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ADHS

Transitions-Workshops signifikant wirksam

17.5.2022

Die Transition von Patienten mit Aufmerksamkeitsdefizit-/ Hyperaktivitätsstörungen (ADHS), also der Übergang von der kind- zur erwachsenenzentrierten Behandlung, ist – wie bei vielen chronischen Erkrankungen – oft herausfordernd und kann bei ADHS durch krankheitsspezifische Charakteristika zusätzlich erschwert werden. Ob ein spezieller Transitions-Workshop für ADHS-Betroffene und ihre Angehörigen eine Hilfe ist, um in der neuen Versorgungsumgebung besser zurechtzukommen, hat jetzt eine Arbeitsgruppe der Medizinischen Universitätsklinik Schleswig-Holstein und der Medizinischen Hochschule Hannover evaluiert [1].

Im Rahmen der Analyse wurden insgesamt 56 Adoleszente und junge Erwachsene mit ADHS (mittleres Alter 17,3 ± 1,1 Jahre, 17,9 % weiblich) und ihre Eltern quasirandomisiert einer Kontroll- oder Interventionsgruppe (je n = 28) zugewiesen. Die Kontrollgruppe erhielt die reguläre medizinische Versorgung, während die Interventionsgruppe zusätzlich an einem eineinhalbtägigen Transitions-Workshop (ModuS-T) teilnahm. Vor Beginn sowie vier Wochen nach der Intervention wurden die Transitions-Kompetenz mit der „Transitionskompetenzskala“ (TKS), die Patientenaktivierung mit dem „Patient Activation Measure 13 for Adolescents“ (PAM® 13) und die Versorgungszufriedenheit mit dem „Fragebogen zur Patientenzufriedenheit“ (ZUF-8) erfasst. Es zeigte sich, dass die Interventionsgruppe eine signifikant verbesserte Transitions-Kompetenz (p ≤ 0,001) gegenüber der Kontrollgruppe aufwies. Hinsichtlich der Patientenaktivierung zeigte sich dagegen kein bedeutsamer Interventionseffekt (p = 0,0194). Insgesamt, so fassen die Autoren zusammen, gab die Interventionsgruppe eine hohe Zufriedenheit mit dem Workshop an.

„ModuS-T“ ist ein Zusatzmodul zum modularen Schulungsprogramm für chronisch kranke Kinder, Jugendliche und deren Familien „ModuS“ [2]. Es richtet sich an junge Menschen zwischen 15 und 24 Jahren und soll Jugendlichen die spezifischen Kenntnisse und Kompetenzen vermitteln, die sie für das Erwachsenwerden mit chronischer Krankheit und den Arztwechsel am Ende der Adoleszenz benötigen, sowie ihre Selbstwirksamkeitserwartung stärken. Die Jugendlichen sollen motiviert werden, die Verantwortung für ihre Gesundheit zu übernehmen. Hierauf aufbauende Transitions-Workshops wurden bislang überwiegend bei somatischen Erkrankungen evaluiert.

Die vorgelegte Sekundäranalyse deutet darauf hin, dass ein generisch konzipierter Workshop auch bei psychischen Erkrankungen (> Psychiatrie) mit einer verbesserten Transitions-Kompetenz und hohen Versorgungszufriedenheit assoziiert ist. Die Integration derartiger Angebote in den Versorgungsalltag ist zu diskutieren. Wie andere Autorengruppen aber bereits vielfach dargestellt haben, sind die massiven Transitions-Probleme vieler ADHS-Betroffener auch und vor allem ein systemisches Versorgungsproblem. Unter anderem bedingt durch das Fehlen qualifizierter Nachbehandler, die ADHS-Patienten häufig als schwierig und unzuverlässig einschätzen oder oftmals keinen Versorgungsbedarf sehen [3].

1 Schmidt H, Heidemann LS, Menrath I, Bomba F, Thyen U, Ernst G, Transitionsorientierte Patientenschulung bei Adoleszenten und jungen Erwachsenen mit ADHS.  Z Kinder Jugendpsychiatr Psychother 2022 May; doi: 10.1024/1422-4917/a000871
2 Kompetenznetz Patientenschulung e. V., Modulares Schulungsprogramm ModuS für chronisch kranke Kinder, Jugendliche sowie deren Familien. [online] https://www.kompetenznetz-patientenschulung.de/modus-schulungen/ [abgerufen am 09.05.2022]
3 Alvarez-Fischer D, Zimmermann C, Rudolph FM, Bubenzer RH, Kis B, Transition bei ADHS – Erwachsenwerden mit ADHS. Nervenheilkunde 2019; 38: 645–650: doi: 10.1055/a-0928-3217

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