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Dermatologie

Forschung und Praxis

Neue Entwicklungen bei der Klassifikation von AK und auf dem Gebiet der PDT-Behandlung

Agata Kwapisz

30.8.2021

Die photodynamische Therapie wird mit Erfolg bei der Behandlung von Gewebsveränderungen wie der aktinischen Keratose eingesetzt. Aktuelle Forschungsergebnisse zeigen zudem das mögliche Potenzial in anderen Anwendungsgebieten auf.


Die PRO-Klassifikation ist ein neues Klassifikationssystem für aktinische Keratosen (AK), das die variablen basalen Proliferationsmuster berücksichtigt. Die Läsionen werden in Abhängigkeit der Tiefenausdehnung in drei Kategorien (PRO I bis PRO III) eingeteilt. Eine Studie untersuchte die Interrater-Reliabilität (Ausmaß der Übereinstimmungen der Einschätzungsergebnisse bei unterschiedlichen Beobachtern) der PRO-Klassifikation und der histologischen AK-Klassifizierung nach Röwert-Huber [1]. Dabei wurden histologische Bilder von 54 AK-Läsionen von 21 unabhängigen Dermatopathologen klassifiziert. Beobachtet wurde eine signifikante Interrater-Reliabilität für die PRO-Klassifikation (p < 0,001). Sie war höher als für die AK-Einstufung nach Röwert-Huber (Kendallscher Konkordanzkoeffizient: AK-Einstufung = 0,488 vs. PRO-Klassifikation = 0,793). Auch fand sich eine Übereinstimmung für das von den Prüfern angenommene Progressionsrisiko für AK mit zunehmender basaler Proliferation (k = 0,759), verglichen mit mäßiger Übereinstimmung (k = 0,563) für verschiedene AK-Grade [1]. „In einer anderen Untersuchung konnte gezeigt werden, dass am häufigsten AK der Kategorie PRO III in unmittelbarer Nähe zu invasiven Plattenepithelkarzinomen auftreten“, erklärte Dr. med. Lutz Schmitz (Bonn).

Bessere Einschleusung in die Haut

Die Nanoemulsion BF-200 trägt dazu bei, eine Anwendung von 5-Aminolävulinsäure (5-ALA) auf der Haut zu verbessern, denn sie hilft, die Hautbarriere zu überwinden [2]. In der Emulsion sind Phospholipidvesikel (Durchmesser von 15‒30 nm) in einer wässrigen Phase gelöst. Wahrscheinlich können sich die elektrisch geladenen 5-ALA-Moleküle durch die Ausbildung elektrostatischer Wechselwirkungen an die nach außen gerichteten Phospholipidköpfe der Nanovesikel lagern. So wird die chemische Stabilität der 5-ALA-Moleküle erhöht. Die 5-ALA-Moleküle werden mit Nanovesikeln transportiert, was die Penetration in das Stratum corneum vereinfacht, denn diese fusionieren mit der Lipid-Doppelschicht der Hornschicht [3].  Die 5-ALA-Moleküle können in die untersten epidermalen Schichten vordringen und somit auch in tiefer gelegenen, neoplastischen Zellen zu Protoporphyrin IX metabolisiert werden.

Schmerzmanagement

Studien konnten bereits die gute Wirksamkeit von Medikamenten im Zusammenhang mit der photodynamischen Therapie (PDT) aufzeigen [4,5].  Bei einer Behandlung mit der konventionellen PDT mit Rotlicht können in den ersten Minuten der Belichtung Schmerzen auftreten. Obwohl die Schmerzen abklingen, ist die Schmerzwahrnehmung der Patienten sehr individuell. „Es wurden jedoch bereits einige Faktoren beschrieben, anhand derer der Grad der Behandlungsschmerzen vorhergesagt werden kann“, erklärte PD Dr. Patrick Gholam (Heidelberg). „Dazu zählen unter anderem die Größe des Behandlungsareals, die Art und Lokalisation der Läsionen sowie das Alter der Patienten. Zudem gibt es Hinweise darauf, dass Männer tendenziell mehr Schmerzen haben als Frauen.“ Um die Prozedur für die Patienten angenehmer und schmerzärmer zu machen, können analgetische Behandlungen wie eine Kaltluftkühlung oder Nervenblockaden angewendet werden. Auch die Modifikation der Behandlungsparameter wie die Belichtungsintensität kann hilfreich sein. Alternativ kann auch die Tageslicht-PDT angewendet werden, die nur sehr geringe Schmerzen verursacht.  Durch eine Kombination dieser mit der konventionellen PDT können geringe Schmerzhaftigkeit mit hohen Heilungsraten verbunden werden.

Ästhetische Aspekte

Ein guter Nebeneffekt der Behandlung mit der konventionellen PDT ist, dass sie das Hautbild verbessert [6,7]. Sie wirkt sich auf die Epidermis aus, denn die neoplastischen Zellen werden gezielt zerstört und durch gesunde Zellen ersetzt. Durch indirekte dermale Effekte kommt es zu einer Induktion von Zytokinen mit verschiedenen Prozessen wie Elastolyse, Neokollagenese und Fibroblastenstimulation. Die Folge ist eine Straffung der Haut, Verringerung feiner Fältchen, weniger Erytheme, geringere Oberflächenrauigkeit, eine Normalisierung der epidermalen Architektur und eine Verbesserung von Pigmentveränderungen.

Weitere Anwendungsmöglichkeiten

Aufgrund der immunmodulatorischen und antimikrobiellen Wirkung der PDT könnte sie vielleicht auch bei entzündlichen und infektiösen Hauterkrankungen gute Ergebnisse bringen. Eine aktuelle Studie untersuchte den Einsatz von PDT für die Behandlung von Rosacea [8]. Es wurden 17 Patienten mit Rosacea eingeschlossen, die dreimal mit Aminolävulinsäure (ALA) im Zuge der Tageslicht-PDT im Abstand von sieben bis zehn Tagen behandelt wurden. Nach drei Behandlungen lag die Gesamtwirksamkeitsrate (Verbesserung ≥ 50 %) bei 64,7 % und der mittlere Patientenzufriedenheits-Score bei 1,71 ± 0,69 (0 = niedrig, 3 = hoch). Der Erythem-Index verringerte sich in einem Zeitraum von einen Monat nach der letzten Behandlung signifikant (von 468 ± 80,61 auf 439 ± 77,78 für die Stirn und von 507,65 ± 92,51 auf 483,27 ± 78,32 für die Nasenflügel). Auch für die Behandlung von Akne zeigte die PDT gute Ergebnisse [9]. Jedoch werden noch weitere Untersuchungen benötigt, um die optimalen Photosensibilisator-Vorstufen, Lichtquellen, Inkubationszeiten und die optimale Anzahl der Behandlungen für die PDT-Anwendung bei Akne zu evaluieren.

1 Schmitz L et al., J Eur Acad Dermatol Venereol 2019; 33: 1092‒1097
2 Uehlinger et al., J Photochem Photobiol B 2000; 54: 72‒80
3 Schmitz L et al., Photodiagnosis Photodyn Ther 2016; 14: 40‒46
4 Dirschka T et al., Skin, doi: 10.25251/skin.3.supp.47
5 Fachinformation Ameluz®, Stand: Februar 2021.
6 Kohl E et al., J Eur Acad Dermatol Venereol 2010; 24: 1261–1269
7 Szeimies RM, Karrer S, Der Hautarzt 2021; 72: 27‒33
8 Sun Y et al., J Cosmet Laser Ther 2019; 21: 196‒200
9 Zheng W et al., Eur J Dermatol 2014; 24: 444‒456.
Pressemitteilung Biofrontera, April 2021

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