Leguminosen und Sojaprodukte könnten einen relevanten Beitrag zur Primärprävention der Hypertonie leisten. Darauf weist eine aktuelle systematische Übersichtsarbeit mit Dosis-Wirkungs-Metaanalyse prospektiver Kohortenstudien hin. Analysiert wurden Daten aus 12 Kohorten mit insgesamt rund 588.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmern. Untersucht wurden klassische Speiseleguminosen wie Bohnen, Linsen, Kichererbsen und Erbsen sowie Sojaprodukte einschließlich Tofu und fermentierter Sojaprodukte.
Im Vergleich der höchsten mit der niedrigsten Verzehrkategorie war ein hoher Konsum von Leguminosen mit einer um 16 %, ein hoher Sojakonsum mit einer um 19 % niedrigeren Hypertonieinzidenz assoziiert.
Besonders interessant erscheint die Dosis-Wirkungs-Analyse: Pro 100 g gekochter Leguminosen täglich – etwa eine Tasse oder 5–6 Esslöffel – ergab sich eine Risikoreduktion um 12 %. Für Sojaprodukte zeigte sich eine Reduktion um 24 % pro 100 g täglich, wobei sich der Effekt ab etwa 60–80 g/Tag abflachte. Für Leguminosen bestand dagegen über den beobachteten Bereich bis etwa 170 g/Tag ein annähernd linearer Zusammenhang mit sinkendem Hypertonierisiko.
Pathophysiologisch plausibel erscheinen insbesondere der hohe Gehalt an Kalium, Magnesium, Ballaststoffen und pflanzlichem Protein sowie bioaktive Substanzen wie Polyphenole und – bei Soja – Isoflavone. Diskutiert werden unter anderem endotheliale Effekte über die NO-Synthese sowie die Bildung kurzkettiger Fettsäuren aus fermentierbaren Ballaststoffen. Frühere Metaanalysen randomisierter Studien zeigten für Leguminosen zumindest moderate Blutdrucksenkungen, teils ausgeprägter bei adipösen Personen ohne Diabetes. Für Sojaprotein, Sojamilch und Isoflavone wurden wiederholt signifikante Effekte auf systolischen und diastolischen Blutdruck beschrieben.
Für die hausärztliche Praxis relevant: Die beobachteten Mengen liegen durchaus im Bereich alltagsüblicher pflanzlicher Proteinportionen. Gleichzeitig bleibt der tatsächliche Verzehr in Europa mit durchschnittlich etwa 8–15 g Leguminosen pro Tag deutlich unter den empfohlenen Mengen.
Die britisch-norwegischen Autorinnen und Autoren bewerten die Evidenz nach den Kriterien des World Cancer Research Fund als „wahrscheinlich“ protektiv. Dennoch bleibt Zurückhaltung angebracht: Die eingeschlossenen Kohorten waren heterogen, und ein Residualkonfounding durch insgesamt gesundheitsbewusstere Ernährungs- und Lebensstile lässt sich trotz umfangreicher Adjustierungen nicht sicher ausschließen.
Für die Beratung: Schon eine Portion Hülsenfrüchte pro Tag könnte helfen, das Risiko für Bluthochdruck zu senken. Praktisch bedeutet das zum Beispiel ein Linsengericht, Bohnen, Kichererbsen oder auch Tofu als regelmäßigen Bestandteil der Ernährung. Sinnvoll ist weniger die radikale Ernährungsumstellung als der konsequente Austausch einzelner Fleisch- oder Wurstmahlzeiten gegen pflanzliche Proteinquellen im Alltag.
Metoudi M et al.: Legume and soy consumption and the risk of hypertension: a systematic review and dose–response meta-analysis of prospective studies. BMJ Nutrition, Prevention & Health 2026;0:e001449 (DOI 10.1136/ bmjnph-2025-001449).