Eine aktuelle systematische Übersichtsarbeit aus Deutschland hat untersucht, ob Aktivitätstracker die körperliche Aktivität älterer Erwachsener steigern und sitzendes Verhalten reduzieren können. Analysiert wurden 18 randomisierte kontrollierte Studien mit insgesamt 2.841 Teilnehmenden und einem Durchschnittsalter von rund 71 Jahren. Im Fokus standen Tracker-basierte Interventionen, bei denen die Geräte das zentrale Element der Verhaltensänderung darstellten.
Insgesamt zeigen die Studien, dass Aktivitätstracker die körperliche Aktivität kurzfristig bis mittelfristig erhöhen können. Am konsistentesten war der Effekt auf die tägliche Schrittzahl, die in mehreren Studien signifikant anstieg. Auch für Aktivität mit moderater bis höherer Intensität fanden sich positive Effekte, allerdings überwiegend in Interventionen mit einer Dauer von bis zu sechs Monaten. Langfristige Effekte über diesen Zeitraum hinaus sind bislang nicht belegt.
Entscheidend für den Erfolg war weniger der eingesetzte Gerätetyp als vielmehr die Art der Intervention. Wirksame Programme kombinierten die Tracker regelmäßig mit spezifischen Verhaltensänderungstechniken, insbesondere individueller Zielsetzung, kontinuierlicher Selbstbeobachtung und strukturierter Rückmeldung. Einfache Schrittzähler erwiesen sich dabei ebenso als geeignet wie komplexere Beschleunigungsmesser, sofern sie in ein solches verhaltensorientiertes Konzept eingebettet waren.
Deutlich schwächer fällt die Evidenz zur Reduktion sitzenden Verhaltens aus. Zwar berichteten einzelne Studien über eine Abnahme selbst angegebener Sitzzeiten, objektive Messungen zeigten jedoch keine konsistenten oder signifikanten Effekte. Keine der eingeschlossenen Studien hatte die Reduktion von Sitzverhalten als primäres Interventionsziel, und spezifische Strategien wie Inaktivitätsalarme oder sitzbezogene Zielvorgaben kamen nicht zum Einsatz.
Für die ärztliche Praxis bedeutet dies: Aktivitätstracker können älteren Patientinnen und Patienten helfen, ihr Bewegungsniveau – insbesondere die tägliche Schrittzahl – zu steigern, wenn sie gezielt mit klaren Zielen, Rückmeldung und Selbstkontrolle eingesetzt werden. Erwartungen an eine nachhaltige Reduktion des Sitzverhaltens oder an langfristige Effekte sollten hingegen zurückhaltend formuliert werden. Die Qualität der verfügbaren Evidenz ist insgesamt moderat, da keine der Studien ein durchgehend niedriges Verzerrungsrisiko aufwies. Weitere Forschung mit klarerem Fokus auf Sitzverhalten und langfristige Verhaltensänderung ist erforderlich.
Hinweis: Diese Übersichtsarbeit bewertet ausschließlich trackerbasierte, überwiegend schrittorientierte Interventionen. Aussagen zu anderen alltagsnahen Bewegungsformen wie Gartenarbeit oder Hausarbeit lassen sich daraus nicht ableiten, da diese Aktivitäten weder systematisch erfasst noch gezielt adressiert wurden.
Estorff I et al.: Efficacy of activity tracker-based interventions and their behavioral components in promoting physical activity and reducing sedentary behavior in older adults: a systematic review of randomized controlled trials. Eur Rev Aging Phys Act. 2026 Jan 12 (DOI 10.1186/s11556-025-00396-5).