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Selbsttherapie

Worüber Patienten sicher nicht reden ...

18.6.2021

So wie sich einstmals hoffnungsfrohe Patienten in der Komplementär- und Alternativmedizin tummelten, meist ohne ihren Ärzten davon zu berichten, beschäftigen sich viele Menschen zunehmend mit selbstdurchgeführter Fäkaltransplantation (Do it Yourself Fecal Microbiota Transplant ‒ DIY-FMT). Dass viele der Ergebnisse des ab 2008 laufenden 5-jährigen „Human Microbiome Projects“ in den USA ungefiltert die Publikumsmedien und vor allem die sozialen Medien erreicht haben, ist ‒ ob der oft fantastisch klingenden, überaus vielversprechenden Perspektiven ‒ leicht nachvollziehbar. Genauso wie die Ungeduld viele experimentierwilliger, von chronischen „Zivilisationskrankheiten“ betroffener Menschen, nun endlich die versprochenen „wirksamen“ und „einfachen“ Therapien zu bekommen. Aus ihrer Sicht geht die Entwicklung quälend langsam: Bis auf eine gute Studienlage zu Fäkaltransplantation bei chronischen Clostridioides-difficile-Infektionen liegen keine belastbaren Ergebnisse aus klinischen Studien vor. Selbst Hand anlegen erscheint deshalb für viele Menschen naheliegend. In einer Umfrage hat eine US-Gruppe versucht, das Spektrum der selbstbehandelten Erkrankung zu beleuchten. Im Vordergrund, also der Medienberichterstattung folgend, stehen Clostridioides-difficile-Infektion, vor allem bei chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen, die mit Heim-FMT behandelt werden, gefolgt vom Reizdarmsyndrom (IBD), Nahrungsmittelallergien (sowohl wegen Intoleranzen als auch Störungen ohne Zusammenhang mit dem Verdauungstrakt) oder einer Dünndarmfehlbesiedlung (small intestinal bacterial overgrowth ‒ SIBO). Häufig sind DIY-FMT-Selbstversuche auch bei psychischen/neurologischen Erkrankungen (Autismus, chronische Fatigue, Depressionen, ADHS, Migräne, MS u.v.a.m.), wie die Befragung zeigte. Und schließlich, wie nach den grandiosen Einsichten zur Bedeutung des Mikrobioms bei Adipositas zu erwarten war, steht auch die Übergewichts-Selbstbehandlung im Vordergrund des Interesses.

Ekekezie C et al., Am J Gastroenterol 2020 Apr; 115(4): 603-607, doi 10.14309/ajg.0000000000000499, PMID 31972620

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