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Elterninformation

Elternumfrage zeigt unerwartet hohe ADHS-Prävalenz

16.2.2022

Der Informationsstand zur Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitäts-Störung (ADHS) ist aus Elternsicht ausbaufähig. Darauf deutet das Ergebnis einer repräsentativen Elternbefragung des Heidelberger Marktforschungsinstituts SINUS hin.

20% der befragten Eltern mit Kindern unter 18 Jahren haben für ihr Kind eine ärztliche ADHS-Diagnose (9%) oder zumindest eine ADHS-Vermutung (11%). Die Gesundheitskompetenz erscheint – trotz engmaschigem Informationsangebot zu der Erkrankung – gering: Nur 10% der Befragten stufen sich als „sehr informiert“ bezüglich ADHS ein, weitere 51% halten sich für „eher informiert“. Zudem findet die Hälfte der befragten Eltern, dass es nicht genügend Informationen zum Thema ADHS gibt.

Für ADHS-Betroffene und ihre Familien existieren viele verschiedene Hilfsangebote, aber nur wenige der befragten Eltern kennen diese offenbar. Von 17 in der Befragung vorgelegten Angeboten sind nur vier mindestens der Hälfte bekannt: Medikamentengabe (66%), Kinder- und Jugendpsychiatrie (65%), Verhaltenstherapie (57%) und Familienhilfe (57%). Die meisten Eltern vermuten aber, dass die abgefragten Angebote, ungeachtet ihrer Bekanntheit, hilfreich sind, allen voran die Familienhilfe (92%)), Elterncoaching (91%), Schulbegleitung und Verhaltenstherapie (jeweils 88%) sowie Fachbücher und Nachhilfe / Freizeitangebote (jeweils 85%).

Hinsichtlich der medikamentösen Therapie teilt die Mehrheit der Eltern einerseits die Meinung, dass ADHS-Medikamente Betroffene bei der Alltagsbewältigung helfen (75%) und notwendiger Bestandteil einer Therapie sind (68%). Andererseits ist auch die Meinung weit verbreitet, dass Medikamente betroffene Kinder lediglich ruhig stellen, sie aber nicht heilen (77%). Hinsichtlich negativer Effekte einer ADHS-Medikation sind 56% der befragten Eltern der Meinung, dass ADHS-Medikamente „stumpf“ machen, 49% finden, dass durch ADHS-Medikamente Lebensgefühl verloren geht und 41% befürchten Abhängigkeit. Auch in anderen Befragungsbereichen finden sich, ungeachtet der wissenschaftlichen Einsichten und der klinischen Versorgungswirklichkeit, klassische Vorurteile: 13% der Befragten halten ADHS für eine Erfindung der Pharmaindustrie, 24% für eine „Modekrankheit“, 29% für einen Medienhype und 41% für eine „unspezifische Einheitsdiagnose für alles Mögliche“. Immerhin finden 54% der Befragten, dass ADHS nicht als Krankheit akzeptiert wird. Zahlreiche weitere Dimensionen der Befragung betreffen die Exklusion von ADHS-Betroffenen, die Ursachenattribution der Eltern oder Einschätzungen zu möglichen Auslösern.

Die Bundesarbeitsgemeinschaft zur Förderung der Kinder, Jugendlichen und Erwachsenen mit Teilleistungs-/ Wahrnehmungsstörungen (BAG-TL/WS) ist der Auftraggeber der Befragung. Die verwendeten Daten beruhen auf einer Onlineumfrage, an der 1.000 Personen im Juli und August 2021 teilnahmen. Die Ergebnisse sind repräsentativ für deutschsprachige Eltern ab 30 Jahren, die mindestens 1 Kind unter 18 Jahren haben. Dies betrifft etwa 14,2 Millionen Menschen in Deutschland. Die Studie steht online als PDF zur Verfügung.

Die interdisziplinäre evidenz- und konsensbasierte S3-Leitlinie „Aufmerksamkeitsdefizit- / Hyperaktivitätsstörung (ADHS) im Kindes-, Jugend und Erwachsenenalter“ (AWMF-Registernummer 028-045) berichtete 2018 erheblich abweichende epidemiologische Daten: So liegt die Häufigkeit elternberichteter Diagnosen einer ADHS in Deutschland nach der KiGGS-Studie des Robert-Koch-Instituts bei etwa 5% und die Prävalenz bei 5,3% (95 %-KI 5,01-5,56), ohne wesentliche internationale Unterschiede.

Pressemitteilung SINUS Markt- und Sozialforschung Februar 2022

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