Für die Prävention von Herz-Kreislauf-Erkrankungen ist körperliche Aktivität mit entscheidend. Hierbei kommt es allerdings auf die richtige Dosierung an: Das Bewegungsangebot muss attraktiv und individuell durch die Patientinnen und Patienten steuerbar sein.
Mangelnde Bewegung ist das neue Rauchen. „Letzteres ist zwar per se gefährlicher als körperliche Inaktivität, jedoch sind bei Weitem mehr Menschen inaktiv“, sagte Dr. med. Mathias Brasch (Villingen-Schwenningen). Dies resultiere in einem vergleichbaren bevölkerungsbezogenen Risiko und entsprechender Mortalität weltweit. „Wir leben in einer völlig bewegungsverarmten Gesellschaft, und das betrifft nicht nur unsere älteren Patientinnen und Patienten, sondern vor allem auch Kinder sowie Jugendliche“, so Brasch. Doch wie viel Bewegung ist notwendig? Der minimale Trainingsumfang liege bei einem Energieumsatz von 1 000 kcal/Woche.
Bewegungsmedizin setzt sich aus 5 Säulen zusammen, die kombiniert die konditionelle Fähigkeit ergeben: Ausdauer, Kraft, Schnelligkeit, Flexibilität und Koordination. „Dabei ist die kardiorespiratorische Fitness, gemessen als maximale Sauerstoffaufnahme VO2max, die Überlebensmetrik überhaupt“, meinte Brasch. Diesen Motor gelte es, gezielt aufzubauen. Die Leitlinie zur Prävention von Herz-Kreislauf-Erkrankungen empfiehlt Erwachsenen aller Altersgruppen, mindestens 150 bis 300 Minuten pro Woche eine mäßig intensive oder 75 bis 150 Minuten pro Woche eine intensive aerobe Aktivität anzustreben. Begleitend sollte Krafttraining erfolgen. „Dies ist fester Bestandteil der Bewegungsmedizin und kein optionales Add-on.“
Doch wie begegnet man dem Dilemma aus mangelnder Zeit und Motivation? „Eine mögliche Lösung ist ein High Intensity Intervall Training, HIIT, mit niedriger Trainingsfrequenz und intensiven Intervallen von moderater Dauer“, so der Sportmediziner. Dies eigne sich auch für zirkulatorisch und ventilatorisch limitierte Personen, deren Alltag generell aus Intervall-Belastungen bestehe. Um Komplikationen zu vermeiden, wird ein stratifiziertes Gesundheitsscreening in Abhängigkeit vom Gesundheitszustand empfohlen. Die präzise Steuerung der Intensität bestimmt den therapeutischen Nutzen und das klinische Risiko. Wie bei jedem Medikament sei eine fehlerhafte Dosierung der Trainingsintensität gefährlich, sagte Brasch.
Ein Signal für die Wirksamkeit von High Intensity Intervall Training (HIIT)
Die randomisiert-kontrollierte Generation-100-Studie untersuchte die Auswirkungen eines fünfjährigen Bewegungstrainings auf die Gesamtmortalität bei älteren Erwachsenen [1]: Die Gesamtmortalität war nach HIIT um 37 % niedriger als in der Kontrollgruppe und um 49 % niedriger im Vergleich zu kontinuierlichem Training mit moderater Intensität. Zwar gab es in der Studie keine statistische Signifikanz, dennoch sei dies ein Signal für die Wirksamkeit von HIIT, ordnete der Experte ein.
Weder HIIT noch moderates Training sind einander überlegen: Ersteres baut den Motor auf, letzteres fördert die Bewegungsökonomie. „Wenn es ausreichend vorbereitet ist, ist Intervalltraining auch für Ältere und Erkrankte sicher. Die Maxime ist es, Sport zu ermöglichen, nicht zu verbieten“, fasste Brasch zusammen.
Symposium „Aktuelles aus der internistischen Sportmedizin“