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Kongress-Ticker

Typ-1-Diabetes

Erstmals Immuntherapie zur Krankheitsverzögerung

16.7.2026

Mit einem monoklonalen Antikörper steht erstmals eine zugelassene immunmodulatorische Therapie bereit, die das Fortschreiten eines Typ-1-Diabetes verzögern kann. Entscheidend bleibt, geeignete Patientinnen und Patienten rechtzeitig zu finden.

Während das Screening auf Typ-1-Diabetes (T1D) bei Kindern international zunehmend standardisiert werde, „ist das Thema Früherkennung bei Erwachsenen noch eine Blackbox“, sagte Prof. Dr. med. Michael Hummel (Helmholtz Munich, München). Dabei ist der Bedarf da: In Deutschland sind 57 % der jährlich rund 7 250 T1D-Neuerkrankten über 18 Jahre alt [1]. Besonders heikel: T1D bei Erwachsenen wird häufig als Typ-2-Diabetes (T2D) fehldiagnostiziert.

Hummel empfahl daher, beim Screening auf Risikogruppen zu fokussieren: Personen mit familiärer T1D-Belastung, eigenen oder familiären Autoimmunerkrankungen, Gestationsdiabetes in der Anamnese oder erhöhten Blutzuckerwerten. „Es ist nicht immer ein Typ-2-Diabetes – es kann auch ein Typ-1-Diabetes sein, insbesondere wenn Personen relativ jung und schlank sind“, so Hummel. Sein pragmatischer Vorschlag für die Praxis: Bei allen 18- bis 30-Jährigen sowie bei 30- bis 45-Jährigen mit Risikofaktoren den HbA1c messen. Liegt er zwischen 6,0 und 6,5 % (Dysglykämie), sollte eine Autoantikörpertestung folgen. Bei Nachweis von mindestens 2 Antikörpern befinden sich die Betroffenen im Stadium 2 und kommen damit für eine präventive Therapie infrage.

Einmalige Intervention, nachhaltiger Effekt

Genau hier setzt der Antikörper Teplizumab an: Seit Januar 2026 ist er in der EU für Erwachsene und Kinder ab 8 Jahren mit T1D im Stadium 2 zugelassen – die erste krankheitsmodifizierende Therapie überhaupt bei T1D. Grundlage der Zulassung ist die Phase-II-Studie TN-10: In dieser randomisierten, placebokontrollierten Studie verzögerte eine einzige 14-tägige Infusionskur den Übergang von Stadium 2 in Stadium 3 (wenn die Betazell-Masse auf ein geringes Niveau gesunken und Hyperglykämie messbar ist) im Median um etwa 2 Jahre (48,4 vs. 24,4 Monate mit Placebo) [2]. Am Studienende blieben 57 % der Antikörper-Behandelten in Stadium 2 gegenüber nur 28 % mit Placebo.

Dr. med. Norbert Jorch (Evangelisches Klinikum Bethel, Bielefeld), der selbst an Teplizumab-Studien beteiligt war, betonte die praktische Durchführbarkeit, aber auch die Notwendigkeit klarer Strukturen. Zu den häufigsten Nebenwirkungen zählen eine transiente Lymphopenie (75 % der Behandelten) sowie Hautreaktionen [3]. Auf das Zytokin-Freisetzungssyndrom (CRS), das bei 5,8 % der Behandelten beobachtet wurde, müsse man vorbereitet sein [3]: Die empfohlene Prämedikation, engmaschiges Monitoring sowie eine 24/7-Rufbereitschaft während und nach der Infusionsphase seien unabdingbar. Betroffene sollten während der Therapie Menschen­ansammlungen meiden. Die Behandlung sei in der Fläche und mit akzeptablem Risikoprofil umsetzbar, so Jorch. Zur Ausschöpfung des neuen Potenzials sollte jedoch die Möglichkeit des T1D-Screenings in allen Altersklassen gefördert werden.

  1. Stahl-Pehe A et al., Diabetologie 2019; 15: 206–16
  2. Herold KC et al., N Engl J Med 2019; 381(7): 603–13
  3. Fachinformation Teizeild® (Teplizumab), Stand: Januar 2026

Symposium „Neue Ära der Typ-1-Diabetes-Versorgung“ (Veranstalter: Sanofi-Aventis GmbH)

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