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Mikrobiom

Pathobionten an Autoimmunkrankheiten beteiligt

17.5.2022

Dem Mikrobiom kommt eine Rolle bei der Entstehung entzündlich-rheumatischer Erkrankungen zu. Unter anderem bei der Entstehung von systemischem Lupus erythematodes (SLE) und dem Antiphospholipid-Syndrom (APS).

Sowohl bei SLE als auch APS ist die Ätiologie bisher unbekannt. Zwar sind genetisch prädisponierende Faktoren bekannt; diese können allerdings nicht allein ausschlaggebend sein für den Ausbruch und Schweregrad dieser Erkrankungen, heißt es in einer Mitteilung der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie (DGRh). Vielmehr spielt auch das Mikrobiom, so Prof. Dr. med. Andreas Krause (Berlin), Präsident der DGRh, bei der Entstehung und Progression dieser rheumatischen Erkrankungen eine Rolle.

So sind in den vergangenen Jahren eine Reihe von möglichen Pathobionten identifiziert worden, also autoimmunitätsfördernde kommensale Bakterien, die aus dem Darm, der Haut oder der Mundhöhle stammen, mit ganz unterschiedlichen Wirkmechanismen. Hierzu zählen Enterococcus gallinarum und Limosilactobacillus reuteri, die über Translokation aus dem Dünndarm zur Leber und Milz adaptive Autoimmunität und innate Typ-I-Interferon-Signalwege induzieren; oder Bacteroides thetaiotaomicron, Actinomyces massiliensis, Pseudopropionibacterium propionicum, Corynebacterium amycolatum, Ruminococcus gnavus, Roseburia intestinalis, die über Kreuzreaktivität mit Autoantigenen (Ro60, dsDNA und β2-Glykoprotein I) dazu führen, dass pathogene TZell- und Autoantikörperantworten entstehen.

Dem wirken offenbar die aus dem Dickdarm stammenden Clostridiales entgegen, die für eine verbesserte Funktion der Schleimhautbarriere unentbehrlich zu sein scheinen. Die von ihnen produzierten kurzkettigen Fettsäuren unterstützen die Schleimhautzellen im Darm bei der Schleimbildung, stärken die Darmbarriere und tragen zu einem günstigen Säuremilieu bei. „In einer Subgruppe von SLE-Patienten konnte bereits gezeigt werden, dass Clostridiales verloren gehen, während Laktobazillen sich vermehren“, so Prof. Dr. med. Martin A. Kriegel, Abteilung für Translationale Rheumatologie und Immunologie des Instituts für Muskuloskelettale Medizin (IMM), Universitätsklinikum Münster.

Antibiotika nur nach strikter Indikation

Ein anderer Mechanismus, der die typischen Autoimmunprozesse bei entzündlich-rheumatischen Erkrankungen mit anstoßen könnte, ist Kreuzreaktivität: Antikörper, die ursprünglich gegen Bakterien gebildet wurden, erkennen in diesem Fall auch Antigene, die sich im körpereigenen Gewebe befinden. Dieses wird daraufhin ebenfalls zum Ziel der Immunabwehr. Eine solche Kreuzreaktivität ist etwa für das Autoantigen Ro60 nachgewiesen, gegen das sich die Autoimmunattacken bei vielen SLE-Patienten richten. Denn Ro60 wird auch von einer ganzen Reihe von Bakterien gebildet, die im Darm, auf der Haut und im Mund vorkommen. „Diese Mechanismen sind mittlerweile durch Befunde aus der Forschung gut untermauert“, sagt Kriegel. Die Entdeckung von Pathobionten in den Mikrobiomen von SLE- und APS-Patienten könnte eine Grundlage für zukünftige, neuartige und nicht auf das Immunsystem ausgerichtete Therapieansätze sein.

Ein vorläufiges Fazit für die Praxis besteht aus zwei klaren Warnungen: Antibiotika sollten nur nach strikter Indikation verschrieben werden, da sie unvorhersehbare Einflüsse auf das Darmmikrobiom haben. Zudem sollten Probiotika mit Laktobazillen vorsichtshalber bei SLE-Patienten vermieden werden, um eine mögliche Verschlechterung der Typ-I-Interferon-Signatur zu vermeiden. Eine faserreiche Ernährung ist hingegen ‒ generell ‒ aufgrund der günstigen metabolischen Einflüsse auch bei SLE-Patienten mit einer Typ-I-Interferon-Signatur zu erwägen.

Pressemitteilung der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie (DGRh), April 2022
Redanz S et al., Z Rheumatol 2022 Apr 4; DOI 10.1007/s00393-022-01184-7

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