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Algemeinmedizin

Parasitosen

Unliebsame Reise-Mitbringsel bei Kleinkindern

Angelika Ramm-Fischer

5.8.2026

Kleinkinder haben durch ihr Verhalten auf Fernreisen ein besonders hohes Risiko für Parasitosen wie Giardiasis oder Schistosomiasis. Eltern sollten über Verhaltensregeln informiert werden – und Ärztinnen und Ärzte bei Fieber, Durchfall oder starkem Juckreiz nach Fernreisen stets auch an Parasitosen denken.

Auf Reisen sind Kinder aufgrund ihres Verhaltens, ihres mangelnden Hygienebewusstseins sowie ihrer Spontanität und Neugier besonders gefährdet. Das gilt nicht nur für Unfälle und virale oder bakterielle Infektionen, sondern auch für Parasitosen. Allerdings sind die meisten parasitären Erkrankungen nicht akut lebensbedrohlich und daher in unseren Breiten oft nicht meldepflichtig. „Die Datenlage zu Inzidenz und Prävalenz importierter Parasitosen in Deutschland ist daher recht dünn”, erläuterte Dr. med. Mathias Wagner, Pädiater aus Berlin, anlässlich einer Presse­konferenz des Centrums für Reisemedizin.

Malaria: Babys und Kleinkinder sind besonders gefährdet

Die bekannteste endogene Parasitose ist die Malaria. Laut Robert Koch-Institut (RKI) entfielen 17,3 % der im Jahr 2024 nach Deutschland importierten Malariafälle auf Kinder, wie Wagner berichtete [1]. Das entspricht in etwa dem Kinderanteil unter den etwa 5 Millionen Personen, die jährlich von Deutschland aus in Fernziele verreisen [2].

Demnach erkranken Kinder annähernd genauso häufig wie Erwachsene an Malaria. Besonders gefährdet sind jedoch Babys und Kleinkinder. Sie entwickeln häufig eine zerebrale Malaria mit Krampfanfällen, erhöhtem Hirndruck und pathologischen Hirnstammreflexen, die zu neurologischen Folgeschäden führen können. Bei Babys, deren Lunge noch nicht ausgereift ist, kann es zu einem Atemnot-Syndrom kommen.

Auch eingeschleppte Giardiasis-Fälle werden vom RKI registriert: Mit 881 Fällen war die Giardiasis im Jahr 2024 nach der Malaria die häufigste nach Deutschland eingeschleppte Parasitose [1]. Doch anders als bei Malaria gibt es hierfür keine medikamentöse Prophylaxe.

Umso wichtiger sei es, Verhaltensregeln einzuhalten, um Parasitosen vorzubeugen, so Wagner. Bei Kleinkindern ist dies jedoch ein schwieriges Unterfangen: Gerade Kinder unter 5 Jahren nehmen vieles in den Mund, fassen Tiere an, laufen barfuß, liegen ohne Handtuch am Strand, plantschen im Wasser oder haben engen Körperkontakt zu anderen ­Kindern.

Giardiasis und Schistosomiasis: Gefahr im Wasser

Das Risiko steigt, wenn Regionen mit einem niedrigen Hygienestandard bereist werden. Ein Beispiel hierfür sind Verwandtenbesuche in ländlichen Regionen Südostasiens, Afrikas oder Südamerikas. Hier steigt für Kinder nicht nur die Gefahr, sich mit viralen oder bakteriellen Erregern der Reisediarrhö zu infizieren, sondern auch mit Giardia lamblia. Sie infizieren sich nicht nur über Lebensmittel oder Trinkwasser, sondern auch, wenn sie in kontaminiertem Wasser spielen. Bereits weniger als 10 Lamblien­zysten können eine Infektion auslösen.

Giardia intestinalis ist ein weltweit vorkommender einzelliger Parasit des Dünndarms, der unter anderem Diarrhöen verursacht [3]. Bei länger anhaltenden Durchfällen sollte daher auch an eine Giardiasis gedacht und eine entsprechende Stuhldiagnostik eingeleitet werden.

Eine parasitäre Erkrankung, mit der sich Kinder beim Spielen in Binnengewässern anstecken können, ist die Schistosomiasis (früher Bilharziose). Der Parasit bohrt sich im Zerkarien-Stadium durch die Haut der im Flachwasser watenden Menschen. Danach gelangen die Parasiten als Metazerkarien über Lymph- und Blutgefäße in die Venen der Darmwand, wo sie zu erwachsenen Pärchenegeln reifen. Je nach Spezies setzen sich die Pärchenegel in der Blasenwand (Schistosoma haematobium) oder in der Wand des Dick- oder Dünndarms (z. B. Schistosoma mansoni) fest [4].

Der Parasit kommt nicht nur in Japan, Südamerika, Afrika und auf den Philippinen vor, sondern wurde auch 2011 auf Korsika nachgewiesen [5]. In Deutschland wird eine Schistosomiasis allerdings eher bei Personen aus Endemiegebieten oder nach längeren Aufenthalten dort festgestellt.

Hautparasiten: Risiko am Strand und im Sand

Die kutanen Larvae migrantis gehören zu den häufigsten parasitären Hauterkrankungen. Wie Wagner erläuterte, gelangen die Larven des Hakenwurms über Hundekot in den Sand an Stränden. Beim Hautkontakt mit dem Sand bohren sich die Larven in die Haut [6]. „Doch Kinder spielen nun mal im Sand, laufen barfuß oder graben sich da ein. Und das führt dazu, dass sie häufiger mit der Larve infiziert werden“, verdeutlichte Wagner. Schon wenige Stunden nach der Infektion kommt es zu juckenden Papeln. Nach und nach werden gewundene Gänge unter der Haut sichtbar. Die Erkrankung ist selbstlimitierend, da die Larve nach 6 – 8 Wochen abstirbt, weil sie sich im Fehlwirt Mensch nicht weiterentwickeln kann. Bis dahin ist der Leidensdruck durch den enormen Juckreiz jedoch enorm – vor allem, wenn Kleinkinder befallen sind, leidet die ganze Familie.

Zu den Parasitosen zählen auch Wurmerkrankungen. Am häufigsten kommt bei Kindern die Enterobiasis (früher auch Oxyuriasis genannt) vor. Allerdings komme der Madenwurm (Enterobius vermicularis) auch in unseren Breiten vor und ist nicht unbedingt ein Reisemitbringsel, so Wagner. Nach der Aufnahme der Eier schlüpfen die Larven im Darm und wandern Richtung Anus. Dort legen die weiblichen Würmer mehr als zehntausend klebrige Eier auf der Perianalhaut ab. Dies verursacht Juckreiz, der zu unbewusstem Kratzen im Schlaf führt. Dadurch werden besonders bei jüngeren Kindern die Eier nachts vom Anus zum Mund übertragen. Die Diagnose erfolgt meist klinisch oder per Klebestreifentest. Die Behandlung erfolgt mit Anthelminthika und konsequenter Hygiene, um Reinfektionen zu vermeiden.

Viele Parasitosen haben einen langwierigen Verlauf und werden erst spät diagnostiziert, sofern kein hoher Leidensdruck besteht. Gerade bei Kindern mit einer Reiseanamnese sollte deshalb die Aufmerksamkeit für parasitäre Erkrankungen erhöht werden – und eine entsprechende Diagnostik frühzeitig eingeleitet werden.

  1. Robert Koch-Institut: Epidemiologisches Bulletin 48/2025
  2. www.reiseanalyse.de
  3. Kotsias-Konopelska S et al., Dtsch Arztebl Int 2026; 123: 84–92
  4. Berry A et al., Euro Surveill 2016; 21(1): 30100
  5. S1-Leitlinie 042-005 „Diagnostik und Therapie der Schistosomiasis”
  6. Tropeninstitut: Reisekrankheiten – Larva migrans cutanea. www.tropeninstitut.de

Pressekonferenz „Reisen mit Kindern” des Centrums für Reisemedizin anlässlich des 27. Forum Reisen und Gesundheit, März 2026

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