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Ambulante Versorgung

Hospizarbeit: Einbeziehung von Angehörigen „auf Augenhöhe“ ist zentral

15.2.2022

Eine schweizer Studie rückt die Sicht der ehrenamtlich arbeitenden Angehörigen von schwerstkranken und sterbenden Menschen ins Zentrum. Dabei wurden Defizite deutlich, die durch einen bewussteren Umgang von Fachpersonal mit Angehörigen von schwer und chronisch Erkrankten „auf Augenhöhe“ verbessert werden könnten.

Die ambulante und stationäre Hospizarbeit wäre unmöglich ohne die weit über 100.000 Menschen, die sich etwa als Ehrenamtliche für schwerstkranke und sterbende Menschen in der Betreuung engagieren. (Deutschland). Eine Zielgruppe, die Angehörigen, wird dabei zwar in ihrer Präsenz und Aufgabenzuweisung als selbstverständlich angenommen, einschließlich ihrer zentralen Rolle bei der praktischen palliativen Betreuung - die bisherige Forschung beschreibt diese Rolle aber stets aus der Perspektive des Gesundheitspersonals.

Die demografische Entwicklung zeigt, dass die palliative Begleitung von Menschen zunehmend an Relevanz gewinnt (bei gleichzeitig wachsendem Personalmangel). Damit dieser anspruchsvolle und oftmals auch schmerzliche Prozess positiv gestaltet und von den Angehörigen positiv beurteilt werden kann, ist ihre Einbeziehung in alle Dimensionen der palliativen Betreuung unumgänglich. Im Rahmen der Pilotstudie wurden mit Hilfe einer inhaltsanalytischen Interpretation von 23 leitfadengestützten Interviews mit Angehörigen in der Schweiz drei Formen der Rollenwahrnehmung identifiziert. Die Autoren beschreiben sie als „Schutzbedürftige“, „Partner“ oder „Kämpfer“. Die Analyse zeigt auf, dass die Zufriedenheit der Angehörigen mit der Palliativbetreuung in Abhängigkeit von Rollenzuweisungen im Betreuungsgeschehen durch Fachpersonen steht. Tatsächlich, so ergab sich bei den Angehörigengesprächen, sind sich Fachpersonen der zentralen Bedeutung von sozialen Rollen im Betreuungsgeschehen oft nicht bewusst.

Einer Sensibilisierung für die aus dem Versorgungsalltag heraus entstehenden normativen Erwartungen kommt gerade auch mit Blick auf das Versorgungsresultat ein hoher Stellenwert zu, betonen die Autoren. Die Einbeziehung von Angehörigen „auf Augenhöhe“ leistet einen wesentlichen Beitrag, damit die Palliativversorgung von allen Beteiligten als qualitativ hochwertig erfahren wird. Angesichts des durch die Studie deutlich werdenden Handlungsbedarfs sollte deshalb bei Weiterbildungen in Palliative Care auch die Beziehung zu Angehörigen reflektiert und zur bewussten Gestaltung dieses Verhältnisses ermutigt werden. In allen Versorgungskontexten sollte zudem darauf hingearbeitet werden, Fachpersonen mit zusätzlichen Kompetenzen für eine gelungene Kooperation mit Angehörigen auszustatten - wobei alle Professionen aktiv einbezogen werden sollten. Das schließt Hausärzte, Pflegende im ambulanten und stationären Bereich, Fachärzte (Onkologie) oder spezialisierte Pflegende von mobilen Palliative Care Teams mit ein. Ein im Bereich Palliative Care gut ausgebildetes Gesundheitspersonal sowie ein gemeinsames Verständnis der Rollen in der Palliativbetreuung sind zentral, so das Resümee der Pilotstudie, um Angehörige zu stärken.

Degen Jermann E. et al.: Z Evid Fortbild Qual Gesundhwes. 2022 Feb 8:S1865-9217(21)00223-3 DOI 10.1016/j.zefq.2021.12.003 | PMID 35148969).

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