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Maligne Erkrankung

Handgreifkraft verdoppelt Prognoserisiko nach Gastrektomie bei Magenkrebs

13.3.2026

Das Magenkarzinom zählt weltweit weiterhin zu den häufigsten malignen Erkrankungen und ist trotz rückläufiger Inzidenz in vielen westlichen Ländern eine der führenden Ursachen krebsbedingter Mortalität – insbesondere in Ostasien. Neben Tumorstadium und Komorbiditäten rücken zunehmend funktionelle Parameter in den Fokus der präoperativen Risikobewertung. Eine aktuelle Meta-Analyse taiwanesischer Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler im „International Journal of Clinical Oncology“ (Januar 2026) unterstreicht die erhebliche prognostische Bedeutung der präoperativen Handgreifkraft (Hand Grip Strength, HGS) bei Personen, die sich aufgrund eines Magenkarzinoms einer Gastrektomie unterziehen.

In die Analyse wurden 9 Studien mit insgesamt 3.496 Patientinnen und Patienten eingeschlossen, überwiegend aus China und Japan. Zentrales Ergebnis: Eine niedrige präoperative HGS erwies sich als starker, unabhängiger Prädiktor für ungünstige postoperative Verläufe. Die wesentlichen quantitativen Befunde:

  • Gesamtüberleben (OS): Eine niedrige HGS war mit einem mehr als verdoppelten Mortalitätsrisiko assoziiert (gepoolte adjustierte Hazard Ratio [HR] = 2,29; 95 %-Konfidenzintervall [KI] 1,47-3,57).
  • Postoperative Komplikationen: Das Risiko für postoperative Komplikationen war bei Patienten mit niedriger HGS nahezu verdoppelt (gepoolte adjustierte Odds Ratio [OR] = 1,91; 95 %-KI 1,55-2,36).

Die Autoren schließen daraus, dass die präoperative Messung der Handgreifkraft – eine   einfache, kostengünstige und objektive Methode – einen wertvollen Marker für die präoperative Risikoabschätzung und -stratifizierung bei Magenkarzinompatienten darstellt. Niedrige HGS spiegelt dabei vermutlich nicht nur den Ernährungs- und Muskelstatus wider, sondern auch die physiologische Resilienz gegenüber Tumorerkrankung und großer abdominalchirurgischer Belastung.

Die Integration der HGS in präoperative Assessments könnte helfen, Hochrisikopatienten und -patientinnen frühzeitig zu identifizieren und gezielte prähabilitative Maßnahmen wie Ernährungstherapie oder Krafttraining einzuleiten, um postoperative Ergebnisse zu verbessern.

Hintergrund: Für die klinische Messung der Handgreifkraft werden in Praxis und Klinik sogenannte Handdynamometer eingesetzt, im Handel auch als Hand Grip Strength Dynamometer oder Handkraftmessgerät bezeichnet. Als international am häufigsten verwendetes Referenzgerät gilt das hydraulische Jamar-Handdynamometer, das in zahlreichen Studien als Standardinstrument zur Erfassung der Handgreifkraft genutzt wird. Daneben sind zertifizierte digitale Handdynamometer erhältlich, die eine elektronische Dokumentation und Verlaufskontrollen erleichtern.

Die Handgreifkraft ist nicht nur in der Onkologie von prognostischer Bedeutung, sondern wird auch in der Geriatrie (Frailty- und Sarkopeniediagnostik), in der Rehabilitationsmedizin, bei kardiovaskulären Erkrankungen sowie zur allgemeinen Abschätzung der funktionellen Reserve und Mortalitätsprognose eingesetzt. Aufgrund der einfachen, schnellen und kostengünstigen Durchführung eignet sich die Messung gut für die Integration in präoperative und geriatrische Assessments.

Chang HL et al.: Prognostic role of hand grip strength (HGS) on outcomes after gastrectomy for gastric cancer: a systematic review and meta-analysis. Int J Clin Oncol. 2026 Jan;31(1):107-117 (DOI 10.1007/s10147-025-02918-8).

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