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Langzeitfolgen

Supportivtherapie bei Chemotherapie-induzierter Polyneuropathie?

12.8.2026

Die Chemotherapie-induzierte Polyneuropathie (CIPN) gehört zu den häufigsten Langzeitfolgen einer platinhaltigen Chemotherapie. Therapeutisch sind die Möglichkeiten begrenzt. Die aktuelle ASCO-Leitlinie empfiehlt für die Behandlung schmerzhafter CIPN im Wesentlichen nur Duloxetin; für viele andere Verfahren ist die Evidenz bislang unzureichend.

Eine mexikanische Studie verfolgt nun einen etwas anderen Ansatz. Im Mittelpunkt stand nicht allein die Schmerzreduktion, sondern die Frage, ob sich auch die funktionellen und oft im Lebensalltag relevanten Folgen einer CIPN beeinflussen lassen. Untersucht wurden 14 Patientinnen und Patienten mit persistierender Polyneuropathie nach Oxaliplatin-haltiger Therapie eines Kolon- oder Rektumkarzinoms. Die Beschwerden bestanden im Mittel bereits seit fast 11 Monaten. Die Teilnehmenden erhielten zehn Sitzungen mit transkutaner elektrischer Nervenstimulation (TENS), kombiniert mit einer sensorischen Re-Edukation durch gezielte Wahrnehmungsübungen.

Wie zu erwarten, verbesserten sich die neuropathischen Schmerzen signifikant. Interessanter sind jedoch die funktionellen Befunde: Auch Störungen der Oberflächen-, Tiefen- und Schmerzempfindung gingen zurück, gleichzeitig verbesserten sich die Einbeinstandzeiten mit offenen und geschlossenen Augen. Die Effekte waren selbst einen Monat nach Ende der Behandlung noch nachweisbar.

Grenzen der Studie

Die Studie ist klein, unkontrolliert und erlaubt keine belastbaren Aussagen zur Wirksamkeit von TENS. Bemerkenswert ist dennoch die Perspektive der Autoren und Autorinnen. Während Leitlinien und Studien zur CIPN häufig vor allem auf neuropathische Schmerzen fokussieren, rückt diese Arbeit Sensibilitätsstörungen, Gleichgewicht, Standfestigkeit und mögliche Sturzrisiken in den Vordergrund. Genau diese Einschränkungen bestimmen jedoch oft den Alltag der Betroffenen.

Die eigentliche Botschaft bei der Versorgung von Langzeitkrebsüberlebenden lautet daher nicht, dass TENS eine neue Standardtherapie wäre. Vielmehr erinnert die Studie daran, dass Chemotherapie-induzierte Polyneuropathien auch als Rehabilitationsaufgabe verstanden werden können. Neben der medikamentösen Schmerztherapie könnten Verfahren aus Physio-, Ergo- und Rehabilitationsmedizin dazu beitragen, Funktion, Mobilität und Lebensqualität gezielter zu verbessern – ein Aspekt, der in der onkologischen Nachsorge bislang vergleichsweise wenig Beachtung findet.

Pérez-Gómez DC et al.: [Electrotherapy and sensory re-education as a treatment for chemotherapy-induced neuropathy]. Rev Med Inst Mex Seguro Soc. 2026 Jun 1;64(Suppl 1):e6386 (DOI 10.5281/zenodo.19099444).

* Loprinzi CL et al.: Prevention and Management of Chemotherapy-Induced Peripheral Neuropathy in Survivors of Adult Cancers: ASCO Guideline Update. J Clin Oncol. 2020 Oct 1;38(28):3325-3348 (DOI 10.1200/JCO.20.01399).

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