Die Zahl sexuell übertragbarer Infektionen (STI) nimmt in Europa deutlich zu: Die Gonorrhö-Fallzahlen sind seit 2015 um über 300 % gestiegen. Die Syphilis-Diagnosen haben sich im gleichen Zeitraum nahezu verdoppelt. Laut Dr. med. Stefan Zippel (München) bestehen besonders bei Jugendlichen erhebliche Wissenslücken.
Rund 80 % der 15- bis 19-Jährigen halten sich für gut aufgeklärt, tatsächliche Abfragen decken jedoch erhebliche Defizite auf.
Auch die HPV-Impfquote bleibt niedrig: In Bayern sind weniger als die Hälfte der Mädchen und nur etwa ein Drittel der Jungen geimpft. Betroffen von der STI-Zunahme sind zudem nicht alle Gruppen gleichermaßen. Bei Syphilis-Diagnosen in Deutschland dominieren Männer, die Sex mit Männern haben, deutlich. Das sei ein Hinweis darauf, dass Präventionsangebote gezielt auf einzelne Risikogruppen zugeschnitten werden sollten, so Zippel. STI und Impfungen sollten in der Praxis aktiv angesprochen werden, da Jugendliche selten von sich aus fragen. Ärzte und Ärztinnen werden außerdem bislang kaum als Ansprechpartner wahrgenommen.
Symposium „Praktisches Krankheitsmanagement: STI“