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Beeinflussung des Lipidstoffwechsels

Kurzzeit-Haferdiät senkt LDL-Cholesterin bei metabolischem Syndrom

19.5.2026

Eine kurzzeitige, stark haferbasierte Diät könnte den Lipidstoffwechsel bei Personen mit metabolischem Syndrom spürbar beeinflussen. Darauf deutet eine randomisierte Studie der Universität Bonn hin, die kürzlich in „Nature Communications“ veröffentlicht wurde. Die Teilnehmenden erhielten über zwei Tage eine kalorienreduzierte Kost, die nahezu ausschließlich aus Haferflocken bestand. Im Vergleich zu einer ebenfalls kalorienreduzierten Kontrollernährung ohne Hafer kam es zu einer deutlich stärkeren Abnahme der Cholesterinwerte. Der LDL-Cholesterinspiegel sank um rund 10 %.

Für eine nur zweitägige Ernährungsintervention ist das ein bemerkenswerter Effekt, auch wenn er deutlich unter der Größenordnung moderner lipidsenkender Medikamente liegt.

An der Studie nahmen Frauen und Männer mit metabolischem Syndrom teil, also einer Kombination aus zentraler Adipositas, Hypertonie, gestörtem Glukosestoffwechsel und Dyslipidämie. Insgesamt wurden 68 Personen in zwei randomisierte Ernährungsstudien eingeschlossen. In der Kurzzeitintervention erhielten die Teilnehmenden 3 Mahlzeiten täglich, die jeweils aus 100 g Haferflocken bestanden und mit Wasser als Porridge zubereitet wurden. Kleine Mengen Obst oder Gemüse waren erlaubt. Insgesamt wurden so etwa 300 g Hafer pro Tag aufgenommen. Gleichzeitig lag die Energiezufuhr mit etwa 1.100 bis 1.200 kcal pro Tag deutlich unter der üblichen Ernährung.

Unter dieser Intervention sanken Gesamt- und LDL-Cholesterin signifikant stärker als in der Kontrollgruppe. Die Werte blieben auch während einer sechs Wochen dauernden Nachbeobachtung tendentiell unter dem Ausgangsniveau, obwohl die Teilnehmenden in dieser Zeit wieder zu ihrer üblichen Ernährung zurückkehrten.

Veränderungen des Darmmikrobioms

Die Forschenden sehen einen möglichen Mechanismus in Veränderungen des Darmmikrobioms. Durch den Abbau von Haferbestandteilen entstehen offenbar vermehrt phenolische Metaboliten wie Ferulasäure und deren mikrobielle Abbauprodukte. Diese Substanzen könnten den Cholesterinstoffwechsel beeinflussen und so zu den beobachteten Effekten beitragen. Hinweise aus experimentellen Arbeiten sprechen dafür, dass Ferulasäure beispielsweise die Cholesterinsynthese modulieren könnte.

Eine zweite Interventionsstudie der Arbeitsgruppe zeigte allerdings ein anderes Bild: Wenn Teilnehmende über 6 Wochen lediglich eine Hafermahlzeit täglich in ihre ansonsten unveränderte Ernährung integrierten, blieben die metabolischen Effekte gering. Die Ergebnisse deuten daher darauf hin, dass eine kurzzeitige „hoch dosierte“ Haferaufnahme möglicherweise wirksamer ist als eine moderate, langfristige Ergänzung der Ernährung.

Allerdings lassen sich die Effekte der Haferdiät nicht vollständig von der gleichzeitig erfolgten Kalorienrestriktion trennen. Zudem war die Zahl der Teilnehmenden vergleichsweise klein. Ob sich aus einer solchen kurzfristigen „Haferkur“ tatsächlich eine praktikable Strategie zur Prävention metabolischer Erkrankungen ableiten lässt, muss daher erst in größeren Studien untersucht werden.

Hintergrund: Der Frankfurter Internist Carl von Noorden, Gründer einer der ersten europäischen Diabetes-Fachkliniken (1895), führte um 1902 die sogenannte „Haferkur“ als diätetische Therapie des Diabetes ein. Die auf Haferschleim basierende Diät konnte die Glukosurie und den Blutzucker vieler Patienten deutlich senken und galt in der Vor-Insulin-Ära als eine der wirksamsten Behandlungsoptionen. Bis zur Einführung der Insulintherapie 1921 blieb sie Bestandteil der diabetologischen Diätetik. In der modernen Diabetologie erleben sogenannte „Hafertage“ teilweise eine Renaissance, etwa zur kurzfristigen Verbesserung einer ausgeprägten Insulinresistenz.

Pressemitteilung: „Zwei Tage Haferflocken senken Cholesterinspiegel“. Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn, 23.1.2026 (https://www.uni-bonn.de/de/neues/017-2026).

* Klümpen L et al.: Cholesterol-lowering effects of oats induced by microbially produced phenolic metabolites in metabolic syndrome: a randomized controlled trial. Nat Commun. 2026 Jan 14;17(1):598 (DOI 10.1038/s41467-026-68303-9).

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