Fotobasierte Apps zur Nährwertschätzung könnten Menschen mit Diabetes unter intensivierter Insulintherapie die aufwendige Kohlenhydratschätzung erleichtern.
Doch wie verlässlich sind sie wirklich? C. Kröner und Kollegen aus Ulm testeten 5 Apps (DiabTrend, Cal Scan AI, SNAQ, NutriScan, Foodvisor) an 15 standardisierten Mahlzeiten mit unterschiedlicher Nährwertverteilung, die von je 3 verschiedenen Anwendern fotografiert wurden. Eine der Apps (DiabTrend) war dabei als zugelassenes Medizinprodukt für Menschen mit Diabetes ausgewiesen. Es wurden 6 Mahlzeiten zusätzlich in 2 Varianten präsentiert: einmal mit separat angerichteten, einmal mit gemischten Komponenten.
Das Ergebnis: Der Kohlenhydratgehalt wurde von allen Apps systematisch überschätzt (+5 % bis +35 %). Protein, Fett und Kalorien wurden je nach App über- oder unterschätzt, mit teils großen Abweichungen. Unterschiede gab es sowohl zwischen den einzelnen Apps als auch verschiedenen Anwendern bei identischen Mahlzeiten. Lagen die Komponenten separat vor, war die Schätzgenauigkeit besser als bei gemischten Speisen. Die Forschenden folgern: Nährwertermittlung per App sei grundsätzlich möglich und in Einzelfällen präzise genug für eine sichere Insulindosierung – die Ergebnisse sollten aber stets kritisch hinterfragt werden.
Poster P04.04 (C. Kröner)