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Depression

Psychotherapeutisches Klettern hochwirksam

17.9.2021

Eine jetzt von Forschern der Friedrich-Alexander Universität Erlangen-Nürnberg vorgelegte Arbeit sollte untersuchen, ob eine manual-basierende Boulderpsychotherapie (BPT) Effekte auf die wahrgenommene Selbstwirksamkeit bei Depressiven im Vergleich zu einem Heimtrainingsprogramm oder dem Goldstandard, der modernen kognitiven Verhaltensgruppentherapie, hat.

Bouldern ist das Klettern ohne Kletterseil und Klettergurt an Felsblöcken, Felswänden oder an künstlichen Kletterwänden bis zur Absprunghöhe. Die Teilnahme am therapeutischen Klettern im Gruppensetting, so zeigt die Studie, führte bei Menschen mit Depression zu einer sichtbaren Verringerung der depressiven Symptomatik in Form einer Verschiebung von einer moderaten zu einer milden Depression. Die Verbesserungen waren deutlich stärker ausgeprägt als in der Gruppe, die mit dem sportlichen Aktivierungsprogramm zu Hause trainiert hatte. In der verhaltenstherapeutischen Depressionsbewältigungsgruppe zeigten sich ebenfalls deutliche Verbesserungen der depressiven Symptomatik, die allerdings nicht größer waren als die in der BPT-Gruppe.
In der prospektiven, multizentrischen, randomisierten kontrollierten Studie wurden 233 Menschen mit Depression randomisiert jeweils einer Gruppe (Bouldern, Heimtraining, Verhaltenstherapie) zugeteilt. Die wahrgenommene Selbstwirksamkeit wurde zu Studienbeginn und direkt nach der 10-wöchigen Interventionsphase mit der etablierten Skala zur Allgemeinen Selbstwirksamkeitserwartung (SWE) erfasst. Zudem wurde das Depressionsmodul des Gesundheitsfragebogens für Patienten (PHQ-9) und die Montgomery-Åsberg Depression Rating Scale (MADRS) zur Erfassung von Depressivität und Schweregrad eingesetzt. Die BPT-Durchführung: In zehn Einheiten der Boulderpsychotherapie bearbeiteten die Therapeuten mit ihren Patienten unterschiedliche Themen ‒ anders als in der klassischen Psychotherapie nicht im Gespräch, sondern im direkten Erleben an der Kletterwand. So können die Betroffenen beispielsweise beim Thema „soziale Beziehungen“ die Erfahrung machen, welche Gefühle und Gedanken auftauchen, wenn sie mit anderen über ein Seil verbunden sind und die Boulderroute gemeinsam bewältigen müssen. Außerdem hilft die für das Klettern nötige Konzentration, im Hier und Jetzt zu sein und Grübelschleifen, die ein Hauptsymptom der Depression sind, zu durchbrechen.
Bei den Teilnehmern der Bouldergruppe zeigte sich ein signifikant höherer Anstieg der wahrgenommenen Selbstwirksamkeit im SWE im Vergleich zum Heimtraining (ein Anstieg von 3,04 vs. 1,26 Punkten; p=0,016; Cohen‘s d=0,39). In der Confounder-adjustierten hierarchischen multiplen Regressionsanalyse erwies sich die Gruppenzuordnung (Bouldern vs. Heimtraining) als einziger signifikanter Prädiktor für den Postinterventions-SWE-Score (β=0,16; p=0,014) neben dem Baseline-SWE-Score (β=0,69; p<0,001). Zwischen den Teilnehmern der Boulder- bzw. Verhaltenstherapie-Gruppe zeigten sich hinsichtlich von Effekten auf die wahrgenommene Selbstwirksamkeit keine Unterschiede. Die Autoren resümieren, dass ihre Ergebnisse auch erste Hinweise darauf liefern, dass Boulderpsychotherapie bei der Verbesserung der wahrgenommenen Selbstwirksamkeit mit moderner Verhaltenstherapie vergleichbar ist. Zumal sich auch in den fragebogenerfassten Bereichen Angst, Körperbild, Bewältigungsmechanismen, Selbstwertgefühl und Sozialverhalten deutliche Verbesserungen durch die Boulderpsychotherapie ergaben.

Kratzer A et al., BMC Psychol 2021 Aug 26; 9(1): 126, doi 10.1186/s40359-021-00627-1, PMID 34446114

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