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Typ-2-Diabetes

Verringertes Neuropathierisiko bei SGLT-2-Inhibitoren?

22.4.2026

In einer dänischen Registerstudie mit Target-Trial-Emulation (Nachbildung einer randomisierten Studie mit Beobachtungsdaten nach vorab definiertem Studienprotokoll) hatten Patienten und Patientinnen mit Typ-2-Diabetes, die erstmals einen SGLT-2-Inhibitor erhielten, nach sechs Jahren ein geringfügig niedrigeres Risiko für diabetische Fußerkrankungen als Personen unter einem GLP-1-Rezeptoragonisten.

In die Hauptanalyse gingen 53.769 neue SGLT-2-Inhibitor-Anwender und 30.380 GLP-1-Rezeptoragonisten-Anwender ein. Die Adjustierung erfolgte mittels inverser Wahrscheinlichkeitsgewichtung für 45 Kovariaten. Das mediane Follow-up lag bei 3,5 Jahren.

Nach sechs Jahren trat „any foot disease“ bei 10,8 % der SGLT-2-Anwender und bei 12,0 % der GLP-1-Anwender auf (RR 0,90; 95%-KI 0,84-0,97). Der Unterschied war im Wesentlichen durch eine niedrigere Rate peripherer Neuropathien bedingt (3,8 % vs. 4,9 %; RR 0,78).

Für periphere arterielle Verschlusskrankheit, Fußulzera, Amputationen und Gesamtmortalität ergaben sich keine relevanten Unterschiede. Die Kurven für Neuropathie trennten sich erst nach etwa drei Jahren – zu einem Zeitpunkt, als bereits 40 % der SGLT-2-Anwender und 32 % der GLP-1-Anwender die initiale Therapie beendet hatten.

Die Sechs-Jahres-Abbruchrate war unter SGLT-2-Inhibitoren höher (52 % vs. 44 %), ebenso die Therapieumstellung. In der Per-Protocol-Analyse zeigten sich für Ulzera (RR 1,17) und Amputationen (RR 1,56; weites KI) sogar numerisch höhere Risiken unter SGLT-2-Inhibitoren.

Strukturierte Fußprävention bleibt zentral

Die Autoren und Autorinnen weisen auf mehrere Limitationen hin: mögliche Residualkonfundierung, Outcome-Misclassification (positiv-prädiktiver Wert für Neuropathie 74 %) sowie Unterschiede im Inanspruchnahmeverhalten. GLP-1-Anwender hatten häufiger diabetologische Ambulanzkontakte und Podologie-Kontrollen, was eine Detektionsverzerrung insbesondere für Neuropathien begünstigen könnte.

In einem begleitenden Kommentar wird betont, dass die späte Separation der Kurven und die hohen Abbruchraten die Interpretation erschweren. Ob der beobachtete Unterschied kausal auf die initiale Medikation zurückzuführen ist, bleibt unklar.

Für die Praxis bedeutet das: Ein substantieller Unterschied im Risiko schwerer diabetischer Fußkomplikationen zwischen beiden Substanzklassen ist aus diesen Daten nicht ableitbar. Die absolute Risikodifferenz bei „any foot disease“ beträgt 1,2 Prozentpunkte über sechs Jahre. Medikamentenwahl und strukturierte Fußprävention bleiben unabhängig davon zentrale Bausteine der Versorgung.

Quelle: Kristensen FPB et al.: Effectiveness of Sodium-Glucose Cotransporter-2 Inhibitors Versus Glucagon-like Peptide-1 Receptor Agonists on Diabetic Foot Disease : An Emulated Target Trial. Ann Intern Med. 2026 Jan 6 (DOI 10.7326/ANNALS-25-01262).

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