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Sachstandsbericht

WHO zu Adipositas in Europa: Düstere Aussichten

8.6.2022

Adipositas hat in ganz Europa epidemische Ausmaße angenommen. Die Raten steigen weiterhin, zeigt der im Mai 2022 veröffentlichte „Sachstandsbericht Adipositas 2022“ der WHO.

„In Europa und Zentralasien wird kein einziges Land die globale Zielvorgabe der WHO für nichtübertragbare Krankheiten einer Unterbindung des Anstiegs der Adipositasraten bis 2025 verwirklichen“, erklärte Dr. Hans Henri P. Kluge, WHO-Regionaldirektor für Europa. Der Bericht stellt fest, dass in der Europäischen Region 59% der Erwachsenen und nahezu jedes dritte Kind (29% der Jungen und 27% der Mädchen) übergewichtig oder adipös sind. Die Prävalenz von Adipositas bei Erwachsenen ist in der Europäischen Region höher als in anderen Regionen der WHO, mit Ausnahme der Region Gesamtamerika. Übergewicht und Adipositas zählen in der Europäischen Region zu den führenden Ursachen für Tod und Behinderung, wobei jüngste Schätzungen darauf hindeuten, dass sie jährlich für mehr als 1,2 Mio. Todesfälle verantwortlich sind, was einem Anteil von über 13% der Gesamtsterblichkeit in der Region entspricht.

Durch Adipositas wird das Risiko für viele nichtübertragbare Krankheiten erhöht, darunter Krebs, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Typ-2-Diabetes und chronische Atemwegserkrankungen. So gilt Adipositas etwa als Ursache für mindestens 13 unterschiedliche Krebsarten und ist wahrscheinlich in der gesamten Region direkt verantwortlich für mindestens 200.000 neue Krebsfälle pro Jahr, wobei diese Zahl in den kommenden Jahren noch weiter steigen dürfte. Übergewicht und Adipositas sind zudem die führenden Risikofaktoren für Behinderungen und verursachen 7% der insgesamt mit Behinderungen verbrachten Lebensjahre in der Region.

Nicht nur ungesunde Ernährung und Bewegungsmangel

Die Bekämpfung von Adipositas ist entscheidend, um die Ziele für nachhaltige Entwicklung zu verwirklichen, und ist zudem eine der Prioritäten des Europäischen Arbeitsprogramms 2020‒2025 der WHO. Um die wachsende Epidemie zu bekämpfen, empfiehlt der Bericht eine Reihe von Interventionen und Handlungsoptionen, die die Mitgliedstaaten in Betracht ziehen können, um Adipositas zu verhindern und zu bekämpfen. Hierzu zählen:

  • die Umsetzung steuerlicher Interventionen (wie die Besteuerung von gezuckerten Getränken oder die Subventionierung gesunder Lebensmittel);
  • die Beschränkung der Vermarktung von ungesunden Lebensmitteln an Kinder;
  • die Verbesserung des Zugangs zu Angeboten zur Gewichtskontrolle im Rahmen der primären Gesundheitsversorgung als Teil einer allgemeinen Gesundheitsversorgung;
  • Bemühungen um eine Verbesserung der Ernährung und des Bewegungsverhaltens im gesamten Lebensverlauf.

Der WHO-Report konzediert, dass Adipositas eine komplexe Krankheit ist, die ein Risiko für die Gesundheit darstellt. Ihre Ursachen sind deutlich komplexer als eine reine Kombination aus ungesunder Ernährung und Bewegungsmangel. Der Bericht legt die jüngsten Erkenntnisse dar und verdeutlicht, inwiefern eine Anfälligkeit für ein ungesundes Körpergewicht bereits im frühen Alter sich auf die Tendenz eines Menschen zu Adipositas auswirken kann. Der über 200-seitige, englischsprachige Bericht ist online frei verfügbar.

Pressemitteilung der Weltgesundheitsorganisation ‒ Regionalbüro Europa, Mai 2022

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