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Gastroenterologie

Wirksamer Dauerbrenner bei Sodbrennen

27.7.2021

Ohne Frage ist Sodbrennen eine Volkskrankheit, auf die die moderne Medizin zu wenige therapeutische Antworten kennt. Seit Jahrzehnten tummeln sich einige Produkte in dem „Sodbrennen-Markt“, deren hypothetisches Konstrukt zwar marketingtechnisch überzeugend klang, deren aber Wirkung teilweise fraglich ist. Dazu gehören z.B. das „Stretta-Verfahren“, eine endoskopische Radiofrequenzanwendung innerhalb des Ösophagus. Oder das „Alginat-Floß“ aus Natriumalginat, das auf dem Mageninhalt schwimmend den Rückfluss pathogenen Mageninhalts in Richtung Speiseröhre unterbinden soll. Die Stretta-Prozedur, obwohl vorübergehend mit der Aufnahme in US-Leitlinien geadelt, ist weitgehend in Vergessenheit geraten, funktioniert nach neuesten Studien noch nicht einmal bei PPI-resistentem gastroösophagealen Reflux, wie französische Forscher belegten [1]. Anders der Naturstoff Natriumalginat (E 401), für den erneut ‒ jetzt von einer Arbeitsgruppe der Queen Mary University of London ‒ gezeigt werden konnte, dass die topische Anwendung in der Speiseröhre mukosaprotektive Effekte hat [2].
Nachdem die Gruppe bereits ex vivo diese Effekte gezeigt hatte, sollte in einer weiteren Studie in vivo geprüft werden, wie lange oral aufgenommenes Natriumalginat im Bereich des distalen Ösophagus verbleibt (n=20 gesunde Probanden, n=10 Sodbrennenpatienten). Bei allen Probanden wurde mittels Impedanzmessung innerhalb der Speiseröhre (initial und bei den weiteren Besuchen) der ‒ auch pH-freie ‒ Reflux bestimmt. Die Probanden bekamen bei einem der drei Besuche jeweils 10 ml Natriumalginat, ein entsprechendes Placebo oder eine visköse Suspension (Kochsalzlösung, Sucralose), randomisiert, einzel-verblindet. Bei den gesunden Probanden haftete Natriumalginat signifikant länger an der Ösophagusmukosa als Placebo oder die Suspension (10,4 Minuten vs. 1,1 vs. 3,6; p < 0,01). Bei Sodbrennenpatienten waren die Werte bei Verum und Placebo ähnlich (9,0 Minuten vs. 3,7; p < 0,01). Natriumalginat, so resümieren die Autoren, haftet also nach oraler Aufnahme signifikant länger an der Speiseröhrenschleimhaut als Placebo oder die visköse Testsuspension. Dies bestätigt nicht nur, dass Natriumalginat als Wirkstoffträger bei Speiseröhrenerkrankungen eingesetzt werden kann (das ist die klassische Anwendung v.a. für antazide Wirkstoffe), sondern zeigt, dass topisches Natriumalginat auch mukosaprotektive Effekte haben kann (wie sie vor Jahrzehnten auch für bestimmte Antazida gezeigt werden konnten).

1 Zerbib F, Aliment Pharmacol Ther, 2020 Aug; 52(4): 637‒645, DOI 10.1111/apt.15936 | PMID 32656869
2 Sonmez S et al., Aliment Pharmacol Ther 2020 Aug; 52(3): 442‒448, DOI 10.1111/apt.15884 | PMID 32548849

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