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Gynäkologie

Niedrigschwelliges Angebot

Online-Training zu Schwierigkeiten und Schmerzen beim Sex

Hanna Sophie Schweigert

22.4.2026

Schwierigkeiten und Schmerzen bei vaginaler Penetration sind häufig und stellen in der gynäkologischen Praxis ein relevantes, oft unzureichend behandeltes Thema dar. Das Online-Training „iJoy“ der Universität Marburg ergänzt die gynäkologische Versorgung durch eine niedrigschwellige psychologische Unterstützung.

Vaginale Penetrationsstörungen stellen eine klinisch relevante, jedoch nach wie vor häufig unterdiagnostizierte Form weiblicher Sexualfunktionsstörungen dar. Sie sind gekennzeichnet durch persistierende oder rezidivierende Schwierigkeiten bei der vaginalen Penetration – sei es im Rahmen des Geschlechtsverkehrs, bei der Anwendung von Menstruationsprodukten oder während gynäkologischer Untersuchungen. Solche Schmerzen können Untersuchungen erheblich erschweren oder sogar vollständig verhindern und führen nicht selten dazu, dass Patientinnen weitere Termine meiden. Das Online-Training „iJoy“ der Universität Marburg ergänzt die gynäkologische Versorgung durch eine niedrigschwellige psychologische Unterstützung.

Sexuelle Schmerz-Penetrationsstörung

Mit der 11. Revision der Internationalen Klassifikation der Krankheiten (ICD-11) wurde die sexuelle Schmerz-Penetrationsstörung eingeführt, die die zuvor getrennten Diagnosen Vaginismus und Dyspareunie zusammenfasst. Sie ist definiert durch das anhaltende oder wiederkehrende Auftreten mindestens eines der folgenden Symptome:

  • Schwierigkeiten bei vaginaler Penetration
  • vulvovaginale oder Beckenbodenschmerzen bei versuchter oder tatsächlicher Penetration
  • Angst vor Schmerzen oder vaginaler Penetration
  • unwillkürliche Anspannung der Beckenbodenmuskulatur

Die Beschwerden müssen zu subjektivem Leid oder relevanten Einschränkungen führen und dürfen nicht besser durch andere psychische Störungen, schwere partnerschaftliche Belastungen, medizinische Ursachen oder Substanzeffekte erklärt sein.

In einer repräsentativen Studie in Deutschland (GeSiD-Studie: Briken, 2020) berichtete etwa jede zehnte Frau innerhalb eines Jahres über Schmerzen oder Anspannung beim Geschlechtsverkehr; 4,9 % erfüllten die ICD-11-Kriterien für eine sexuelle Schmerz-Penetrationsstörung.

Symptome und biopsychosoziales Verständnis

Betroffene Frauen berichten über stechende oder brennende Schmerzen, ausgeprägte muskuläre Anspannung oder das Gefühl des „Verschlossen-Seins“ bei vaginaler Penetration, beim Einführen von Tampons oder während gynäkologischer Untersuchungen. Die Symptome beruhen auf wechselseitigen biopsychosozialen Prozessen. Psychologische Faktoren wie Angst, Erwartungshaltungen oder eine verstärkte Aufmerksamkeitsfokussierung können über zentrale und periphere neurophysiologische Prozesse (z. B. erhöhten Muskeltonus oder veränderte Schmerzverarbeitung) die Symptomatik direkt beeinflussen. Es entsteht ein sich selbst aufrechterhaltender Kreislauf aus Angst, Anspannung, (chronischem) Schmerz und Vermeidung, der durch gesellschaftliche Normen und partnerschaftliche Dynamiken zusätzlich verstärkt werden kann. Auch bei einem unauffälligen gynäkologischen Befund kann die Patientin stark unter der Symptomatik und ihren Folgen leiden. Die Auswirkungen betreffen das Sexualleben, Partnerschaft, Kinderwunsch, Selbstwert, Körperbild sowie das psychische Wohlbefinden. Es zeigen sich Zusammenhänge mit depressiven und Angst-Symptomen.

Behandlung

Psychotherapeutische Interventionen stellen eine wichtige Ergänzung der gynäkologischen Versorgung dar, insbesondere wenn keine primär somatische Ursache die Symptomatik ausreichend erklärt. Die Forschung zeigt, dass die kognitive Verhaltenstherapie (KVT) wirksam ist, um Schmerzen, Angst und Vermeidungsverhalten zu reduzieren. Zentrale Elemente sind Psychoedukation, Abbau schmerzbezogener Befürchtungen, körper- und expositionsbasierte Übungen sowie Förderung eines selbstbestimmten Umgangs mit Sexualität. Ergänzend können achtsamkeitsbasierte Ansätze die Körperwahrnehmung verbessern und muskuläre Anspannung reduzieren sowie sexualtherapeutische Paarübungen eingesetzt werden.

In der Praxis stehen viele Gynäkologen und Gynäkologinnen bei sexuellen Schmerzen strukturell vor Herausforderungen: begrenzte Zeit, wenig Ausbildungsinhalte zu sexuellen Dysfunktionen und mangelnde Verfügbarkeit an spezialisierten Versorgungsangeboten.

Die iJoy-Studie der Universität Marburg eva­lu­­­iert ein anonymes, kostenfreies Online-Training für ­Frauen mit sexuellen Schmerzen und Penetrationsschwierigkeiten. Entwickelt wurde iJoy gemeinsam mit Betroffenen auf Basis eines modularen Behandlungsprogramms, das bereits positive Ergebnisse gezeigt hat. Ziel des Trainings ist es, Frauen zu unterstützen, die Schmerz-Penetrations-Symptomatik und einhergehenden Leidensdruck zu reduzieren und ihr sexuelles Wohlbefinden zu stärken.

Teilnahmevoraussetzungen:

  • Mindestalter 18 Jahre
  • ausreichende Deutschkenntnisse
  • wiederholte Schmerzen, Schwierigkeiten, Ängste oder Anspannung bei vaginaler Penetration
  • gynäkologische Abklärung mit Ausschluss primär somatischer Ursachen

Wenn Patientinnen Schmerzen oder Schwierig­keiten bei vaginaler Penetration haben und rein körper­liche Ursachen ausgeschlossen wurden, können Sie sie auf die iJoy-Studie aufmerksam machen (QR-Code oder per E-Mail an ijoy@uni-marburg . de – ein kurzes „Ich habe Interesse“ genügt).

HIER können Sie auch Flyer oder weitere Informationen zur Studie anfordern.

Die Autorin

Hanna Sophie Schweigert
Universität Marburg
Fachbereich Psychologie
35032 Marburg

hanna.schweigert@uni-marburg.de

Bildnachweis: privat

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