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Allgemeinmedizin

Natriumhydrogencarbonat

Der wichtigste Puffer – ein Porträt

Dr. med. Dr. PH Herbert Stradtmann

6.4.2026

Die ähnlichen Benennungen und Formeln können zum Verwechseln von Natriumhydrogencarbonat (NaHCO3) mit Natriumcarbonat (Na2CO3) führen. Dass Ersteres Leben retten kann, während Letzteres dem Wäschewaschen dient, sollte man sich immer mal wieder vor Augen führen. Ein kleiner Refresher aus der Vorklinik.

Natriumcarbonat, ein Salz der Kohlensäure ohne Wasserstoff (H) ist chemisch Na2CO3. Die lateinische Bezeichnung lautet Natrium carbonicum. Umgangssprachlich wird es Soda genannt. Im Handel ist es auch unter den Bezeichnungen Backsoda, Speisesoda, Speisenatron, Waschsoda oder unter verschiedenen Markennamen zu finden. Natriumcarbonat wirkt allein nicht als Puffersubstanz. Die ähnlichen Formeln können leicht zur Verwechselung von Natrium­carbonat/Soda (Na2CO3) mit Natriumhydrogencarbonat/Natron (NaHCO3) führen.

Natriumhydrogencarbonat ist wie Waschsoda ein ­Natriumsalz der Kohlensäure H2CO3, das statt eines zweiten Natriumatoms ein Wasserstoffatom (lateinisch Hydrogenium) enthält. Die dafür gebräuch­lichen Begriffe Natrium-Bicarbonat und einfach gekürzt umgangssprachlich Bicarbonat für diese Substanz stiften Verwirrung, denn diese leiten sich von den ehemals gebräuchlichen zwei lateinischen Bezeichnungen für NaHCO3 ab: Natrium hydro­carbonicum bzw. Natrium bicarbonicum. In der ­Chemie korrekt aber ist für ­NaHCO3 der Begriff Natriumhydrogencarbonat und das ist eine Puffersubstanz.

Bicarbonat im chemischen Sinne mit der Formel HCO3 ist das einfach deprotonierte Salz (H+ = Proton) der Kohlensäure (H2CO3). Kohlensäure heißt lateinisch Acidum carbonicum. HCO3 als Anion kann wiederum H+ als Kation binden und ist somit der wirksame Faktor von Natriumhydrogencarbonat (NaHCO3) als Puffersubstanz.

So funktioniert die Pufferung im Organismus des Menschen

Nun zur Physiologie: Der Stoffwechsel des Menschen hat einen sehr engen pH-Spielraum (Tab. 1). Mit der Blutgasanalyse (BGA) lässt sich bekanntlich der Blut-pH-Wert messen. Moderne Blutgasautomaten befinden sich in Krankenhausnotaufnahmen, auf Intensivstationen sowie in Dialysezentren. Die BGA (früher: Astrup) ermöglicht die Beurteilung des Säure-Basen-Haushalts (SBH) innerhalb von Minuten. Meist erfolgt zusätzlich die Messung diverser Elektrolyte, der Blutglucose sowie der Sauerstoffsättigung und mittels CO-Oxymetrie im Gerät die Bestimmung des Hämoglobin(Hb)- und Hämatokritwertes.

Für die Aufrechterhaltung des engen physiologischen pH-Wert-Korridors (7,37–7,45) sind zuständig:

  1. Puffersubstanzen (Hb, Proteine, Phosphate),
  2. die intakte Respiration und
  3. die Pufferung saurer Wasserstoffionen durch die intakte Nierenfunktion.

Metabolische Störungen gleicht der Organismus ­respiratorisch aus, respiratorische durch metabolische Kompensation. Das erfolgt über die Lunge durch Abgabe von CO2 und über die Nieren durch die Pufferung saurer H+-Ionen mittels HCO3−. Dieses ausbalancierte CO2 / HCO3 (Kohlendioxid/Hydrogen-[Bi]carbonat)-Puffersystem hat mit 75 % der Gesamtpufferleistung die größte Bedeutung im SBH und ist für den Menschen überlebenswichtig [1].

Ein normaler Blut-pH kann volle Normalität des SBH bedeuten. Es kann aber auch eine kompensierte Störung vorliegen, wenn die Kompensationsoptionen noch ausreichen (Tab. 2).

Bestünde eine Azidose, so müsste man durch Kaliumverschiebung aus dem Intrazellulär- in den Extrazellulärraum und mit einer Hyperkaliämie rechnen. Eine Azidose reduziert zudem die Reaktivität der Gefäßmuskulatur auf Katecholamine (z. B. bei kardiogenem Schock) und wirkt auf das Herz negativ inotrop. Der Urin-pH-Wert wäre sauer. Weiterhin käme es ohne Behandlung mit Fortschreiten einer Azidose zur Minderdurchblutung der Nieren bis hin zur Anurie [1].

Die Azidosetherapie besteht in der Beseitigung auslösender Ursachen und in der Zufuhr von Natriumhydrogencarbonat (Bicarbonat). HCO3 verbindet sich mit überschüssigen sauren H+-Ionen zu H2O und CO2. Letzteres wird bei intakter Lunge abgeatmet. Ist die Ursache nicht mehr zu beseitigen, wie bei chronischer Nierenkrankheit, entsteht oft eine chronisch-metabolische Azidose. Das ist die Indikation zur ­Therapie mit magensaftresistenten Natriumhydrogencarbonat(Bicarbonat)-Präparaten.

Eine gelegentliche Vergegenwärtigung des präklinischen Studienlernstoffs kann hier und da den Praxisalltag erleichtern.

Der Autor

Dr. med. Dr. PH Herbert Stradtmann
Arzt für Innere Medizin/Nephrologie,
Hypertensiologe-DHL® und ­Rehabilitationswesen
Im Wölftegrund 27
34537 Bad Wildungen

  1. Herold G. 2025; Innere Medizin: 587–589. ISBN-10: 3982116643

Bildnachweis: privat

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