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GLP-1-Rezeptoragonisten

Gewichtsmanagement mit Inkretinmimetika: Wirksam, aber nicht dauerhaft ohne Therapie

20.3.2026

GLP-1-Rezeptoragonisten haben die medikamentöse Behandlung der Adipositas grundlegend verändert. In randomisierten Studien führen Substanzen wie Semaglutid oder Tirzepatid zu mittleren Gewichtsreduktionen von 15-20 % und zu Verbesserungen adipositasassoziierter Komorbiditäten. Im Vergleich zu rein verhaltensbasierten Programmen ist der initiale Gewichtsverlust im Mittel um rund 9,6 kg größer.

Eine aktuelle systematische Übersichtsarbeit mit Metaanalyse zeigt jedoch, dass dieser Effekt nach Absetzen der Medikation rasch verloren geht. Im Durchschnitt werden innerhalb eines Jahres etwa zwei Drittel des verlorenen Gewichts wieder zugenommen; das Ausgangsgewicht wird modellhaft bereits nach rund 1,5 Jahren wieder erreicht. Die Geschwindigkeit der Gewichtswiederzunahme ist dabei etwa viermal höher als nach verhaltensbasierten Gewichtsmanagementprogrammen.

Diese Befunde unterstreichen die chronische, rezidivierende Natur der Adipositas. Analog zur Behandlung anderer kardiometabolischer Risikofaktoren erscheint deshalb eine langfristige medikamentöse Therapie naheliegend. Tatsächlich zeigen Studien, dass eine kontinuierliche Behandlung mit Semaglutid über bis zu vier Jahre zu einer Gewichtsstabilisierung führen kann. In der Versorgungspraxis beenden jedoch etwa 50 % der Patientinnen und Patienten die Therapie vorzeitig – häufig aufgrund gastrointestinaler Nebenwirkungen, der hohen Kosten bei privater Finanzierung oder aufgrund enttäuschter Erwartungen bei Erreichen eines Gewichtsplateaus.

Die rasche Gewichtszunahme nach Therapieende hat erhebliche Konsequenzen für die gesundheitsökonomische Bewertung. Modellierungen für das britische Gesundheitssystem zeigen, dass die Kosteneffektivität von Semaglutid entscheidend von der Dauer der Gewichtsstabilisierung abhängt. Wird – entsprechend der aktuellen Evidenz – von einer Rückkehr zum Ausgangsgewicht innerhalb von 1,5 Jahren ausgegangen, überschreitet die Therapie die akzeptierten Kosteneffektivitätsgrenzen deutlich. Eine lebenslange Behandlung würde die Kosten weiter erhöhen und die gesundheitsökonomische Bilanz zusätzlich verschlechtern.

Leitlinien empfehlen eine begleitende verhaltensbezogene Unterstützung während der medikamentösen Therapie. Zwar ist diese mit einem größeren initialen Gewichtsverlust assoziiert, es gibt jedoch keine Evidenz dafür, dass sie die Geschwindigkeit der Gewichtswiederzunahme nach Absetzen der Medikation relevant beeinflusst. Ernährung, Bewegung und Verhaltensänderung bleiben die Grundlage der Adipositastherapie, während Inkretinmimetika als wirksame, aber nicht nachhaltige Monotherapie innerhalb eines umfassenden, langfristig angelegten Behandlungskonzepts einzuordnen sind.

West S et al.: Weight regain after cessation of medication for weight management: systematic review and meta-analysis. BMJ. 2026 Jan 7;392:e085304 (DOI 10.1136/bmj-2025-085304).

* Sun Q: Weight regain after cessation of GLP-1 drugs (Editorial). BMJ. 2026 Jan 7;392:r2586 (DOI 10.1136/bmj.r2586).

* West S et al.: Weight loss drugs are effective, but can healthcare systems afford them? (Opinion) BMJ. 2026 Jan 8;392:s24 (DOI 10.1136/bmj.s24).

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