting Friends and Relatives) aus: Vor Familienbesuchen in Afrika oder Südostasien wird eher selten eine reisemedizinische Beratung zu Risiken vor Ort nachgefragt. Doch hier steigt durch längere Verweildauer, engen Kontakt zur Bevölkerung und Aufenthalte in ländlichen Regionen das Erkrankungsrisiko, z. B. für Malaria.

Unfällen vorbeugen

Eltern denken bei Fernreiserisiken in erster Linie an Infektionen. Doch die Statistik sagt etwas anderes: Wie Dr. med. Markus Frühwein (München) berichtet hat, entfallen bei den nicht natürlichen Todesursachen bei Reisenden 50 – 60 % auf Verkehrsunfälle und etwa 20 – 30 % auf Ertrinken. Daher ist die Unfallprävention bei kleinen Kindern, die bekanntlich auch mal spontan loslaufen, besonders wichtig.

Eine Unfallquelle anderer Art sind Tierkontakte. „Kinder lieben Tiere mit Fell, die Tiere mit Fell aber nicht unbedingt die Kinder“, so Prof. Dr. med. Tomas Jelinek (Düsseldorf). Tiere lassen sich ungern anfassen und wehren sich mit Kratzen und Beißen. Dann steht die Frage im Raum: Hatte das Tier Tollwut? Hier rät Jelinek, vor Reisen in Endemiegebiete wie Indien, Afrika oder Sri Lanka, kleine Kinder gegen Tollwut impfen zu lassen. Diese Impfstoffe seien heute gut verträglich. Zwar sei auch eine Postexpositionsprophylaxe möglich, doch in den Endemiegebieten ist sie oft nicht schnell genug verfügbar [2]. „Bricht Tollwut aus, ist sie zu 100 % tödlich“, erinnerte Jelinek.

Basis-Impfschutz für alle

Insgesamt nimmt das Thema Impfen einen großen Teil der Reiseberatung ein, bezieht sich aber oft nur auf die für das spezielle Reiseziel empfohlenen bzw. erforderlichen Impfungen. Aber: „Grundlage für einen guten Impfschutz sind die Basisimpfungen, die jeder in Deutschland haben sollte“, so Frühwein. Das betreffe auch die Eltern, schließlich könnten sie ihre Kinder nur schützen, wenn sie fit bleiben.

Eine weitere Erkrankung, vor der kleine Kinder unbedingt geschützt werden müssen, ist Malaria [3-6]. Denn sie erkranken schwerer als Erwachsene und sterben dann oft daran: Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) registriert weltweit etwa 600 000 Malaria-Todesfälle/Jahr, 75 % davon sind Kinder < 5 Jahren. Die Kleinen entwickeln laut Frühwein häufig zerebrale Malaria mit Krampfanfällen, erhöhtem Hirndruck, pathologischen Hirnstammreflexen, bis hin zu neurologischen Folgeschäden. Bei Babys, deren Lunge noch nicht ausgereift ist, reagiere zudem das Surfactant-System empfindlich auf die Übersäuerung des Blutes bei Malaria. Surfactant werde inaktiviert, Lungenbläschen kollabieren und ein Atemnot-Syndrom könne folgen, wie Frühwein erklärte.

Eine medikamentöse Malariaprophylaxe ist in Deutschland allerdings erst bei Kindern ab 11 kg Körpergewicht zugelassen. Ansonsten bleibt nur der konsequente Mückenschutz mit Moskitonetzen, imprägnierter Kleidung und Repellents – bei quirligen Kleinkindern oft schwer umzusetzen. Daher appellieren Reisemediziner, auf Reisen in Hochrisikogebiete mit kleinen Kindern zu verzichten.

Mückenschutz auch außerhalb der Tropen

Mückenschutz ist jedoch nicht nur in Malaria-Gebieten wichtig: Auch viele andere Erkrankungen werden über Stechmücken übertragen und dies zunehmend außerhalb der Tropen. Am besten wirksam seien Präparate mit den Inhaltsstoffen Diethyltoluamid (DEET) oder Icaridin, sagte Dr. med. Mathias Wagner (Berlin). Diese sind für Kinder in Deutschland offiziell ab dem Alter von 6 Monaten zugelassen, Präparate mit Zitroneneukalyptusöl bereits ab 3 Monaten. Letztere entfalten aber nur eine sehr eingeschränkte Wirkung und sind für Reisen in tropische und subtropische Regionen eher ungeeignet [7]. Eltern sollten auch wissen, dass Repellents erst 10 –20 Minuten nach dem Sonnenschutz aufgetragen werden sollten und nicht wasserfest sind.

Reiseapotheke und Notfallplan

Zur Beratung in der ärztlichen Praxis gehören auch Empfehlungen zur Reiseapotheke: Umfang und Inhalt hängen dabei vom Alter des Kindes, Vorerkrankungen, dem Reiseziel und den geplanten Aktivitäten ab. Die Reiseapotheke sollte praktisch, gut zu transportieren und sicher sein. Dabei geht es nicht darum, jede Eventualität abzudecken, sondern einfache Verletzungen und unkomplizierte Erkrankungen frühzeitig behandeln zu können. Dies vor allem dort, wo medizinische Infrastruktur eingeschränkt ist oder Sprachbarrieren bestehen.

Eltern müssen vor allem erkennen, wenn es für die Kinder gefährlich wird, betonte Frühwein. Das ist dann der Fall, wenn Kinder nicht mehr sitzen bzw. stehen können oder nicht mehr essen und trinken wollen. Spätestens wenn das Kind immer apathischer wird, sollte schnell medizinische Hilfe gesucht werden. Im Idealfall ist bekannt, wo das nächste Krankenhaus bzw. eine ärztliche Versorgung anzutreffen ist und wie man schnell dahin kommt. Eine Liste mit Notfalladressen an den Zielorten gehört somit auch zur Reiseapotheke.

Pressekonferenz anlässlich des 27. Forums Reisen und Gesundheit „Reisen mit Kindern“ (Veranstalter: CRM Centrum für Reisemedizin GmbH), März 2026

  1. Schmücker D et al., Reiseanalyse Trends 2025, FUR Forschungsgemeinschaft Urlaub und Reisen e. V. 2025, ISBN-10 3-949752-11-0
  2. CRM Handbuch Reisemedizin 2025. 61. Auflage. Düsseldorf: Centrum für Reisemedizin; 2025. doi:10.1055/b00000107
  3. Humberg A. Malaria. In: Kerbl R, Reiter K, Wessel L, Hrsg. Referenz Pädiatrie. 1. Auflage. Stuttgart: Thieme; 2025. doi:10.1055/b000000471
  4. Kotsias-Konopelska S, Thielecke M, Dtsch Arztebl Int 2026; 123: 84–92. doi: 10.3238/arztebl.m2025.0201
  5. Leitlinie: Diagnostik und Therapie der Malaria, https://register.awmf.org/assets/guidelines/042-001l_S1_Diagnostik-Therapie-Malaria_2025-09.pdf
  6. Robert Koch-Institut. Epidemiologisches Bulletin 22/23 2025, 28. Mai 2025, https://www.rki.de/DE/Aktuelles/Publikationen/Epidemiologisches-Bulletin/2025/22-23_25.pdf?__blob=publicationFile&v=8
  7. Wagner M, Reisemedizin up2date 2024; 01(03): 219–37. doi:10.1055/a-2205-5579
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