- Anzeige -
NEWS

ADHS-Therapie

Retardierte Methylphenidat-Kautablette als neue Darreichungsoption

24.3.2026

In Europa steht erstmals eine einmal täglich einzunehmende, retardierte Kautablette mit dem Wirkstoff Methylphenidathydrochlorid (MPH) für die Behandlung der Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) bei Kindern und Jugendlichen im Alter von 6-17 Jahren zur Verfügung. Das Präparat ist seit Dezember 2025 in Deutschland, dem Vereinigten Königreich und den nordischen Ländern verfügbar. Es ist Bestandteil eines multimodalen Behandlungskonzepts und indiziert, wenn nicht-medikamentöse Maßnahmen allein nicht ausreichen. Als Methylphenidat-haltiges Arzneimittel entspricht es damit der leitliniengerechten Erstlinienbehandlung der ADHS.

Ob die Kautablette die ADHS-Therapie vereinfacht, ist weniger eine Frage der pharmakodynamischen Eigenschaften des Wirkstoffs als der galenischen Umsetzung. Die Kautablette mit Kirschgeschmack adressiert insbesondere Anwendungsbarrieren bei jüngeren Patienten oder bei Kindern und Jugendlichen mit Schluckbeschwerden, die bei herkömmlichen retardierten Tabletten oder Kapseln auftreten können. Die Möglichkeit der mahlzeitenunabhängigen Einnahme sowie der Verzicht auf das Öffnen, Teilen oder Zerkleinern retardierter Darreichungsformen können die praktische Handhabung im Alltag erleichtern. Diese Aspekte können sich positiv auf die Therapieadhärenz auswirken, ohne dass sich das pharmakologische Wirkprinzip von Methylphenidat grundlegend verändert.

Verlängerte Wirkstofffreisetzung

Das Besondere ist die Kombination aus Kautablette mit einer verlängerten Wirkstofffreisetzung, die über die sogenannte LiquiXR®-Technologie realisiert wird. Beim Kauen zerfällt die Tablette in mikrofeine Partikel eines Ionenaustauscherharzes, an das Methylphenidat gebunden ist. Etwa 30 % dieser Partikel sind unbeschichtet und ermöglichen nach dem Ionenaustausch im Gastrointestinaltrakt eine rasche Freisetzung des Wirkstoffs, mit einem Wirkeintritt nach rund 45 Minuten. Die übrigen 70 % der Wirkstoffmenge liegen ebenfalls harzgebunden vor, sind jedoch zusätzlich mit einer Polymermembran überzogen, die als Diffusionsbarriere wirkt. Die Freisetzung erfolgt hier verzögert und kontrolliert, wobei unterschiedliche Membrandicken zu einer gestaffelten Abgabe beitragen. Auf diese Weise kann nach einmaliger morgendlicher Einnahme ein therapeutischer Plasmaspiegel über einen Zeitraum von bis zu 8 Stunden aufrechterhalten werden. Für die 40-mg-Kautablette wurde eine Bioäquivalenz zur zweimal täglichen Gabe von jeweils 20 mg sofort freisetzendem Methylphenidat nachgewiesen.

Hinsichtlich der Verordnung unterliegt das neue MPH-Präparat unverändert den gesetzlichen Vorgaben für Methylphenidat-haltige Arzneimittel. Der Wirkstoff ist dem Betäubungsmittelrecht unterstellt, sodass die Verschreibung ausschließlich auf einem Betäubungsmittelrezept (BtM-Rezept) erfolgen kann. Die besondere galenische Form als retardierte Kautablette hat keinen Einfluss auf die rechtliche Einstufung. Damit gelten auch für die Kautablette die bekannten regulatorischen Anforderungen an Verschreibung, Dokumentation und Abgabemengen, die für Stimulanzien aufgrund ihres Missbrauchs- und Abhängigkeitspotenzials vorgesehen sind.

Pressemitteilung „Neuraxpharm enhances ADHD treatment options in Europe with two launches“. Neuraxpharm, Barcelona, 12.1.2026 (https://www.neuraxpharm.com/news/neuraxpharm-enhances-adhd-treatment-options-in-europe/).

* Europäischer Öffentlicher Beurteilungsbericht „Tuzulby (methylphenidate hydrochloride). European Medicines Agency, Amsterdam, 2025 (https://www.ema.europa.eu/en/medicines/human/EPAR/tuzulby).

No items found.
Lesen Sie mehr und loggen Sie sich jetzt mit Ihrem DocCheck-Daten ein.
Der weitere Inhalt ist Fachkreisen vorbehalten. Bitte authentifizieren Sie sich mittels DocCheck.
- Anzeige -

Das könnte Sie auch interessieren

123-nicht-eingeloggt