Eine Meta-Analyse aus China mit mehr als 1,2 Millionen Teilnehmerinnen und Teilnehmern deutet darauf hin, dass eine Antibiotika-Anwendung mit einem moderat erhöhten Risiko für gastrointestinale Krebserkrankungen assoziiert ist. Besonders deutlich zeigte sich der Zusammenhang für kolorektale Karzinome.
Die systematische Übersichtsarbeit schloss zwölf Beobachtungsstudien mit insgesamt mehr als 1,2 Millionen Personen ein. In der gepoolten Analyse war eine Antibiotika-Anwendung mit einem um 18,7 % erhöhten Risiko für gastrointestinale Tumoren verbunden (OR = 1,187; 95%-KI: 1,018–1,386). Für kolorektale Karzinome betrug die Risikoerhöhung 20,8 % (OR = 1,208; 95%-KI: 1,027–1,420). Darüber hinaus zeigte sich eine Dosis-Wirkungs-Beziehung hinsichtlich der Anzahl der Antibiotikaverordnungen: Bei ein bis fünf Verordnungen lag die Odds Ratio bei 1,077, bei mehr als fünf Verordnungen bei 1,154. Auch längere Einnahmedauern waren in den kategorialen Analysen mit höheren Risiken assoziiert. In der Meta-Regression ließ sich jedoch kein signifikanter linearer Zusammenhang zwischen der Dauer der Antibiotika-Anwendung und dem Krebsrisiko nachweisen. Als mögliche biologische Mechanismen diskutieren die Autoren Veränderungen des Darmmikrobioms, chronische Entzündungsprozesse der Darmschleimhaut und eine Beeinträchtigung der Immunüberwachung.
Zurückhaltender und leitliniengerechter Einsatz von Antibiotika
Die Aussagekraft der Ergebnisse bleibt jedoch begrenzt. Die Evidenzqualität wurde nach GRADE als niedrig eingestuft. Zudem war die statistische Heterogenität der eingeschlossenen Studien sehr hoch (I² 97,2 % für gastrointestinale Tumoren und 97,4 % für kolorektale Karzinome), und sämtliche eingeschlossenen Untersuchungen hatten ein beobachtendes Studiendesign. Entsprechend betonen auch die Autoren, dass die Ergebnisse als hypothesengenerierend zu verstehen sind und keine Kausalität belegen können. Bereits frühere Metaanalysen hatten allerdings über vergleichbare Risikoerhöhungen berichtet, sodass die aktuelle Arbeit einen bereits länger diskutierten Zusammenhang weiter stützt. Die Ergebnisse sprechen damit für einen weiterhin zurückhaltenden und leitliniengerechten Einsatz von Antibiotika – ein Ziel, das bereits aus Gründen der Resistenzentwicklung hohe Priorität besitzt und durch diese Daten zusätzlich an Bedeutung gewinnen könnte.
Einordnung: Kein neues Signal, aber konsistentere Evidenz
Bereits mehrere Metaanalysen hatten einen Zusammenhang zwischen häufigem Antibiotikaeinsatz und einem erhöhten Risiko insbesondere für kolorektale Karzinome beschrieben. Frühere Übersichtsarbeiten fanden Risikoerhöhungen zwischen etwa 9 und 17 %, eine Metaanalyse mit nahezu acht Millionen Personen berichtete zudem über ein moderat erhöhtes Gesamtkrebsrisiko nach Antibiotikaexposition. Die aktuelle Arbeit bestätigt diese Richtung der bisherigen Evidenz, weist jedoch zugleich auf erhebliche Unsicherheiten durch die ausschließlich beobachtenden Studiendesigns und die hohe Heterogenität der eingeschlossenen Untersuchungen hin.
Wang Y et al.: The Relation Between Antibiotic Use and Gastrointestinal Cancer: A Systematic Review and Meta-Analysis. J Biochem Mol Toxicol. 2026 Jul;40(7):e71006 (DOI 10.1002/jbt.71006).