Meditation gilt als sichere und heilsame Praxis – ihre möglichen Nebenwirkungen wurden jedoch lange kaum beachtet. Eine neue, repräsentative Studie mit fast 900 Meditierenden in den USA bringt nun mehr Klarheit. Sie zeigt, dass ungewöhnliche Erfahrungen und belastende Begleiterscheinungen häufiger vorkommen, als man bisher dachte.
Fast 60 % der Befragten berichteten von mindestens einer ungewöhnlichen Erfahrung, wenn sie gezielt mit einer 30-Punkte-Checkliste befragt wurden. Das ist deutlich mehr als in früheren Untersuchungen, in denen meist nur offene Fragen gestellt wurden. Wie man nach diesen Effekten fragt, beeinflusst also maßgeblich, was man findet. Rund 30 % berichteten von herausfordernden oder belastenden Erfahrungen, und fast jeder Zehnte gab an, dass diese Erlebnisse den Alltag spürbar beeinträchtigten.
Wer ist besonders gefährdet?
Die Studie untersuchte nicht nur, wie häufig solche Erfahrungen auftreten, sondern auch, bei wem sie vermehrt vorkommen. Die deutlichsten Prädiktoren waren psychische Belastungsfaktoren. Personen, die in den letzten Wochen unter aktueller psychischer Belastung oder Anspannung litten oder eine erhöhte Neigung zu ungewöhnlichen Wahrnehmungen oder Überzeugungen zeigten, berichteten signifikant häufiger von belastenden Nebenwirkungen. Auch die Teilnahme an intensiven Meditations-Retreats, die oft über Tage oder Wochen dauern, war mit einem erhöhten Risiko für funktionelle Beeinträchtigungen verbunden. Die Zusammenhänge sind deutlich, auch wenn die Studie keine Kausalität belegen kann. Entscheidend ist die Botschaft: Meditation ist kein universelles Heilmittel, sondern eine psychologisch wirksame Praxis mit Potenzial.
Aufklärung statt Abschreckung
Die Autorinnen und Autoren betonen ausdrücklich, dass die Ergebnisse nicht abschrecken sollen. Vielmehr gehe es um realistische Aufklärung. Wie bei anderen therapeutischen Verfahren sollte auch bei Meditation über mögliche Risiken und unerwünschte Effekte gesprochen werden. Wer meditiert oder Meditation vermittelt, sollte wissen, dass veränderte Wahrnehmungen, innere Unruhe oder das zeitweise Infragestellen des eigenen Selbst keine „Fehler“, sondern mögliche Phasen des Prozesses sind. Problematisch wird es erst, wenn diese Erfahrungen den Alltag dominieren oder das Selbstgefühl destabilisieren. Dann braucht es Begleitung, nicht Durchhalten. Meditation ist nicht für alle Menschen das passende Werkzeug – und wenn sie es nicht ist, liegt das selten am Übenden selbst. Etwas mehr Offenheit und Aufklärung in diesem Bereich könnten vielen helfen, bewusster und sicherer mit dieser intensiven Methode umzugehen.
Pressemitteilung „Does Meditation Come With Side Effects?“ Association for Psychogical Science (APS), Washington DC (USA), 19.8.2025 (https://www.psychologicalscience.org/news/2025-aug-meditation-side-effects.html).
Van Dam NT et al.: Incidence and Predictors of MeditationRelated Unusual Experiences and Adverse Effects in a Representative Sample of Meditators in the United States. Clinical Psychological Science. 2025; 13(3): 632-648 (DOI 10.1177/21677026241298269).