- Anzeige -
NEWS

Entscheidungsfindung

Längeres Ausatmen macht risikofreudiger

5.10.2026

Eine verlängerte Ausatmung kann das Entscheidungsverhalten beeinflussen. Darauf weist eine experimentelle Studie hin. Bei 41 gesunden Erwachsenen führte langsames Atmen mit verlängerter Ausatmung zu einer höheren Bereitschaft, riskante Entscheidungen zu treffen. Gleichzeitig reagierte das Gehirn stärker auf mögliche Belohnungen, während die Sensitivität für mögliche Verluste unverändert blieb.

Die Teilnehmenden absolvierten unter funktioneller MRT standardisierte Entscheidungsaufgaben. Währenddessen wurden Atemfrequenz, Herzaktivität, Hautleitfähigkeit und Pupillenreaktionen erfasst. Die verlängerte Ausatmung steigerte die parasympathische Aktivität und verlangsamte die Atmung, ohne die sympathische Aktivierung messbar zu verändern. Parallel nahm die Aktivität belohnungsrelevanter Hirnareale wie des ventromedialen präfrontalen Cortex und des Precuneus zu.

Nach Einschätzung der Autoren und Autorinnen vom Potsdamer Deutschen Institut für Ernährungsforschung (DIfE) und der Charité – Universitätsmedizin Berlin stützen die Ergebnisse die Annahme, dass der körperliche Zustand die Entscheidungsfindung mitprägt. Atemtechniken könnten daher künftig als einfaches, nichtmedikamentöses Verfahren zur Unterstützung der Selbstregulation oder ergänzend bei psychischen Erkrankungen untersucht werden. Ob sich die Befunde auf den Alltag oder auf Patientengruppen übertragen lassen, müssen weitere Studien zeigen.

Hintergrund: Evolutionsbiologisch erscheint das plausibel. Unter akuter Bedrohung dominieren Herzrasen und schnelle Atmung. In diesem Zustand ist es sinnvoll, Risiken zu vermeiden und mögliche Gefahren stärker zu gewichten. Umgekehrt könnte ein ruhiger Körper signalisieren, dass die Umgebung sicher genug ist, um Chancen stärker zu beachten. Genau in diese Richtung weisen die neuen Befunde – beweisen können sie einen solchen evolutionären Mechanismus allerdings nicht. rb

Pressemitteilung: „Langsames Atmen kann die Gehirnaktivität und das Entscheidungsverhalten beeinflussen“. Deutsches Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke (DIfE), 16.6.2026 (https://www.dife.de/news/presse/details-presse/langsames-atmen-kann-die-gehirnaktivitaet-und-das-entscheidungsverhalten-beeinflussen-570/).

* Huang W et al.: Slow breathing impacts inter-organ dynamics modulating brain function and risk behavior. Neuron. 2026 May 28:S0896-6273(26)00339-9 (DOI 10.1016/j.neuron.2026.04.044).

No items found.
Lesen Sie mehr und loggen Sie sich jetzt mit Ihrem DocCheck-Daten ein.
Der weitere Inhalt ist Fachkreisen vorbehalten. Bitte authentifizieren Sie sich mittels DocCheck.
- Anzeige -

Das könnte Sie auch interessieren

123-nicht-eingeloggt