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Neue Studienergebnisse

Beeinflussen Milchprodukte das Demenzrisiko?

27.2.2026

Ob und wie Milchprodukte das Demenzrisiko beeinflussen, ist seit Jahren Gegenstand kontroverser Diskussionen. Eine große prospektive Kohortenstudie aus Schweden mit sehr langer Nachbeobachtungszeit liefert nun neue, differenzierte Beobachtungen - ohne jedoch kausale Schlüsse zu erlauben.

Analysiert wurden die Ernährungsdaten von rund 27.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmern der Malmö Diet and Cancer Study, die in den 1990er Jahren detaillierte Angaben zu ihrem Lebensmittelkonsum gemacht hatten. Bis zum Jahr 2020 wurden in dieser Kohorte mehr als 3.200 Demenzfälle registriert. Untersucht wurde der langfristige Zusammenhang zwischen dem Konsum verschiedener Milchprodukte mit unterschiedlichem Fettgehalt und dem Auftreten von Demenz.

Die zentrale Beobachtung der Studie ist eine inverse Assoziation zwischen dem Konsum bestimmter fettreicher Milchprodukte und dem Demenzrisiko insgesamt. Personen mit einem höheren Verzehr von fettreichem Käse (≥ 50 g/Tag) oder fettreicher Sahne (≥ 20 g/Tag) wiesen im Vergleich zu niedrigen bzw. keinem Konsum ein statistisch signifikant geringeres Risiko für eine Demenz jeglicher Ursache auf. Für fettarme Varianten von Käse und Sahne, für Milch, fermentierte Milchprodukte oder Butter ergaben sich keine entsprechenden Zusammenhänge mit dem Gesamtrisiko.

Bei der Betrachtung von Demenz-Subtypen zeigte sich für fettreichen Käse eine inverse Assoziation mit vaskulärer Demenz. Für die Alzheimer-Demenz fand sich ein solcher Zusammenhang nur bei Personen ohne den Hauptrisikogenotyp APOE ε4. Für Butter war in der höchsten Konsumkategorie ein erhöhtes Alzheimer-Risiko zu beobachten. Zu berücksichtigen ist hierbei, dass Analysen zu Demenz-Subtypen auf validierten Diagnosen mit kürzerer Nachbeobachtungszeit beruhen und daher mit größerer Unsicherheit behaftet sind.

Für die Interpretation dieser Ergebnisse sind mehrere Einschränkungen zentral. Es handelt sich um eine Beobachtungsstudie, die keine Aussagen zur Kausalität erlaubt. Trotz umfangreicher Adjustierungen kann ein Einfluss nicht erfasster oder unvollständig kontrollierter Störfaktoren nicht ausgeschlossen werden. Zudem zeigten Sensitivitätsanalysen, dass einzelne Assoziationen bei alternativen Modellierungen an statistischer Stärke verlieren. Die beobachteten Effekte sollten daher als Hinweise verstanden werden, nicht als belastbare Belege für einen protektiven Effekt einzelner Lebensmittel.

Für die ärztliche Beratung ergibt sich daraus keine Grundlage für konkrete Verzehrempfehlungen oder Schwellenwerte. Insbesondere lässt sich aus den Daten nicht ableiten, dass ein höherer Konsum fettreicher Milchprodukte gezielt zur Demenzprävention empfohlen werden könnte. Ebenso wenig rechtfertigt die Studie eine generelle Neubewertung bestehender Empfehlungen zum Konsum gesättigter Fettsäuren.

Die Ergebnisse unterstreichen vielmehr die Bedeutung einer differenzierten Betrachtung von Lebensmitteln im Kontext ihrer gesamten Matrix und des jeweiligen Ernährungsmusters. Die beobachteten Zusammenhänge sprechen gegen eine vereinfachende Einteilung von Milchprodukten in „günstig“ oder „ungünstig“ und legen nahe, dass einzelne Produkte innerhalb eines insgesamt ausgewogenen Ernährungskonzepts unterschiedlich wirken können.

Du Y et al.: High- and Low-Fat Dairy Consumption and Long-Term Risk of Dementia: Evidence From a 25-Year Prospective Cohort Study. Neurology. 2026 Jan 27;106(2):e214343 (DOI 10.1212/WNL.0000000000214343).

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