Letrozol gilt bei anovulatorischer Infertilität infolge eines polyendokrinen metabolischen Ovarsyndroms (PMOS, ehem. PCOS) derzeit als medikamentöse First-Line-Therapie. Eine der wichtigsten Arbeiten der ESHRE 2026 stellt diese Hierarchie jedoch zumindest teilweise infrage.
Im LOCI-Trial wurden Letrozol und Clomifen verglichen – jeweils mit oder ohne Metformin – in einem multizentrischen, doppelblinden 2×2-faktoriellen RCT.
In 48 britischen Zentren wurden 1 739 Frauen im Alter von 18 bis 42 Jahren mit anovulatorischem PMOS randomisiert. Sie erhielten bis zu 6 Zyklen Letrozol (2,5 –7,5 mg) oder Clomifen (50 –150 mg) sowie zusätzlich Metformin 1 500 mg/d oder Placebo. Primärer Endpunkt war eine Lebendgeburt ab der 34. Schwangerschaftswoche. Überraschend zeigte sich kein signifikanter genereller Vorteil von Letrozol: Die Lebendgeburtenrate betrug 35,3 % unter Letrozol und 32,8 % unter Clomifen (RR 1,08; 95%-KI 0,95–1,24; p = 0,23). Auch die zusätzliche Gabe von Metformin verbesserte die Lebendgeburtenrate nicht signifikant (35,0 vs. 33,1 %).
Interessant war allerdings die prädefinierte BMI-Subgruppe: Bei einem BMI ≥ 30 kg/m² lag die Lebendgeburtenrate unter Letrozol bei 37,3 %, unter Clomifen bei 29,8 % (RR 1,24; 95%-KI 1,00 –1,53). Dieser Unterschied verfehlte jedoch die statistische Signifikanz. Für die Praxis bedeutet das nicht, Letrozol als First-Line-Therapie aufzugeben. Vielmehr stellt LOCI die Vorstellung einer generellen deutlichen Überlegenheit infrage. Denkbar ist, dass insbesondere der BMI die relative Wirksamkeit beeinflusst. Der LOCI-Trial ist mit 1 739 Teilnehmerinnen der bislang größte randomisierte Vergleich oraler Strategien zur Ovulationsinduktion bei PMOS.
Melo P et al., Hum Reprod 2026; 41(Suppl 1): deag083.015