Typ-2-Diabetes erhöht das Risiko für kardiovaskuläre und renale Komplikationen, dies bereits bei der Diagnosestellung. Das duale Inkretinmimetikum Tirzepatid kann gegensteuern und wird nun auch bei Typ-2-Diabetes-Erkrankten mit klinisch relevanten kardiovaskulären/renalen Komplikationen empfohlen.
Für Menschen mit Typ-2-Diabetes (T2D) gehört zu einem möglichst guten Schutzkonzept vor Herz-Kreislauf-Erkrankungen und anderen Folgekomplikationen nicht nur die gute Glucoseeinstellung. Auch Blutdruck und Blutfette sollten adressiert werden. Für alle 3 Faktoren ist das Gewichtsmanagement eine wichtige Stellschraube. Adipositas erhöhe das Risiko für koronare Herzkrankheit um 62 % und für Schlaganfall um 21 %, so Dr. med. Jörg Simon (Fulda) [1]. „Wir müssen eigentlich sehr früh ran, um Folgekosten zu ersparen“, appellierte er. Dr. med. Uwe Lindner (Chemnitz) ergänzte: „Über höhere Gewichtsreduktionen können wir krankheitsmodifizierend eingreifen.“
Leider werde in Deutschland noch zu wenig leitliniengerecht therapiert, so Lindner. Dies untermauere eine Real-World-Datenbankanalyse mit über 17 000 kardiovaskulär vorerkrankten Menschen mit T2D in Deutschland [2]. In nur 40 % der Fälle wurde gemäß der jeweiligen nationalen klinischen Leitlinien therapiert. Nur bei etwa 10 % kamen Gliflozine oder Inkretinmimetika zum Einsatz. „Wer leitliniengerecht behandelt wird, hatte nach 12 Monaten eine Überlebensrate von 91 %, wer nicht, nur von 83 %“, sagte Lindner. Mithilfe von Tirzepatid sei es möglich, Herzinfarkt und Schlaganfall zu verhindern, erinnerte er mit Blick auf die kardiovaskuläre Endpunktstudie SURPASS-CVOT [3]. Inzwischen hat der duale GIP/GLP-1-Rezeptoragonist auch für kardiovaskulär/renal Vorerkrankte mit T2D in die Praxisleitlinien der Deutschen Diabetes Gesellschaft Einzug gehalten, er wird gleichberechtigt mit GLP-1-Analoga empfohlen [4].
Interimsdaten zum frühen Einsatz
Bekanntlich profitieren Menschen mit T2D besonders, wenn eine effektive Therapie frühzeitig beginnt. In der internationalen offenen Multicenter-Phase-IV-Studie SURPASS-EARLY wird Tirzepatid (plus Metformin) daher aktuell bei maximal 4 Jahre an T2D Erkrankten ohne kardiovaskuläre Ereignisse im Vergleich zu anderen leitlinienkonformen Antidiabetika (intensivierte konventionelle Therapie) geprüft [5]. Dabei erhielten 2 Jahre nach Therapiestart etwa 85 % der Teilnehmenden im Vergleichsarm ein GLP- 1-Analogon, überwiegend Semaglutid einmal pro Woche. Lindner zu den Interimsdaten: „Eine frühe gute Einstellung erreichen wir mit dem dualen Präparat noch effektiver als mit den bisherigen Substanzen, und das beginnt bereits nach einem Quartal.“ Dies betrifft den Blutzucker (HbA1c -1,99 %-Punkte vs. -1,32 %-Punkte, p < 0,001 sowie häufiger HbA1c < 5,7 %), Gewicht und Taillenumfang ab Baseline nach 2 Jahren [5].
Symposium „Jetzt handeln: Warum eine frühe GIP/GLP-1-Therapie den Verlauf von Typ-2-Diabetes und Adipositas verbessert“ und Mounjaro®-Pressedinner (Veranstalter: Lilly Deutschland GmbH)