Infertilität des Mannes ist möglicherweise mehr als ein reproduktionsmedizinisches Problem. Eine populationsbasierte australische Kohortenstudie untersuchte bei 445 564 Männern aus New South Wales, ob eine diagnostizierte männliche Infertilität mit einem späteren Krebsrisiko verbunden ist.
Einbezogen wurden Männer, deren Partnerin zwischen 2009 und 2016 schwanger geworden war; Männer mit vorbestehender Krebserkrankung wurden ausgeschlossen. Die Nachbeobachtung reichte bis Juni 2024. Im Vergleich zu fertilen Vätern wiesen infertile Väter nach Adjustierung ein um 18 % erhöhtes Risiko für Krebserkrankungen insgesamt auf (aRR 1,18; 95%-KI 1,02–1,36). Besonders deutlich war die Assoziation beim Hodentumor: Hier lag die adjustierte Risk Ratio bei 3,28. Für Non-Hodgkin-Lymphome wurde eine aRR von 1,95, für kolorektale Karzinome von 1,51 gefunden. Zu beachten ist der Selektionsbias: Untersucht wurden ausschließlich Männer, die Väter geworden waren. Zudem konnten Lebensstil- und Umweltfaktoren nicht vollständig kontrolliert werden. Die Daten belegen daher keine Kausalität. Die klinische Relevanz liegt weniger in der Forderung nach einem speziellen Tumorscreening für jeden infertilen Mann. Vielmehr stützt die Studie das Konzept der männlichen Infertilität als möglichen Biomarker der allgemeinen Gesundheit.
Marozzi J et al., Hum Reprod 2026; 41(Suppl 1): deag083.083